Leistungszulagen für Lehrer Schavans Idee stößt in Bremen auf Ablehnung

Bremen. Bundesbildungsministerin Annette Schavan (CDU) will den Lehrerberuf mit Leistungszulagen attraktiver machen. Philologenverband und Ifo-Institut befürworten das Konzept, in Bremen sorgt das Wort "Leistungszulagen" schon aus rein finanziellen Gründen für Ablehnung.
23.02.2011, 05:00
Lesedauer: 2 Min
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Von Mona Stephan

Bremen·Berlin. Bundesbildungsministerin Annette Schavan (CDU) will den Lehrerberuf mit Leistungszulagen attraktiver machen. Philologenverband und Ifo-Institut befürworten das Konzept - die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft warnt dagegen vor einem solchen System.

"Am Ansehen der Pädagogen entscheidet sich die Qualität der Schule", so Schavan. Um die Lehrerschaft zu motivieren, will die Bildungsministerin nun bei besonderen Leistungen mit Geld locken. Leistungszulagen seien attraktiv, "wenn die Pädagogen wissen, dass damit besondere Bemühungen auch finanziell gewürdigt werden". Das Ziel müsse daher sein, "interessante junge Leute für den Lehrerberuf zu gewinnen". "In den skandinavischen Ländern ist die Autorität der Lehrer hoch, bei uns wird damit fahrlässig umgegangen", so Schavan. Wichtig sei auch eine bessere Aus- und Weiterbildung. "Das ist aber Schall und Rauch, wenn eine Gesellschaft nicht begreift, dass nur dann die Besten eines Jahrgangs Lehrer werden, wenn sie vom ersten Tag an in der Schule vernünftig behandelt werden", betonte Schavan. Leistungszulagen, ein Wort, an das man bei der Senatorin für Bildung und Wissenschaft in Bremen derzeit gar nicht denken mag. Die derzeitige Haushaltsnotlage in Bremen lasse gar keinen Raum für solche Forderungen. "Es gibt keine Bestrebungen, Ansätze oder Pläne für ein Umsetzung in Bremen", sagt Sprecherin Karla Götz.

Aktuell steckten alle Bemühungen in den Tarifverhandlungen im öffentlichen Dienst. Bereits vergangene Woche haben in Niedersachsen Hunderte Lehrer und Sozialpädagogen die Arbeit niedergelegt, um den Druck auf die Länder zu erhöhen. Sie wollen mehr Geld. Ein Großteil der angestellten Lehrer erhalte nach dem Studium nur 2600 Euro brutto im Monat, andere Hochschulabsolventen im öffentlichen Dienst dagegen 3000 Euro. Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft Bremen (GEW) fordert eine Angleichung der Zahlungen. "Man sollte sich mal über die wirklichen Anreize Gedanken machen", so ein Sprecher gegenüber dem WESER-KURIER.

Dem Vorschlag der Bildungsministerin steht auch die GEW sehr skeptisch gegenüber. Das größte Problem bei Sonderaufgaben seien die Arbeitsbelastungen. "Geld ist das eine - um den Beruf aber attraktiver zu machen, brauchen wir eine Verbesserung der Bedingungen für die Lehrerschaft", sagte GEW-Landesgeschäftsführerin Sabine Herold. Bremen liege im Ländervergleich bei einer der höchsten Arbeitszeitbelastungen. "Wir brauchen Zeit und weitere Funktionsstellen, um Qualität bieten zu können." Schavans Forderung sei eine Sonntagsrede und stehe nicht im Einklang mit der Praxis an deutschen Schulen. "Wer soll die Leistungen messen?", fragt sich Herold. Heinz-Peter Meidinger, Bundesvorsitzender des Deutschen Philologenverbands steht der Forderung grundsätzlich positiv gegenüber. Allerdings bezweifelte er die finanziellen Möglichkeiten. Drei solcher Leistungstufen habe der Bund bereits 1997 im öffentlichen Dienst eingeführt, um Möglichkeiten zu schaffen, Prämien und Zulagen zu zahlen. "Diese Möglichkeit gibt es noch - in Bremen und anderen Ländern reicht das Geld aber nicht", so Meidinger. Es sei ein Widerspruch bei Tarifverhandlungen zu geizen und Prämien vorzuschlagen. "Ein Anreiz für den Beruf als Lehrer ist das nicht." Vielmehr gehe es um Anerkennung. "Eine Leistungsprämie zu bekommen, zeigt dem Lehrer, dass er gute Arbeit gemacht hat. Das motiviert", so Meidinger.

Ludger Wößmann vom Ifo-Institut für Wirtschaftsforschung befürwortete Schavans Vorschlag. Langfristig könne eine differenzierte Bezahlung nach Leistung dazu führen, dass sich mehr Leistungsträger für den Beruf als Lehrer entscheiden. In Israel sei ein Modell erprobt worden, nach dem Lehrer, die möglichst viele Schüler zum Abitur führen, mehr Geld bekommen. "Damit könnten starke positive Effekte erzielt werden", sagte Wößmann.

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