Querelen in der Bremer CDU Röwekamp bietet seinen Posten an

Bremen. Die CDU macht wieder durch Personalquerelen auf sich aufmerksam. Dieses Mal geht es um den Sitz im Bundestag. Bernd Neumann will nicht wieder kandidieren, folgen wollen ihm die Landeschefin Rita Mohr-Lüllmann und der Bremerhavener Michael Teiser. Über den Zustand seiner Partei, mögliche Auswege und seine eigenen Ambitionen sprach Silke Hellwig mit Thomas Röwekamp.
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Bremen. Die CDU macht wieder durch Personalquerelen auf sich aufmerksam. Dieses Mal geht es um den Sitz im Bundestag. Bernd Neumann will nicht wieder kandidieren, folgen wollen ihm die Landeschefin Rita Mohr-Lüllmann und der Bremerhavener Michael Teiser. Über den Zustand seiner Partei, mögliche Auswege und seine eigenen Ambitionen sprach Silke Hellwig mit Thomas Röwekamp.

Herr Röwekamp, man kann den Eindruck gewinnen, die CDU täte alles dafür, auch bei der nächsten Wahl ein legendär schlechtes Ergebnis zu erzielen.

Thomas Röwekamp: Ich bedaure die neue Personaldiskussion sehr. Sie zeigt, dass die Wunden in unserer Partei ganz offensichtlich noch nicht verheilt sind und es bislang nicht gelungen ist, die unterschiedlichen Interessen in der Partei zu bündeln. Es wäre verheerend, wenn wir uns wieder monatelang mit Personalentscheidungen quälen.

Sie haben natürlich auch einen Anteil daran – Sie haben die Ankündigung von Rita Mohr-Lüllmann öffentlich kritisiert.

Man kann sich um der Geschlossenheit willen nicht immer wegducken. Manchmal muss man Flagge bekennen: Viele in der Partei erwarten, dass Rita Mohr-Lüllmann noch einmal als Spitzenkandidatin antritt. Das ist für mich die entscheidende Frage: Wer führt die CDU aus dieser schwierigen Ausgangslage in die nächste Bürgerschaftswahl? Rita Mohr-Lüllmann ist meiner Meinung nach die einzige Option.

Und wenn sie lieber nach Berlin will?

Das ist eine Frage von Verantwortung – die persönlichen Interessen zurückzustellen und sich für die Bremer CDU zu engagieren.

Die Personalquerelen seit der Wahl lassen indes selbst unpolitischste Beobachter ahnen, dass die Verantwortlichen der CDU ausschließlich von persönlichen Interessen geleitet sind.

Es ist völlig normal, dass es in einer Partei auch einen inhaltlichen und persönlichen Wettbewerb gibt. Das muss so sein. Schlimm ist es, wenn in der Öffentlichkeit nur noch dieser persönliche Wettbewerb wahrgenommen wird. Wir müssen das schnell überwinden.

Aber wie?

Wir müssen uns zusammensetzen und einen Kompromiss finden. Ich sehe Bernd Neumann als Ehrenvorsitzenden da in einer besonderen Verantwortung, so eine Runde zu moderieren und die Interessen auszugleichen.

Bernd Neumann? Man hat nicht den Eindruck, dass er sich in der Bremer CDU noch großartig engagieren will. Weiß er von seiner besonderen Verantwortung?

Ich denke schon. Die Partei hat ihn immer gestützt und getragen und sich ihm gegenüber solidarisch gezeigt. Deswegen ist es nicht unangemessen zu sagen: Die Partei fordert diese Solidarität jetzt zurück. Außerdem ist er an den personellen Entscheidungen der vergangenen Jahre ja auch nicht unbeteiligt gewesen. Wenn es eine Situation gibt, in der eine Partei einen Ehrenvorsitzenden braucht, dann ist das in meinen Augen diese. Denn als Ehrenvorsitzender hat Bernd Neumann schließlich auch Autorität in der Partei.

Wie könnte ein Kompromiss, den Neumann aushandeln soll, denn aussehen?

Jeder muss sich in der eigenen Interessenlage etwas zurücknehmen. Das bedeutet, dass Rita Mohr-Lüllmann bereit sein muss, auf ein Mandat in Berlin zu verzichten und bei der nächsten Bürgerschaftwahl als Spitzenkandidatin anzutreten. Michael Teiser hat schon angekündigt, dann auch seine Ambitionen für Berlin aufzugeben . . .

. . . und worauf verzichten Sie?

Wenn alle einen Beitrag leisten, nehme ich mich selbstverständlich nicht aus. Ich biete Rita Mohr-Lüllmann den Fraktionsvorsitz an, obwohl ich diese Funktion sehr gerne ausfülle, nach Ansicht vieler gute Arbeit gemacht und großen Rückhalt in der Fraktion habe. Aber ich würde in die zweite Reihe zurücktreten, für das Wohl der Partei. Rita Mohr-Lüllmann könnte aus der Position der Fraktionsvorsitzenden in den Wahlkampf starten, was sicher von Vorteil wäre.

Ab wann wollen Sie verzichten?

Das entscheide nicht ich allein. Da bin ich völlig offen. Die nächsten regulären Wahlen wären im Mai, das würde, denke ich, ganz gut passen.

Bis vor Kurzem musste man glauben, Sie würden niemals freiwillig ein Amt abgeben. Hätten Sie verzichtet, wären Personalquerelen vermieden worden. Und nun diese Freigiebigkeit?

Dieser Eindruck trügt. Jeder muss bereit sein, sich und was er für die CDU tun kann, infrage zu stellen. Danach habe ich immer gehandelt. Wenn alle bereit sind zu verzichten, wird es sicher nicht an mir scheitern.

Also: Rita Mohr-Lüllmann wird Fraktionschefin und Spitzenkandidatin, Michael Teiser bleibt in Bremerhaven, Sie in der Fraktion. Und wer geht nach Berlin?

Da gibt es schon allein in der Fraktion eine Reihe von Kandidaten, die infrage kommen, zum Beispiel Elisabeth Motschmann, Carl Kau, Jörg Kastendiek oder Ronald-Mike Neumeyer. Aber wie gesagt, die wichtigste Personalentscheidung ist, wer uns in die nächste Bürgerschaftswahl führen wird.

Welche Posten bleibt für Jens Eckhoff bei so einer Rochade?

Er käme sicher auch für den Bundestag in Berlin infrage, aber ich will mich da nicht festlegen . . .

Und Eckhoff als Spitzenkandidat?

Ich glaube, dass in der Abwägung Rita Mohr-Lüllmann die bessere Kandidatin ist.

Und was ist mit Ihnen?

Ich habe daran kein Interesse.

Woran – an dem Mandat in Berlin oder an der Spitzenkandidatur?

An beidem nicht.

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