Billigflieger baut Standort Hamburg aus

Ryanair schafft Konkurrenz für Bremen

Neuer Druck auf den Flughafen Bremen: Europas größte Billigfluglinie Ryanair setzt verstärkt auf Hamburg. Der irische Anbieter Ryanair will künftig 25 statt zwei Ziele ab Fuhlsbüttel anfliegen.
28.08.2015, 00:00
Lesedauer: 3 Min
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Von Markus Lorenz Maren Beneke Peter Hanuschke
Ryanair schafft Konkurrenz für Bremen
Frank Thomas Koch

Neuer Druck auf den Flughafen Bremen: Europas größte Billigfluglinie Ryanair setzt verstärkt auf Hamburg. Der irische Anbieter Ryanair will die Zahl seiner Ziele ab Fuhlsbüttel mittelfristig von zwei auf etwa 25 steigern, so hat es Airline-Chef Michael O‘Leary jetzt angekündigt.

„Hamburg ist ein wichtiger Bestandteil unserer Expansionsstrategie in Deutschland“, sagte der umtriebige Unternehmer nach Gesprächen mit der Flughafenleitung in der Elbmetropole. Damit dürfte Hamburg aus Sicht von O‘Leary wichtiger als das norddeutsche Drehkreuz Bremen werden.

Bremen reagiert gelassen

Die Ankündigung von Ryanair, das Streckennetz in Hamburg massiv auszubauen, wird beim Bremer Flughafen noch gelassen gesehen: Ryanair habe zu Beginn dieses Jahres betont, dass man in den kommenden Jahren ein Wachstum in Bremen anstrebe.

„Die Erhöhung des Streckenangebotes in Hamburg sieht der Flughafen Bremen als einen Punkt der Ryanair-Strategie, im gesamten deutschen Markt wachsen zu wollen“, so Sprecherin Andrea Hartmann. Wie Ryanair am hiesigen Standort weiter wachsen wolle, darüber gebe es derzeit aber noch keine konkreten Überlegungen. Im aktuellen Sommerflugplan werden von Bremen aus 22 Ziele angeflogen.

Zahlenspiel - Kommentar zum Thema

Dass ein Ausbau in Hamburg nicht automatisch ein weiteres Wachstum in Bremen verhindert, hatte O‘Leary erst kürzlich im Gespräch mit dem WESER-KURIER formuliert: Das Unternehmen sei in der Lage, für ein Wachstum der Märkte zu sorgen, auch wenn diese Märkte sich überschneiden.

Muss sich der Standort Bremen dennoch Sorgen machen, dass weniger Touristen in die Stadt kommen und der hiesige City Airport Fluggäste an Hamburg-Fuhlsbüttel verliert? „Nein“, meint Wirtschaftssenator Martin Günthner (SPD). In den vergangenen Jahren habe es immer ein

stabiles Flugangebot von Ryanair gegeben, „und wir erwarten, dass das auch so bleibt.“

"Wir sind optimistisch, dass Bremen weiter ein wichtiger Standort bleibt"

Die Fluggesellschaft sei „ein ambitionierter Marktteilnehmer“. Um die selbst gesteckten Wachstumsziele zu erreichen, sei es nachvollziehbar, dass Ryanair nun auch Flughäfen ansteuere, die bislang nicht im Fokus standen. „Wir sind aber optimistisch, dass Bremen weiterhin ein wichtiger Standort für die Fluggesellschaft bleiben wird.“

Jährlich befördert Ryanair gut eine Million Fluggäste von und nach Bremen. Laut der Bremer Touristik-Zentrale ist die Fluggesellschaft ein bedeutender Wirtschaftsfaktor: Etwa 150.000 Besucher nutzen Ryanair, um in die Stadt zu kommen; sie setzen dabei gut 14 Millionen Euro im Jahr um. Mit mehr als 80 Millionen Fluggästen im Jahr ist der Low-Cost-Carrier zwar europaweit die Nummer eins, in Deutschland liegt der Marktanteil allerdings bei lediglich fünf Prozent. O‘Leary will den Wert nun in den kommenden Jahren auf 20 Prozent ausbauen.

Ryanair setzt auf große Flughäfen

Gelingen soll dies mit einem grundsätzlichen Strategiewechsel. Hatte Ryanair bislang in Deutschland fast ausschließlich auf Flughäfen der mittleren Kategorie gesetzt, nimmt die Fluggesellschaft nun die größeren Airports ins Visier. So wird die Airline im Oktober in Berlin-Schönefeld eine zusätzliche Basis mit fest stationierten Maschinen eröffnen. Auch Hamburg hatten die irischen Manager lange Zeit überhaupt nicht im Blick. Stattdessen machten sie Bremen zu ihrer Norddeutschland-Basis und flogen zudem ab Lübeck.

Nun allerdings soll die Elbmetropole mit einem deutlich ausgeweiteten Angebot den Expansionsbemühungen im Norden der Republik den entscheidenden Schub geben. O‘Leary rechnet für Hamburg mit 500.000 Passagieren jährlich, binnen zwei Jahren werde sich diese Zahl auf eine Million Passagiere verdoppeln – damit wäre die Hansestadt innerhalb kürzester Zeit auf dem Niveau von Bremen angelangt. Längerfristig könne er sich auch innerdeutsche Verbindungen von Hamburg aus vorstellen, sagt O’Leary – etwa nach Berlin.

Attacke gilt Billig-Konkurrenten

Die Ryanair-Attacke gilt vor allem den Konkurrenten Germanwings und Air Berlin, die das Günstig-Segment ab Hamburg bisher dominieren. Die Iren sind der inzwischen fünfte große Anbieter tatsächlicher oder vermeintlicher Schnäppchen-Flüge. Unter anderem hatten sich zuletzt Easyjet und Germanwings in Fuhlsbüttel engagiert, die Konkurrenten Vueling und Norwegian ihr Angebot deutlich ausgebaut. Aber auch klassische Urlaubsflieger wie Condor oder Sun-Express dürften künftig unter Druck geraten.

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