Bremer Zentralbibliothek

Sonntagsöffnung weiterhin im Gespräch

Bremen. Mehr als 700 Besucher haben am Sonntag in der Bremer Zentralbibliothek rund 2200 Bücher, CDs und DVDs ausgeliehen. Soll die Bibliothek bald ganzjährig sonntags geöffnet werden? Die Bibliotheksleitung sieht mehrere Gründe, die dafür sprechen.
02.04.2012, 17:22
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Von Thomas Joppig
Sonntagsöffnung weiterhin im Gespräch

Erwin Miedtke, stellvertretender Direktor der Stadtbibliothek Bremen, steht einer Sonntagsöffnung positiv gegenüber.

Roland Scheitz

Bremen. Mehr als 700 Besucher haben am vergangenen Sonntag in der Bremer Zentralbibliothek am Wall rund 2200 Bücher, CDs und DVDs ausgeliehen. Soll die Bibliothek bald ganzjährig sonntags geöffnet werden? Die Bibliotheksleitung sieht mehrere Gründe, die dafür sprechen.

„In den Niederlanden hat man mit der Sonntagsöffnung von Bibliotheken sehr gute Erfahrungen gemacht“, sagt Erwin Miedtke, stellvertretender Direktor der Stadtbibliothek Bremen. „Gerade für Familien mit Kindern ist es ein gutes Angebot. Denn am Sonntag haben viele Familien endlich mal Zeit, gemeinsam und in Ruhe in die Bibliothek zu gehen.“ Zudem seien auch andere Kultureinrichtungen, zum Beispiel Museen, sonntags geöffnet.

Bereits seit 2010 ist die Zentralbibliothek immer dann sonntags geöffnet, wenn in der Innenstadt ein verkaufsoffener Sonntag stattfindet - so auch am vergangenen Wochenende. An Werktagen verzeichnet man in der Bibliothek am Wall etwa 2000 Besucher – also fast dreimal soviel wie am Sonntag, dennoch ist man dort mit diesen Zahlen zufrieden. Schließlich sei nicht jedem bekannt, dass die Bibliothek am verkaufsoffenen Sonntag geöffnet ist, sagt Miedtke, und sonntags falle auch die Laufkundschaft weg - also Besucher, die die Mittagspause oder den Heimweg von der Arbeit nutzen, um noch schnell Bücher auszuleihen oder zurückzugeben.

Gemischte Gefühle

In der Belegschaft sehe man die Diskussion mit gemischten Gefühlen, räumt Miedtke ein: „Einerseits ist jedem im Haus klar, dass wir in einer Bildungsgesellschaft leben.“ Daher sei das Verständnis für Sonntagsöffnungen prinzipiell groß. „Andererseits fragen sich manche Kollegen natürlich auch, wie sich das auf ihre Freizeitgestaltung auswirkt. Manche fürchten zum Beispiel, dass sie dann weniger Zeit mit der Familie verbringen können.“

Dennoch stellt sich die Leitung der Stadtbibliothek prinzipiell hinter die Pläne, die Zentralbibliothek sonntags zu öffnen. Allerdings müsse dafür durch kürzere Öffnungszeiten an den Werktagen ein Ausgleich geschaffen werden. Und eine Ausweitung der regelmäßigen Sonntagsöffnung auf die Bibliotheken in den einzelnen Stadtteilen kann sich Miedtke „derzeit nicht vorstellen“. Mit hohen Mehrkosten durch die Sonntagsöffnung rechnet er nicht: „Unsere Mitarbeiter bekommen zwar einen Sonntagszuschlag, aber der ist recht gering.“

Gesetzliche Grundlage fehlt

Derzeit fehlt noch die gesetzliche Grundlage, um Stadtbibliotheken regelmäßig am Sonntag zu öffnen. „Wissenschaftliche Bibliotheken wie die Uni-Bibliothek dürfen sonntags öffnen, Stadtbibliotheken allerdings nicht“, sagt Heiner Stahn, Sprecher der Kulturbehörde. Die Bürgerschaft hat den Senat deshalb Ende Januar aufgefordert, sich im Bundesrat für eine Gesetzesänderung stark zu machen, die es Stadtbibliotheken erlaubt, auch sonntags zu öffnen.

Zudem prüft das Kulturressort auf Wunsch der Bürgerschaft zurzeit, ob es auch ohne eine solche Gesetzesänderung unter bestimmten Bedingungen juristisch möglich wäre, Bibliotheken sonntags zu öffnen. Ein entsprechender Bericht soll der Kulturdeputation noch vor der Sommerpause vorgelegt werden.

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