Made in Bremen Platz für Kreative

Ende Januar ging die Plattform Craftspace online. Knapp eine Stunde später hatten die Bremer Gründer schon die erste Anfrage – aus Bali. Das Startup vermittelt Räume an Gründer, Unternehmer, Künstler und Hobbywerker.
31.07.2016, 00:00
Lesedauer: 4 Min
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Platz für Kreative
Von Alexandra Knief

Ende Januar ging die Plattform Craftspace online. Knapp eine Stunde später hatten die Bremer Gründer schon die erste Anfrage – aus Bali. Das Startup vermittelt Räume an Gründer, Unternehmer, Künstler und Hobbywerker.

Ende Januar ging die Plattform Craftspace online. Knapp eine Stunde später hatten Robert Frisinger, Christoph Lange und Til Rochow schon die erste Anfrage – aus Bali. Sie kam von Tim, der, wenn er wieder in Deutschland ist, fruchtige selbstgemachte „Superfood Bowls“ verkaufen wollte. Um sie herzustellen, brauchte er allerdings eine Produktionsstätte. Für ein paar Stunden am Tag.

Da etwas zu finden, ist bisher gar nicht so einfach gewesen. Das merkte auch Craftspace-Mitgründer Rochow, als er mit Freunden einen Food Truck eröffnen wollte, seine Idee aber fast scheiterte, weil er keine geeignete Produktionsküche für die geplanten Hot Dogs fand. Oft haben Anbieter lange Vertragslaufzeiten mit Kosten, die die meisten jungen Start-ups nicht stemmen können. Für dieses Problem will das junge Unternehmer-Trio Abhilfe schaffen. „Die Menschen bieten auf Plattformen ihre Wohnung zum Teilen an, aber nicht ihre gewerblichen Räume“, sagt Robert Frisinger. „Das wollen wir ändern.“

Mit ihrem Angebot springen die drei Unternehmer gleich auf zwei Trends auf, die sich seit einigen Jahren großer Beliebtheit erfreuen: dem Teilen und der Do-it-yourself-Bewegung. Auf ihrer Internetplattform versammeln sie Räumlichkeiten für die Bereiche Gastronomie, Handwerk und Kreativwirtschaft, die Interessenten für verschiedene Zeiträume – zum Teil auch nur stundenweise – inklusive Versicherung und Ausstattung zur Miete oder als Co-working nutzen können. „Unser Alleinstellungsmerkmal ist, dass in unseren Räumen etwas hergestellt werden kann“, sagt Lange.

Mehr als 200 Räume stehen zur Auswahl

Aktuell stehen mehr als 200 Räume in Bremen, Hamburg und Berlin über Craftspace zur Auswahl. Das Unternehmen selbst hat seine Firmensitze in Bremen und Hamburg. Unter den mehr als 50 Räumen in Bremen finden sich Angebote für fast jeden Bedarf: verschiedenste Werkstätten, Foto- und Filmstudios, Mietküchen und Kochstudios, Büros, Seminar- oder Eventräume.

Auch Buchdrucker Peer Rüdiger stellt sein Know-how und seine Letterpress-Werkstatt im Medienhaven im Steintorviertel interessierten Kreativen zur Miete zur Verfügung. Das Konzept von Craftspace hat ihn sofort begeistert, weil alle Seiten davon profitieren. Auf der einen Seite können Vermieter sich noch etwas hinzuverdienen und ihre Räumlichkeiten besser auslasten, auf der anderen Seite haben Mieter Zugang zu Räumen und Ausstattungen, die sie zur Umsetzung ihrer Ideen brauchen. „Man lernt spannende Leute kennen, knüpft neue Kontakte und generiert neue Aufträge“, so Rüdiger.

Die Jungs von Craftspace erstellen kostenlos ein Profil für die Vermieter und fassen darin alle wichtigen Infos – von der Ausstattung bis zum Preis der Räume – für die potenziellen Mieter zusammen. Für die Mieter ist die Buchung über Craftspace kostenlos. Im Falle einer Vermietung erhält das Start-up eine Provision vonseiten des Vermieters. Die Höhe der Provision hängt dabei vom Mietpreis ab und bewegt sich im Bereich der laut Gründer auch auf anderen Plattformen für Kurzzeitmiete üblichen zehn bis 20 Prozent.

Partnerschaftliches Modell steht im Mittelpunkt

Ein faires, partnerschaftliches Modell für alle Beteiligten stehe dabei im Mittelpunkt. Da das Angebot sowohl kleine Hobby-Räume als auch Räumlichkeiten mit Profiausstattungen beinhaltet, variieren auch die Mietpreise stark: von Stundenpreisen in Höhe von wenigen Euro, bis hin zu Tages- oder Wochenmieten im dreistelligen Bereich.

Bisher habe das Trio knapp 200 Mietanfragen erhalten. „Durch die Räume haben junge Gründer die Möglichkeit, die eigene Selbstständigkeit ohne großes Investment vorzubereiten und auszuprobieren“, sagt Lange. „Genauso kann sich aber auch der Privatmensch, der am Wochenende gerne seinen eigenen Tisch in einer Werkstatt bauen möchte, bei uns melden.“

Auch Agenturanfragen haben die drei schon erhalten. So wurden einige Räume auch für Shootings von Werbe- oder Filmproduktionen genutzt. „Es macht einfach Spaß, Leute zusammenzubringen, die sich sonst nicht treffen würden“, sagt Frisinger.

Craftspace sucht einen Investor

Lange und Frisinger kennen sich bereits aus Schulzeiten. Rochow haben sie während ihres Studiums kennengelernt. Vor der Gründung von Craftspace war Lange als Selbstständiger in Bremen tätig, Rochow arbeitete als Unternehmens-, Frisinger als Personalberater. Mittlerweile betreuen alle drei Craftspace hauptberuflich und haben eineinhalb Mitarbeiter für Content Marketing und die Redaktion des Blogs „Craftmag“ auf ihrer Plattform eingestellt. Im Blog werden Geschichten erzählt, die hinter den Raumanbietern und Gründern stecken.

Bisher haben die Unternehmer Craftspace selbst finanziert. Um weiter zu wachsen, sind sie nun aber auf der Suche nach einem Investor. Bis Ende des Jahres soll sich die Anzahl der Räume verdoppeln, so das Ziel. Außerdem planen die drei Gründer, ihr Angebot in der Zukunft auf weitere Städte auszuweiten und mehr Mitarbeiter einzustellen.

Obwohl das junge Unternehmen sich noch in der Anfangsphase befindet, gehen die Gründer davon aus, spätestens Anfang des kommenden Jahres schwarze Zahlen zu schreiben. Die Nachfrage sowohl auf Mieter- als auch auf Vermieterseite sei hoch und wachse stetig. „Am Anfang sind wir auf die Anbieter zugegangen“, sagt Frisinger. Zu Fuß seinen die drei durch die Städte gezogen und hätten Leute angesprochen. „Mittlerweile kommen sie auch auf uns zu.“

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