Ex-Staatsrat Haller will Galoppbahn retten

Revolte im Rennverein

Im Juni sollte das letzte Rennen auf der Galopprennbahn in der Vahr stattfinden. Jetzt meldet sich jedoch Frank Haller zu Wort und setzt sich für den Erhalt der Rennbahn ein - zur Not mit einem eigenen Verein.
22.03.2017, 00:00
Lesedauer: 4 Min
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Revolte im Rennverein
Von Jürgen Hinrichs
Revolte im Rennverein

Frank Haller will zur Not einen neuen Verein gründen, um die Rennbahn weiterbetreiben zu können.

Christina Kuhaupt

Im Juni sollte das letzte Rennen auf der Galopprennbahn in der Vahr stattfinden. Jetzt meldet sich jedoch Frank Haller zu Wort und setzt sich für den Erhalt der Rennbahn ein - zur Not mit einem eigenen Verein.

Am 18. Juni sollte endgültig Schluss sein. Darauf hatte sich die Wirtschaftsförderung Bremen (WFB) mit dem Bremer Rennverein von 1857 verständigt, wie am Dienstag bekannt wurde. Ein letztes Mal, dass auf der Galopprennbahn in der Vahr die Pferde laufen, bevor irgendwann die Bagger kommen, um das Gelände für Wohnbebauung herzurichten. Doch nun ist etwas dazwischengekommen.

Eine Revolte in dem Verein, angezettelt von einem Mann, der in Bremen mal viel zu sagen hatte: Frank Haller, ehemaliger Staatsrat beim Wirtschaftssenator und seit jeher ein Freund des Pferdesports. Er hat dafür gesorgt, dass eine außerordentliche Mitgliederversammlung anberaumt wurde. Das Ziel: die Rennbahn weiter betreiben, möglicherweise auch über den Termin am Jahresende hinaus, zu dem die Stadt dem Verein gekündigt hat.

Der Streit sollte begraben werden

Schiedlich, friedlich wollten sie auseinandergehen. Den Streit begraben, denn der Rennverein fühlte sich von der Stadt schlecht behandelt. Das Aus sei verkündet worden, ohne Rücksprache zu halten, sie seien davon kalt erwischt worden, erklärte Vereinssprecher Frank Lenk. In der Folge habe es große Probleme gegeben, für die letzte Rennsaison genügend Sponsoren zu finden.

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Rausgesprungen sind gerade einmal drei Galopp-Veranstaltungen: am 14. April, 11. Mai und 18. Juni. Der Termin im Juni ist der traditionelle Renntag der SWB, an dem der Energieversorger die Kosten übernimmt. In den Jahren zuvor hatte es auf der Bahn jeweils sechs Rennen gegeben, zu denen im Schnitt etwas mehr als 2000 Zuschauer gekommen sind.

„Wir feiern das 160-jährige Bestehen unseres Rennvereins trotz unserer problematischen Situation und gehen die kommenden Aufgaben voller Enthusiasmus an“, teilt Lenk mit. Für Karfreitag erwarte er eine volle Bahn. „Wir wissen bereits, dass die Bürger an diesem Tag zeigen wollen, dass sie die Bremer Galopprennbahn erhalten wollen.“ Eine Äußerung, die irritiert, denn der Verein hat das Geläuf offenbar schon aufgegeben.

Unterstützung von der Wirtschaftsförderung Bremen

Um aus den klammen Kassen die beiden anderen Renntage zu finanzieren und die laufenden Kosten der Geschäftsstelle abzudecken, haben die Anhänger des Galopprennsports dem Vernehmen nach Hilfe von der Wirtschaftsförderung Bremen (WFB) bekommen. Die Behörde soll auf einen Teil der Pacht verzichtet haben, außerdem unterstützt sie die Werbung für die Renntage. Ein Geschäft, mit dem der Vorstand des Rennvereins bei allem Verdruss, aufhören zu müssen, nach Lage der Dinge zufrieden war.

„Die WFB ist in Gesprächen mit dem Rennverein, um ein gütliches Ende im Juni zu verabreden“, bestätigt Holger Bruns, Sprecher der Wirtschaftsbehörde. Voraussetzung dafür sei jetzt, dass die offenkundigen Querelen im Verein ihr Ende finden. In Verhandlungen sei man auch mit dem Golfclub, der im Oval der Rennbahn eine Neun-Loch-Anlage betreibt.

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Der Club besitzt einen Pachtvertrag bis zum Jahr 2034 und will erklärtermaßen nicht weichen. Die Stadt hat angekündigt, ihn aus dem Vertrag herauszukaufen. Die Mittel dafür sollen aus dem Vertrieb der Grundstücke auf dem 36 Hektar großen Areal an der Ludwig-Roselius-Allee erwirtschaftet werden. Geplant ist der Bau von 1000 Wohnungen.

Scharfe Kritik am Projekt

Die Beiräte in der Vahr und in Hemelingen und eine Bürgerinitiative der Anwohner hatten das Projekt scharf kritisiert. Sie fühlten sich übergangen und vor vollendete Tatsachen gestellt. Als Alternative wurde von ihnen unter anderem eine Verkleinerung der Galopprennbahn und die Bebauung am Rand des Ovals ins Spiel gebracht. Mittlerweile hat das erste Mal ein sogenannter Regionalausschuss beider Beiräte getagt, um sich stärker am Planungsprozess zu beteiligen.

Aus Sicht von Frank Haller ist schon wegen der Golfer vollkommen offen, ob die Galopprennbahn jemals bebaut wird: „Wenn der Club bei seiner Entscheidung bleibt, ist das Projekt gestorben“, sagt er im Gespräch mit unserer Zeitung. Er wolle deshalb alles daran setzen, dass der Betrieb auf der Rennbahn weitergeht. „Das ist eine tolle Bahn, da sind viele Millionen investiert worden. Das kann man nicht sang- und klanglos aufgeben.“

Das Angebot der WFB, dem Rennverein finanziell entgegenzukommen, bezeichnet der Ex-Staatsrat als „Beerdigungszuschuss“. Dass der Vereinsvorstand darauf eingegangen ist, will er nicht hinnehmen. Deshalb die außerordentliche Mitgliederversammlung. „Wir müssen über Alternativen diskutieren“, fordert Haller. Und wenn es dieser Verein nicht tue, dann eben ein anderer, gegründet von ihm und seinen Mitstreitern.

Vor knapp fünf Jahren gab es im Rennverein eine ähnliche Situation. Der damalige Präsident George C. Muhle, der im Januar 2014 verstorben ist, hatte das Aus verkündet. Als Grund nannte er erhebliche finanzielle Schwierigkeiten, nachdem die Stadt beschlossen hatte, keine Zuschüsse mehr zu zahlen. Auch damals wollten sich einige Mitglieder nicht damit abfinden. Sie kündigten an, gegebenenfalls den Vorstand zu stürzen.

Dazu ist es dann zwar nicht gekommen, aber aufgelöst hat sich der Verein auch nicht. In den folgenden Jahren war mithilfe von Sponsoren weiter Betrieb auf der Bahn. Im Unterschied zu heute gab es damals allerdings keine Kündigung und den vom rot-grünen Senat als unverrückbar erklärten Plan, auf dem Gelände ein Wohngebiet zu schaffen.

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