Jens Böhrnsen über seine Erlebnisse in Israel

Reise in einer dramatischen Zeit

Bremen. Drei Tage dauerte die Reise durch Israel und Palästina, die Bürgermeister Jens Böhrnsen (SPD) in seiner Funktion als Bundesratspräsident unternommen hat. Das Programm war so umfangreich, dass es ihm vorgekommen sei wie eineinhalb Wochen, sagte Böhrnsen gestern im Rathaus.
25.03.2010, 06:55
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Reise in einer dramatischen Zeit
Von Michael Brandt

Bremen. Drei Tage dauerte die Reise durch Israel und Palästina, die Bürgermeister Jens Böhrnsen (SPD) bis Dienstagabend in seiner Funktion als Bundesratspräsident unternommen hat. Das Programm war so umfangreich, dass es ihm vorgekommen sei wie eineinhalb Wochen, sagte Böhrnsen gestern im Rathaus. 'Emotional und politisch' sei es die bewegendste Reise seines bisherigen Lebens gewesen.

Nur wenige Stunden vor dem Abflug nach Israel hatte es Tote gegeben an der Grenze zwischen Israel und Palästina. Böhrnsens Urteil in der Rückschau deshalb: 'Meine Reise ist in eine dramatische Zeit gefallen.' Hintergrund: Israel habe die Genehmigung für weitere umstrittene Siedlerwohnungen erteilt.

Böhrnsen brachte eindeutige Botschaften von seiner Reise mit. So habe er in einem mehr als einstündigen Gespräch mit dem israelischen Staatspräsidenten und Friedensnobelpreisträger Schimon Peres die Frage gestellt, was die Deutschen tun könnten in dieser schwierigen Lage. Die Antwort sei für ihn überraschend gewesen: 'Helfen Sie mit, einen Staat der Palästinenser aufzubauen.' Die zweite Antwort: 'Führen Sie Gespräche auf beiden Seiten, helfen Sie, Gesprächsbrücken zu bauen.' Vor dem Treffen mit Peres hatte Böhrnsen einen Kranz an der Gedenkstätte Yad Vashem niedergelegt und sich dort ins Gästebuch eingetragen.

Er hat Gespräche mit dem Vorsitzenden der Knesset, Reuven Rivlin, mit dem Bürgermeister der Bremer Partnerstadt Haifa, Yona Yahav, und unter anderem der Bürgermeisterin der palästinensischen Stadt Ramallah, Janet Michael, geführt. Ein einstündiger Spaziergang durch die Altstadt Jerusalems habe ihm deutlich gemacht: 'Den Konflikt kann man nur begreifen, wenn man mit den Menschen spricht.'

Die Fahrt nach Palästina fand laut Böhrnsen unter erheblichem Schutz statt. 'Ein Beitrag, den wir leisten können, ist es, die gemäßigte Seite zu unterstützen', so der Appell des Bundesratspräsidenten. Die Hamas stehe für Gewalt, die Fatah für einen anderen Weg. Sie sei Hoffnungsträgerin für viele auf der palästinensischen Seite. Gleichzeitig lautet die Einschätzung des Bremer Bürgermeisters aber angesichts der komplizierten Lage: 'Es ist ungeheuer schwierig, etwas für die Menschen zu erreichen.'

Eine besondere Anregung hat Böhrnsen aus Haifa mitgebracht, wo ihm die sogenannte Pre-University des Technions vorgestellt worden ist. Die Pre-University biete jungen Menschen nach dem Militärdienst an, in zehnmonatigen Intensivkursen fit für das Studium zu werden. Selbst für Nicht-Abiturienten gebe es Kurse, die dann allerdings etwas länger dauern.

Generell sind die Angebote für diejenigen Männer und Frauen gedacht, die diese Chance in früheren Lebensjahren haben verstreichen lassen. Laut Böhrnsen ist die Pre-University in Haifa ein Projekt der dortigen Hochschullehrer und keine Vorgabe der Politik. Denkbar auch als Modell für Bremen? Nach Ansicht des Bürgermeisters eindeutig ja.

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