Kostenlose Verhütungsmittel für Hartz-IV-Empfängerinnen Pro Familia fordert schnellere Lösung

Bremen. Der Vorstoß der Bremer Gesundheitsbehörde, Hartz-IV-Bezieherinnen kostenlos Verhütungsmittel zu geben, stößt bei Pro Familia zwar auf Zustimmung. Doch Geschäftsführerin Annegret Siebe fordert eine deutlich schnellere Lösung, notfalls auch aus Bremer Haushaltsmitteln.
17.02.2010, 08:56
Lesedauer: 2 Min
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Pro Familia fordert schnellere Lösung
Von Birgit Bruns

Bremen. Der Vorstoß der Bremer Gesundheitsbehörde, Hartz-IV-Bezieherinnen kostenlos Verhütungsmittel zu geben, stößt bei der Bremer Pro Familia auf Zustimmung. Geschäftsführerin Annegret Siebe fordert allerdings eine schnellere Lösung, notfalls auch aus Bremer Haushaltsmitteln.

Hartz-IV-Bezieherinnen könnten bald Verhütungsmittel bezahlt bekommen. Dafür spricht sich das Bremer Gesundheitsressort in einer Deputationsvorlage aus, die am Donnerstag beraten werden soll. Die Kosten soll demnach der Bund tragen. Damit das klappt, soll sich der Bremer Senat für eine Bundesratsinitiative stark machen.

Kostenlose Verhütungsmittel für Hartz-IV-Empfängerinnen hält Annegret Siebe, Geschäftsführerin der ProFamilia in Bremen, generell für eine gute Idee. "Das ist längst überfällig," sagt sie. Immer wieder treffe sie in ihrer Beratungsstelle auf Frauen, die sich einfach keine Verhütungsmittel leisten können und stattdessen lieber "aufpassen" wollen. Dass das keine sichere Empfängnisverhütung sei, liege auf der Hand.

Daran müsse sich nach Meinung Siebes dringend etwa ändern. Daher begrüßt sie den Vorstoß Bremens, befürchtet allerdings, dass die angestrebte Bundesratsinitiative sich sehr lange hinziehen kann. "Wir müssen da ein ziemlich dickes Brett bohren", bestätigt Peter Lohmann, Sprecher der Bremer Gesundheitsbehörde.

Da das Problem aber bereits jetzt akut sei, fordert Siebe die Stadt Bremen auf, eine pragmatische Zwischenlösung zu entwickeln. Fallls es gar nicht anders gehe, müsse das Geld eben aus dem kommunalen Haushalt abgezwackt werden, das funktioniere in anderen Städten schließlich auch. Laut Siebe gibt es in fast jeder dritten deutschen Stadt kostenlose Verhütungsmittel für Hartz-IV-Empfängerinnen.

14,36 Euro für Medikamente

Bisher haben nur Frauen unter 21 Jahren Anspruch auf kostenfreie Verhütungsmittel. Alle weiteren Hartz-IV-Empfängerinnen sollen Pille, Kondome und andere Verhütungsmittel aus ihrem Regelsatz bezahlen. Doch von den 359 Euro, die sie monatlich bekommen, sind nur 14,36 Euro für Gesundheit und Medikamente vorgesehen. Eine Anti-Baby-Pille kostet in der Regel etwa 14 Euro, dann wäre allerdings kein Geld mehr für andere Medikamente vorhanden.

Eine Studie der Beratungsstelle ProFamilia in Köln hat bewiesen, dass seit der Einführung von Hartz IV deutlich weniger Frauen überhaupt verhüten. Die Quote sank demnach von 67 auf 30 Prozent. Von den 69 befragten Frauen gaben 27 an, ungewollt schwanger zu sein.

Nach dem Willen Bremens soll künftig jede Frau die Möglichkeit haben, zu verhüten. Die Vergabe der Verhütungsmittel soll so aussehen: Die Frauen gehen zum Arzt, lassen sich beraten und bekommen dann das für sie passende Verhütungsmittel verschrieben. Ihre Krankenkasse bezahlt die Verhütungsmittel zunächst, kann sich das Geld dann aber beim Bund wiederholen.

Die Bremer FDP begrüßt diesen Vorschlag. Schon im Dezember hatten die Liberalen gefordert, Verhütungsmittel an Hartz-IV-Empfängerinnen kostenlos abzugeben. Damals hatte sich die Behörde alllerdings noch dafür ausgesporchen, lieber die Regelsätze zu erhöhen. Die FDP hatte gemahnt, dass auf diese Weise nicht sichergestellt werden könne, dass das Geld dem Zweck nach verwendet würde.

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