Bremerhaven Rückzug bei Klinikreform

Bremerhaven. Die geplante Klinikreform in Bremerhaven wird noch einmal überdacht. Oberbürgermeister Melf Grantz (SPD) sagte kürzlich, die bislang vorgesehene Verlagerung von Abteilungen zwischen den Krankenhäusern sei nicht mehr machbar.
13.07.2013, 05:00
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Von Frank Miener

Bremerhaven. Die geplante Klinikreform in Bremerhaven wird noch einmal überdacht. Oberbürgermeister Melf Grantz (SPD) sagte kürzlich, die bislang vorgesehene Verlagerung von Abteilungen zwischen den Krankenhäusern sei nicht mehr machbar.

Statt Abteilungen zu verlegen, was geschätzt rund 45 Millionen Euro kosten würde, will der Oberbürgermeister das Klinikum Bremerhaven stärken. "Wir müssen sehen, dass wir neue Disziplinen am Klinikum etablieren können", sagte Grantz. Er begründete seinen Vorschlag mit veränderten Rahmenbedingungen. Unter anderem könne er sich eine Urologie vorstellen.

In einer Absichtserklärung war 2011 festgeschrieben worden, dass die örtliche Klinik Am Bürgerpark und das St.-Joseph-Hospital fusionieren sollten, sodass es nur noch zwei statt drei Träger in Bremerhaven gibt. Eigentümerin der Klinik ist die Stiftung DRK Kliniken und Pflege. Das St.-Joseph-Hospital wurde bis vor Kurzem von der St.-Franziskus-Stiftung Münster betrieben. Geplant waren die Umzüge der Geriatrie, der Haut- und der HNO-Klinik aus dem Klinikum Bremerhaven an die beiden freien Häuser. Im Gegenzug sollte die Klinik Am Bürgerpark die Kinder- und das St.-Joseph-Hospital die Gynäkologie und Geburtshilfe abgeben.

"Das ist hinfällig", sagte Grantz: Die Klinik Bürgerpark habe das andere Haus übernommen. Im Frühherbst solle eine neue Trägergesellschaft entstehen – es wird ein nur geringfügig kleineres Haus als das Klinikum sein."Diese Übernahme ändert die Ausgangslage", so Grantz. Er ist in seinem Amt zugleich Vorsitzender des Aufsichtsrats im Klinikum Bremerhaven. Dessen Geschäftsführung sorgt sich jetzt vor einer neuen Konkurrenz. Denn das neue Haus will diverse Zentren bilden und zudem Disziplinen anbieten, über die auch das Klinikum verfügt. "Wir müssen unser Klinikum schützen", sagte denn auch der frühere Gesundheitsstadtrat Wilfried Töpfer (SPD). Denn eines dürfe es nicht geben: Eine Zerfleischung der Gesundheitslandschaft in Bremerhaven.

"Die Leitungen müssen sich zusammensetzen und Gespräche führen", sagte Grantz. Die Konkurrenz durch die Klinikkonzerne schlafe nicht. "Das sagen wir seit Langem", entgegnete der gesundheitspolitische Sprecher der Bremerhavener CDU, Thorsten Raschen. Die bisherigen Reformpläne hat seine Partei abgelehnt, da sie keinen medizinischen Nutzen sieht. Jetzt mit Ideen vorzupreschen, ohne diese abzustimmen, ist für Raschen unmöglich – es gebe einen Beschluss der Stadtverordnetenversammlung. "Es ist unerträglich, dass der Oberbürgermeister wie ein verhinderter Monarch Beschlüsse eigenmächtig aufhebt, ohne die Gremien zu unterrichten", sagte Raschen. "Deshalb werden wir das Thema nach den Ferien wieder auf die Agenda bringen."

Grantz schlug vor, unter anderem auch nach Debstedt zu schauen, ein Ortsteil der Stadt Langen. Dort befindet sich die Seepark-Klinik mit renommierter Orthopädie und Urologie. "Es ist die Frage, ob die dort bleiben muss", so Grantz. Er könne sich eine Verlegung der Urologie ans Klinikum Bremerhaven vorstellen. Dies geht aber nicht ohne Zustimmung der Kassen, der Länder Niedersachsen und Bremen und des Trägers der Seepark-Klinik: der Stiftung DRK Kliniken und Pflege.

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