Beluga: Erster Verhandlungstag beendet Prozess-Start mit Blitzlichtgewitter

Um 9.30 Uhr startete der Beluga Prozess im Bremer Landgericht. Als Niels Stolberg den Gerichtssaal betrat, erwartete ihn ein Blitzlichtgewitter. Knapp drei Stunden später endete der erste Prozesstag.
20.01.2016, 09:24
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Um 9.30 Uhr hat die Richterin die Sitzung im Bremer Landgericht eröffnet. Der Beluga-Prozess hat begonnen. Als Niels Stolberg den Gerichtssaal betrat, erwartete ihn ein Blitzlichtgewitter.

Der erste Tag bestand vordergründlich daraus, dass die Staatsanwaltschaft die drei Anklageschriften verlas. Diese stammen aus den Jahren 2012, 2013, 2014 und umfassen insgesamt 800 Seiten. Gegen 12.30 Uhr endete der erste Prozesstag nach rund drei Stunden.

Dem Gründer Niels Stolberg wirft die Staatsanwaltschaft mehrfachen Betrug und Untreue in besonders schweren Fällen vor. Der 55-jährige Beluga-Gründer soll laut Staatsanwaltschaft "bewusst und gewollt" mit anderen Managern Bilanzen geschönt, Rechnungen gefälscht und Investoren hintergangen haben. Stolberg und ein anderer Ex-Manager hätten die Investitionskosten für 20 Schiffsneubauten überhöht dargestellt, um höhere Kredite von den Geldinstituten zu bekommen, sagte Staatsanwalt Frank Passade bei der Anklageverlesung vor dem Landgericht.

Die beiden Angeklagten hätten einen gemeinsamen Tatplan gefasst. Dabei hätten sie eine deutlich höhere Fremdfinanzierung von der Bremer Landesbank, der Norddeutschen Landesbank, der einstigen Dresdner Bank, der Commerzbank und der HSH Nordbank erhalten. Die Bremer Landesbank soll dadurch teilweise sogar über 100 Prozent des Gesamtvolumens für Schiffsneubauten finanziert haben. Auf der Anklagebank sitzen zudem zwei weitere Ex-Manager der Reederei.

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Außerdem sollen Stolberg und zwei seiner Mitangeklagten die Umsatzerlöse und die Auftragslage des Beluga-Konzerns beim Einstieg des US-Investors Oaktree frisiert haben. Dazu dienten unter anderem fingierte Rechnungen von Scheinfirmen in Panama. Für die Finanzierung von Schiffsneubauten habe Beluga dringend Geld gebraucht, um die nötige Eigenkapitalquote erbringen zu können, sagte der zweite Staatsanwalt Ingo Rathke.

Um die wirtschaftliche Lage von Beluga besser aussehen zu lassen, hätten die Angeklagten unter anderem gefälschte Rechnungen und Aufträge vorgelegt sowie Zahlungen als Scheinumsätze verbucht. Stolberg habe in allen Fällen in der Absicht gehandelt, seiner Reederei Einnahmen zu verschaffen, sagte Rathke. Der Oaktree-Tochter OMC Finance sei dadurch ein Vermögensverlust von rund 5,4 Millionen Euro entstanden.

Gerichtssprecher Thorsten Prange hatte vor Prozessbeginn betont, dass es zwischen dem Gericht, der Staatsanwaltschaft und der Verteidigung keine Gespräche mit dem Ziel einer Verständigung gegeben habe. Gericht und Staatsanwaltschaft hatten sich jahrelang auf den Prozess vorbereitet. "Der Tag ist da. Jetzt geht es los", sagte Prange.

Am kommenden Mittwoch werden die Verhandlungen fortgesetzt. Während am ersten Prozesstag die Staatsanwaltschaft im Mittelpunkt stand, wollen beim nächsten Termin die Angeklagten aussagen. Stolbergs Anwalt, Bernd Groß, kündigte für nächsten Mittwoch eine ein- bis eineinhalbstündige Aussage seines Mandaten an. "Dabei wird sich vieles relativieren, einiges wird sich als falsch herausstellen und zu den Sachen, wo Herr Stolberg die Verantwortung zu übernehmen hat, und es sozusagen auch Vorwürfe gibt, die berechtigt sind, wird Herr Stolberg sich auch bekennen", so Groß.

Das Landgericht hat mehr als 50 Verhandlungstage bis Ende Oktober angesetzt. Den Angeklagten könnte bei einer Verurteilung eine mehrjährige Haftstrafe drohen. (wk/dpa)

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Der Fall Beluga

Der Fall Beluga ist einzigartig in Deutschland: Das angesehene Bremer Unternehmen Beluga Shipping gerät im März 2011 in die Schlagzeilen. Chef Niels Stolberg soll die Bilanzen der Reederei gefälscht haben. Mehr als fünf Jahre später beginnt der Prozess gegen Stolberg. Ihm wird Betrug, Untreue und Kreditbetrug vorgeworfen. In unserem Dossier können Sie den Kriminalfall nachlesen. mehr »

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