Autobauer könnte Wirtschaft ankurbeln Senat will Borgward nach Bremen holen

Der Autobauer Borgward will in diesem Jahr entscheiden, wo er in Deutschland produzieren will. Bremen hat sich mit einem Brief ins Rennen gebracht. Der einzige Bewerber ist die Hansestadt aber nicht.
12.03.2016, 00:00
Lesedauer: 3 Min
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Senat will Borgward nach Bremen holen
Von Stefan Lakeband

Der Autobauer Borgward will in diesem Jahr entscheiden, wo er in Deutschland produzieren will. Bremen hat sich mit einem Brief ins Rennen gebracht. Der einzige Bewerber ist die Hansestadt aber nicht.

Noch in diesem Jahr will der Autobauer Borgward entscheiden, wo er in Deutschland seine Produktion aufbauen will. Bremen hat bereits für sich geworben. Am Montag hat der Senator für Wirtschaft, Arbeit und Häfen einen Brief an die Borgward-Zentrale in Stuttgart geschickt. In dem Schreiben, das dem WESER-KURIER vorliegt, macht die Behörde dem Autobauer das Angebot, über eine mögliche Ansiedlung für die Produktion zu sprechen.

„Bremen ist ein gleichzeitig moderner und traditioneller Automobilstandort, der mit der Marke Borgward historisch verbunden ist und stark von dieser geprägt wurde“, heißt es in dem zweiseitigen Schreiben, das von Wirtschaftssenator Martin Günthner (SPD) unterzeichnet wurde. Mit 250.000 Beschäftigten gehöre die Automobilbranche zu den wichtigsten Industriezweigen in Norddeutschland.

„Wir finden es naheliegend, dass Bremen seine Kompetenzen ins Spiel bringt“, sagt Holger Bruns, Sprecher des Wirtschaftssenators. Er verweist auf die starke Verbindung zum Automotive-Bereich und dass die Hansestadt entsprechende Flächen für einen Standort hätte.

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Das Schreiben vom Wochenbeginn ist nicht das erste, das aus dem Norden in die Stuttgarter Borgward-Zentrale gegangen ist. Bereits Ende Januar hatte Günthner zusammen mit dem Bremerhavener Bürgermeister Melf Grantz (SPD) einen Brief abgeschickt – und das Industriegebiet Luneplate im Süden der Stadt und den Log-In-Port im Norden angepriesen. Zudem zitiert das Schreiben einige Sätze von der Borgward-Website, in denen die Bedeutung Bremerhavens für die Vergangenheit des ehemaligen Bremer Herstellers verdeutlicht wird. „Als Standortvorteil für den Export erwies sich die Nähe der Werke zum Überseehafen in Bremerhaven“, heißt es dort etwa.

"Ich glaube, dass der Norden gute Chancen hat"

„Borgward ist sich seiner Verpflichtung als deutsches Unternehmen ebenso bewusst wie auch seiner erfolgreichen Geschichte“, teilt Unternehmenssprecher Marco Dalan mit. Er bestätigte auch, dass die Schreiben aus Bremen eingegangen sind, wollte sich zu Details aber nicht weiter äußern. „In einer derzeit laufenden Machbarkeitsstudie werden wir alle entscheidungsrelevanten Kriterien genauestens prüfen und darauf aufbauend eine Entscheidung treffen“, sagte er. Wichtige Kriterien für den deutschen Standort sind laut Dalan „eine ausgezeichnete logistische Anbindung“, eine „entsprechende Infrastruktur auch hinsichtlich der Nähe zu Zulieferern“ sowie qualifizierte Fachkräfte.

Einen Großteil sieht der Automotive-Experte Matthias Brucke erfüllt: „Ich glaube, dass der Norden gute Chancen hat.“ Er geht davon aus, dass Borgward seine Fahrzeuge in China produzieren wird, in Teile zerlegt und in Deutschland wieder zusammenbaut. „In dieser Lieferkette gibt es dann natürlich auch eine maritime Komponente“, sagt er, etwa wenn die zerlegten Autos in Containern nach Deutschland kommen. Und freie Arbeitskräfte gebe es in Bremerhaven genug.

Borgward kann zwischen einem Dutzend Standorten wählen

Wie viele Arbeitsplätze ein Borgward-Standort in Deutschland schaffen könne, ist aber noch unklar. Im Bremer Mercedes-Werk stellen etwa 13.000 Mitarbeiter mehr als 300.000 Autos jährlich her. Das Borgward so groß einsteigen wird, ist aber unwahrscheinlich. Mittelfristig wolle man mehr als 500.000 Autos pro Jahr verkaufen, die Anfangsproduktion soll angeblich aber bei 180.000 Fahrzeugen liegen, die in der Fabrik in Peking vom Band laufen.

Wann genau Borgward seine Entscheidung für den deutschen Standort fällt, ist noch nicht klar. Bremen ist aber nicht der einzige Standort, der seinen Namen ins Spiel gebracht hat. Laut Borgward-Sprecher Dalan sind bereits mehr als ein Dutzend solcher Offerten eingegangen.

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