Wissenschaftssenatorin Eva Quante-Brandt (SPD)

Reiches Erbe wird zur Bürde

Etwas Neues aufzubauen ist nicht einfach. Mindestens ebenso schwierig ist es jedoch, etwas Gutes zu bewahren. Vor dieser Aufgabe steht Bremens Wissenschaftssenatorin Eva Quante-Brandt.
10.05.2016, 00:00
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Reiches Erbe wird zur Bürde
Von Jürgen Wendler
Reiches Erbe wird zur Bürde

Eva Quante-Brandt (SPD), Bremer Senatorin für Wissenschaft, Gesundheit und Verbraucherschutz.

dpa

Etwas Neues aufzubauen ist nicht einfach. Mindestens ebenso schwierig ist es jedoch, etwas Gutes zu bewahren. Vor dieser Aufgabe steht Bremens Wissenschaftssenatorin Eva Quante-Brandt.

Für den Bereich Wissenschaft ist die Sozialdemokratin nicht erst seit der Wahl im vergangenen Jahr, sondern bereits seit 2012 als Senatorin politisch verantwortlich. Im selben Jahr ist die Universität Bremen zu einer von bundesweit elf Exzellenzuniversitäten gekürt worden. Diese Entscheidung markierte den Höhepunkt einer jahrzehntelangen Entwicklung. Fraglich ist nicht nur, ob sich die Universität auf Dauer im Rahmen der Exzellenzinitiative behaupten kann, sondern auch, wie es insgesamt mit den Hochschulen im kleinsten Bundesland weitergehen wird.

Forschung und Wissenschaft wurde in Bremen politisch über viele Jahre besonderes Gewicht beigemessen, ein Trend, der seinen Ausdruck nicht zuletzt darin fand, dass neue Einrichtungen hinzukamen. Die Reihe der Beispiele ist lang; sie reicht vom Max-Planck-Institut für marine Mikrobiologie, das sich Anfang der 1990er-Jahre in der Hansestadt ansiedelte, bis zur Jacobs University, deren Anfänge gut eineinhalb Jahrzehnte zurückreichen. Von herausragender Bedeutung ist für den Wissenschaftsstandort die Meeresforschung. Hier arbeitet das Zentrum für Marine Umweltwissenschaften der Universität Bremen eng mit anderen Einrichtungen des Bundeslandes zusammen. Das sogenannte Exzellenzcluster wird im Rahmen der Exzellenzinitiative mit hohen Millionenbeträgen gefördert.

Seit einigen Monaten ist Eva Quante-Brandt Stellvertretende Vorsitzende der Gemeinsamen Wissenschaftskonferenz, eines Gremiums, das sich mit allen Bund und Länder berührenden Fragen der Forschungspolitik und -förderung befasst. Im April hat die Gemeinsame Wissenschaftskonferenz eine neue Vereinbarung von Bund und Ländern zur Förderung der Spitzenforschung auf den Weg gebracht.

Danach wird die Exzellenzinitiative unter anderen Bedingungen fortgesetzt. So sollen künftig acht bis elf Exzellenzuniversitäten dauerhaft unterstützt werden. Die Förderung als Exzellenzuniversität setzt allerdings voraus, dass die Hochschule über mindestens zwei Exzellenzcluster verfügt. Misst man die Bremer Senatorin an diesem Ergebnis, fällt die Bilanz gemischt aus. Zurzeit gibt es elf Exzellenzuniversitäten. Dass es auch in Zukunft bis zu elf sein sollen, lässt sich als positiv bewerten – gab es doch auch Überlegungen, die Anzahl deutlich zu verringern. Ein großes Problem ist für die Universität Bremen jedoch die Forderung nach zwei Exzellenzclustern. Hier sind große Universitäten gegenüber mittleren wie der Bremer eindeutig im Vorteil. Eva Quante-Brandt hat nicht verhindern können, dass sich das Kräfteverhältnis verschoben hat.

Zu den Schwerpunkten der Universität gehört die Materialforschung. Hier könnte eine Möglichkeit bestehen, ein weiteres Exzellenzcluster aufzubauen. Außer Frage steht die Notwendigkeit, die Kräfte im Land Bremen zu bündeln. Neu ist dieser Ansatz nicht. Eva Quante-Brandt setzt auf seine Weiterentwicklung. Sichtbarer Ausdruck ist die „U Bremen Research Alliance“. Die Universität und eine Reihe von Forschungseinrichtungen haben Ende April offiziell vereinbart, Strategien abzustimmen und wissenschaftliche Ressourcen auszubauen. Entscheidend wird letztlich sein, wie solche Aussagen mit Inhalt gefüllt werden.

Und spätestens hier offenbart sich ein Dilemma, an dem auch die Senatorin bislang nichts hat ändern können. Die finanziellen Möglichkeiten Bremens, Initiativen zu unterstützen, sind äußerst eng begrenzt. Nicht nur der Universität, sondern auch anderen Einrichtungen wie etwa der Hochschule Bremen fällt es schwer, allen Anforderungen gerecht zu werden. Die Senatorin steht in dem Ruf, aufgeschlossen zu sein und sich zu bemühen, aus der schwierigen Situation das Beste zu machen. Als Visionärin hat sie noch nicht von sich reden gemacht.

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