Bürgerinitiative empört über Bremer Baubehörde Seehausen findet Tunnelplan unterirdisch

Bremen. Von Verwunderung bis Empörung reichen die Reaktionen auf die Entscheidung der Baubehörde, beim geplanten Tunnel in Seehausen jetzt Nägel mit Köpfen zu machen. Seit Mittwoch liegt ein Planfeststellungsbeschluss vor.
02.07.2010, 05:00
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Seehausen findet Tunnelplan unterirdisch
Von Jürgen Hinrichs

Bremen. Von Verwunderung bis Empörung reichen die Reaktionen auf die Entscheidung der Baubehörde, beim geplanten Tunnel in Seehausen jetzt Nägel mit Köpfen zu machen. Seit Mittwoch liegt ein Planfeststellungsbeschluss vor. Die betroffenen Bürger in dem Dorf können dagegen klagen und werden das nach eigener Ankündigung auch tun. Zunächst aber hätte ihrer Ansicht nach das Ergebnis des Petitionsverfahrens abgewartet müssen, bevor die Behörde einen Beschluss fasst.

'Wir sind geschockt, das ist ganz schlechter politischer Stil', sagt Hilmer Hagens. Der Sprecher der Interessengemeinschaft Seehausen-Hasenbüren fragt nach dem Sinn von Petitionen, wenn dabei über etwas verhandelt werde, was längst entschieden sei. 'Das läuft ja wie früher im Politbüro', schimpft der Tierarzt. Er hat keine Erklärung dafür, warum in dieser für ihn noch offenen Angelegenheit plötzlich der Planfeststellungsbeschluss kommt. 'Da liegen offenbar die Nerven blank.'

Der geplante Tunnel soll als entscheidendes Bindeglied der A281 von den Stahlwerken am rechten Weserufer nach Seehausen auf die gegenüberliegende Seite führen. Seit mehr als 20 Jahren wird über die Trassenführung gestritten und auch darüber, mit welchem Verfahren gearbeitet werden soll - mit dem von den Planern favorisierten sogenannten Einschwimm- und Absenkverfahren, oder mit der herkömmlichen Bohrtechnik. Letzteres bevorzugen die Anwohner, weil das Tunnelende weiter weg von ihren Grundstücken liegen würde und keine Wohnhäuser abgerissen werden müssten.

'Das ist ein Unterschied von 300 bis 400 Metern', sagt Hagens. Das ist der Punkt, darum geht?s ihm und seinen 500 Mitstreitern aus dem 1000-Seelen-Dorf Seehausen. 'Wir sind nicht gegen die Weserquerung, wie uns oft unterstellt wird', betont Hagens, 'wir sind nur gegen die Art, wie sie jetzt zustande kommen soll.'

Mit Verwunderung quittiert Elisabeth Motschmann, Vorsitzende des Petitionsausschusses, die Bekanntgabe des Planfeststellungsbeschlusses 'Bei laufenden Petitionsverfahren ist es ein ungeschriebenes Gesetz, dass keine Fakten geschaffen werden', sagt die CDU-Frau. Motschmann will von der Verwaltung nun prüfen lassen, ob es so etwas je gegeben hat.

Die Baubehörde bleibt ob solcher Anwürfe gelassen. 'Der Beschluss ist Sache der Planfeststellungsbehörde in unserem Haus', erklärt Behördensprecher Michael Ortmanns. Der Senator selbst habe damit gar nichts zu tun. 'Hier wird lediglich ein gesetzlicher Auftrag abgearbeitet.'

Öffentlich ausgelegt wird der Planfeststellungsbeschluss erst nach dem Ende der Sommerferien. Zur Begründung sagte Ortmanns, Senator Reinhard Loske (Grüne) habe dafür sorgen wollen, dass die betroffenen Bürger trotz der Urlaubszeit die Einspruchsfrist von vier Wochen voll ausschöpfen können. Loske rechnet fest mit Klagen, wohl zurecht.

Die FDP in der Bürgerschaft nimmt den Beschluss zum Anlass, auf die aus ihrer Sicht sträflich verzögerte Bauplanung für den 230 Millionen teuren Tunnel hinzuweisen. 'Statt von vornherein auf eine die Interessen der Anwohner weitmöglichst berücksichtigende Trassenführung zu achten, hat der Senator die Verkehrsführung festschreiben lassen und setzt nun insgeheim darauf, dass Bürger und Verwaltungsgerichte die Sache schon zum Besseren kehren', teilt der verkehrspolitische Sprecher der FDP-Fraktion, Bernd Richter, mit.

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