Anwohnerversammlung im Schwachhausen Seniorenwohnheim für Flüchtlinge

Bremen. Die Sozialbehörde will in einem ehemaligen Seniorenwohnheim in Schwachhausen Flüchtlinge unterzubringen. Die Anwohner sehen das mit gemischten Gefühlen.
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Von Renate Schwanebeck

Über 100 Bürger aus dem Schwachhauser Quartier Gabriel-Seidl-Straße, Wachmannstraße und Georg-Gröning-Straße waren am Dienstag zur Anwohner-Versammlung gekommen. Es ging um die Planungen der senatorischen Behörde, im Seniorenheim in der Gabriel-Seidl-Straße Nummer 10 für siebeneinhalb Jahre Asylanten und Flüchtlinge unterzubringen.

Die derzeitige Unterkunft in der ehemaligen Schule in der Thomas-Mann-Straße steht nur noch bis zum 1. April 2014 zur Verfügung, da hier später Wohnungen und eine Kita entstehen sollen.

Bevor der Beirat Schwachhausen am 19. Dezember seine Entscheidung über die vorübergehende Unterbringung von 70 Flüchtlingen und Asylanten im ehemaligen Seniorenwohnheim an der Gabriel-Seidl-Straße fällt, hatten die Bürger Gelegenheit, sich in der Mensa des Kippenberg-Gymnasiums über die Pläne zu informieren und ihre Bedenken gegen das Projekt vorzubringen. Rede und Antwort standen Sozialsenatorin Anja Stahmann (Grüne), Heiko Hergert, Vertreter des Sozialressorts für Zuwanderungsangelegenheiten sowie die Schwachhauser Beiratssprecherin Barbara Schneider (Grüne) und Ortsamtsleiterin Karin Mathes.

Wie die Anwohner von Heiko Hergert erfuhren, muss Bremen 0,93 Prozent der 110.000 Flüchtlinge und Asylanten aufnehmen, die 2013 in die Bundesrepublik gekommen sind. Das derzeit leerstehende Seniorenheim in der Gabriel-Seidl-Straße soll nach der derzeitigen Planung als Übergangsunterkunft für 70 Flüchtlinge und Asylanten dienen.

Außerdem seien ausreichend Räume für ärztlichen Dienst und Freizeit vorhanden. Vorgesehen ist ein Mix aus Familien und Einzelpersonen. Barbara Schneider erinnerte daran, dass es vor dem Bezug der Schule in der Thomas-Mann-Straße auch große Befürchtungen gegeben habe. „Wir haben sogar einen privaten Wachdienst bestellt. Der wurde nach zwei Wochen nach Hause geschickt.“

Gemischte Gefühle brachten die Anwohner in der Diskussion zum Ausdruck. Einerseits erklärten fast alle Anwohner ihre Bereitschaft, Flüchtlinge im Stadtteil aufnehmen zu wollen. Andererseits kam die Sorge zur Sprache, dass sich mit 70 Zuwanderern in der kleinen Gabriel-Seidl-Straße die Zahl der Anwohner dieser Straße fast verdoppeln würde. Darin sahen vor allem direkte Nachbarn ein mögliches Konfliktpotential. Senatorin Anja Stahmann: „Immer, wenn uns gesagt wird: ‚Ihr könnt hier weniger unterbringen‘, dann brauchen wir woanders Plätze."

Einige Anwohner berichteten von einer Asbest-Belastung des Gebäudes. Dem will die senatorische Behörde nachgehen.

Etliche Anwohner äußerten die Sorge, dass die kurze Verweildauer für eine Integration nicht ausreichen würde. Sowohl Gisela Böhme, die die Einrichtung in der Thomas-Mann-Straße leitet, als auch Bürger, die diese Einrichtung bereits besucht haben, berichteten, dass die Integration hier vorbildlich gelungen sei. Ralph Saxe (Grüne), Bürgerschafts-Abgeordneter und Vorsitzender des Vereins „Die Wachmannstraße“, versicherte: „Ich werde mich dafür einsetzen, den Menschen zu helfen. Der erste Schritt ist, mit ihnen zu reden, sie willkommen zu heißen und dann werden die Probleme auch gelöst werden.“

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