Personalmangel: Lehrer kritisieren Senat

Senatorin verspricht mehr Stellen

Es fehlt an Lehrpersonal in Bremen, lautet die Kritik vieler Lehrer am Donnerstag bei einer Personalversammlung im Pier 2. Die Bildungssenatorin versprach: Einige neue Stellen soll es geben.
18.02.2016, 00:00
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Von Sara Sundermann
Senatorin verspricht mehr Stellen

Vor allem Grundschullehrer klagen in Bremen über chronische Unterbesetzung.

dpa

Es fehlt an Lehrpersonal in Bremen, lautet die Kritik vieler Lehrer, die am Donnerstag bei einer Personalversammlung im Pier 2 teilnahmen. Die Bildungssenatorin versprach: Einige neue Stellen soll es geben.

Es brodelt an Bremens Schulen, die Unzufriedenheit mit den Arbeitsbedingungen und die Kritik an der Landesregierung wachsen. Wie stark, das wurde am Donnerstag bei einer Personalversammlung der Schulbeschäftigten im Pier 2 deutlich. Der Zulauf war riesig, der große Saal platzte aus allen Nähten. Mehr als 2500 Lehrkräfte und pädagogische Mitarbeiter waren nach Gröpelingen gekommen – an vielen Schulen fiel dadurch Unterricht aus.

Die Kritik war sehr deutlich: „Es fehlt Personal an allen Ecken und Enden“, das war immer wieder zu hören, von Berufsschul-, Oberschul- und Grundschul-Lehrern, von Personalrat- und Gewerkschaftsvertretern: Personal, um Inklusion und Ausbau der Ganztagsschulen umzusetzen, Personal, um Flüchtlingskinder zu unterrichten.

Die Beschäftigten fordern angesichts der Flüchtlingskinder, die neu hinzukommen, rund 200 zusätzliche Lehrerstellen und 80 Stellen für Sozialarbeiter und pädagogische Mitarbeiter. All das zusätzlich zu den 200 Stellen, die Bürgermeister Carsten Sieling (SPD) im vergangenen Jahr zugesagt hatte. „In den Grundschulen sind eigentlich alle Klassen Inklusionsklassen, eigentlich bräuchten wir überall eine Doppelbesetzung“, sagt zum Beispiel Grundschullehrerin Peggy Brosk, die in Lüssum unterrichtet. „Wir haben viele verhaltensauffällige Kinder – wenn man sich mit einem Kind beschäftigt, schlagen oder streiten sich andere.“ Die Belastung im Alltag ist – nicht nur wegen der Integration von Flüchtlingskindern – hoch, das äußern viele Lehrkräfte. Und viele fühlen sich im Alltag alleine gelassen. Sie haben das Gefühl, den Kindern und ihrem Arbeitsauftrag nicht gerecht werden zu können.

"Schulsystem könnte kollabieren"

Wie groß der Unmut ist, zeigte sich bereits in den vergangenen Wochen: Zuerst schrieben mehrere Grundschulleiter im Bremer Westen einen Brandbrief und kritisierten die chronische Unterbesetzung bei der Umsetzung der Inklusion. Und am Montag kamen die Schulleiter insgesamt zusammen und übten öffentlich Kritik.

„Ich habe die Befürchtung, dass das Schulsystem kollabiert, wenn nicht mehr qualifizierte Mitarbeiter eingestellt werden“, sagt Arno Armgort vom Personalrat Schulen. Er kritisiert auch, dass mehr als ein Drittel der Lehrkräfte, die zuletzt neu eingestellt wurden, Bachelorabsolventen sind, die noch kein zweites Staatsexamen gemacht haben. Und Armgort benutzt deutliche Worte für die Finanzpolitik des Senats: „Es fällt mir schwer, das Argument, es gebe nicht mehr Geld für Schulen, zu akzeptieren, wenn zugleich 20 Millionen Euro für ein City-Center ausgegeben werden, das nie kommen wird – und 180 Millionen Euro für ein Offshore-Terminal, dessen Nutzen zumindest fragwürdig ist.“

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„Der Bildungsetat muss dramatisch aufgestockt werden, sonst sind die zukünftigen Aufgaben in den Schulen nicht zu schaffen“, sagt auch Christian Gloede, Sprecher der Bildungsgewerkschaft GEW in Bremen. Er fordert, es müssten 50 Prozent mehr Referendare eingestellt werden. Außerdem müsse der Studiengang Sonderpädagogik an der Bremer Uni wieder aufgebaut werden. Das Fach Behindertenpädagogik war im Jahr 2008 in Bremen geschlossen worden, um zu sparen.

Bogedan will zusätzliches Personal für Flüchtlingsintegration

Thema war bei der Personalversammlung insbesondere, dass pädagogische Mitarbeiter, die eigentlich Inklusionskinder fördern oder Ganztagsangebote machen sollen, regelmäßig als Vertretungskräfte eingesetzt werden, wenn Lehrer ausfallen. In einzelnen Schulen übernehmen sie offenbar auch ganz regulär den Unterricht.

Bildungssenatorin Claudia Bogedan (SPD), die bei der Personalversammlung sprach, verwies darauf, dass der Senat in einem ersten Schritt das Geld für 16 zusätzliche Schulklassen beschlossen hat. Auch der Vertretungspool sei auf 55 Stellen aufgestockt worden. Nun wolle sie sich für zusätzliches Personal für die Flüchtlingsintegration einsetzen, so die Senatorin.

Für Bremen gibt es zwei zentrale Herausforderungen: Einerseits als Haushaltsnotlageland das Geld für mehr Stellen an Schulen aufzubringen. Und andererseits diese Stellen auch zu besetzen – in Zeiten, in denen viele Bundesländer mehr Lehrer einstellen wollen. „Wir haben deshalb mehr Referendare eingestellt, als eigentlich Plätze da sind“, sagte Bogedan. „Und wir wollen Referendaren schneller Zusagen geben, dass sie hier weiterarbeiten können.“ Immer wieder wandern Lehrkräfte nach Niedersachsen ab, weil sie dort mehr Geld bekommen und oft bessere Arbeitsbedingungen vorfinden.

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