Ärzteversorgung in Bremen Schwachhausen ist das Mediziner-Mekka

Bremen. Die Bremer sind laut der Kassenärztlichen Vereinigung bestens mit Ärzten versorgt. Doch die Praxen sind ungleich über die Stadt verteilt. Während sich die Mediziner in Schwachhausen tummeln, müssen Hemelinger lange auf einen Termin warten.
18.07.2011, 18:30
Lesedauer: 3 Min
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Schwachhausen ist das Mediziner-Mekka
Von Birgit Bruns

Bremen. Die Bremer sind laut der Kassenärztlichen Vereinigung bestens mit Ärzten versorgt. Doch die Praxen sind ungleich über die Stadt verteilt. Während sich die Mediziner in Schwachhausen tummeln, müssen Hemelinger lange auf einen Termin warten.

Die gute Nachricht vorweg: Anders als in Hamburg gibt es in Bremen keinen Stadtteil, der von ärztlicher Versorgung gänzlich abgehängt ist. Abgesehen von den dünn besiedelten Gebieten wie Strom, Seehausen und dem Blockland gibt es in allen Stadtgebieten eine Grundversorgung mit Haus-, Frauen- und Kinderärzten. Das geht aus dem „Bremer Ärztefinder“ hervor, den die Kassenärztlichen Vereinigung Bremen (KVHB), die Ärztekammer Bremen und die Stadt Bremen gemeinsam im Internet betreiben.

Die ungleiche Verteilung von Ärzten auf einzelne Stadtteile hat am Montag in Hamburg eine Welle der Empörung ausgelöst. Die Kassenärztliche Vereinigung Hamburg kündigte an, ab 2012 Arztpraxen aufzukaufen und in schlecht versorgte Stadtteile zu verlegen. Laut Hamburger Abendblatt hatte es im Stadtteil Steilshoop sieben Monate lang keinen Kinderarzt gegeben. Auf einen Gynäkologen und Hals-Nasen-Ohrenarzt warten die 20.000 Bewohner demnach bis heute.

Nur wenig Kinderärzte in Hemelingen

Ganz so dramatisch ist die Lage in Bremen nicht. Doch auch hier zeigt sich bei genauerer Betrachtung: Die Verteilung der Praxen ist alles andere als ausgeglichen. Ein Beispiel aus dem Ärztefinder: Obwohl in Hemelingen fast doppelt so viele Kinder unter 18 Jahren leben wie in der Östlichen Vorstadt, gibt es dort nur zwei Kinderärzte. In der Östlichen Vorstadt tummeln sich dagegen acht Mediziner, die sich auf Kinderheilkunde verstehen.

Noch deutlicher wird die ungleiche Verteilung der Mediziner bei den Psychologen und Psychiatern: In den benachbarten Stadtgebieten Östliche Vorstadt und Schwachhausen gibt es laut Ärztefinder rund 200 Psychotherapeuten und Psychiater – in der ganzen restlichen Stadt sind gerade einmal 72 zu finden.

Überhaupt gibt es in keinem anderen Stadtteil so eine hohe Arztdichte wie in Schwachhausen. In dem bürgerlichen Quartier haben sich besonders viele Augenärzte (elf), Gynäkologen (14) und Internisten (26) niedergelassen. Zum Vergleich: Im etwa genauso stark besiedelten Osterholz gibt es vier Augenärzte, zwei Frauenärzte und neun Internisten.

Ärzte leben von Privatpatienten

Dass Schwachhausen das Mediziner-Mekka Bremens ist, findet Christoph Fox, Sprecher der KVHB, alles andere als überraschend. „Ärzte müssen auch betriebswirtschaftlich denken“, erklärt Fox. Zahlungskräftige Privatpatienten seien besonders interessant für die Mediziner und die gebe es in Stadtteilen wie Schwachhausen eben häufiger als anderswo in Bremen. Hinzu komme die günstige Verkehrsanbindung des Quartiers. Das sei vor allem für die Patienten von Psychologen interessant, die sich ihren Therapeuten in der Regel in einem anderen Stadtteil suchen – schließlich soll der Nachbar ja nicht alles wissen.

So drastisch wie seine Kollegen in Hamburg beurteilt Fox die Lage in Bremen aber nicht. Zwar würde auch er sich eine gerechtere Verteilung der Praxen wünschen. Doch darauf habe die KVHB so gut wie keinen Einfluss, schließlich seien die Mediziner selbstständige Unternehmer. Das Problem: Wer eine Praxis eröffnen will, muss zwar einen sogenannten Kassensitz erwerben, beispielsweise von einem Kollegen, der in den Ruhestand geht. Doch dieser Kassensitz legt nur die Disziplin fest, aber nicht den Stadtteil, in dem die Praxis liegt. Laut Fox gibt es immer mal wieder Mediziner, die mit ihrem Kassensitz in einen lukrativeren Stadtteil umziehen. Dagegen könne die KVHB wenig unternehmen.

Fox hofft auf das neue Gesundheitsgesetz, das die Bundesregierung im kommenden Jahr verabschieden will. Darin ist eine Art „Sitzplatzsteuerung“ vorgesehen, die für eine gerechtere Verteilung der Praxen sorgen soll. Doch bisher liegt das Gesetz erst im Entwurf vor. Daher ist noch völlig unklar, welche Auswirkungen es letztlich auf die Bremer Praxislandschaft haben wird.

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