Außenweser

Spardebatte um Bremens Küstenschiff

Bremen. Die 'Bremen 3' der Wasserschutzpolizei kreuzt bis 25 Seemeilen vor Bremerhaven und überwacht 950 Quadratkilometer niedersächsischer Wasserfläche. Doch damit könnte es bald vorbei sein.
28.03.2010, 17:01
Lesedauer: 2 Min
Zur Merkliste
Von Rose Gerdts-Schiffler
Spardebatte um Bremens Küstenschiff

Kein Teilnehmer muss in den Mast klettern, aber wer will, darf es tun und eine unglaubliche Aussicht genießen.

fr

Bremen. Das kleinste Bundesland ist ein Küstenland. Bislang zumindest. Seit dem Jahr 1664 schwimmt in der Außenweser eine Tonne mit dem Bremer Schlüssel drauf. Ab hier, so das symbolische Zeichen, beginnt der Weg zu den bremischen Häfen. So kreuzt die 'Bremen 3' der Wasserschutzpolizei bis 25 Seemeilen vor Bremerhaven und überwacht 950 Quadratkilometer niedersächsischer Wasserfläche. Doch damit könnte es bald vorbei sein.

'Man muss sich doch fragen, was macht die Bremer Polizei im niedersächsischenKüstenmeer und was haben wir für einen Nutzen davon, das Gebiet dort kostenlos zu überwachen?', brachte Innensenator Ulrich Mäurer (SPD) seine Bedenken jetzt auf den Punkt. Seine Argumentation scheint im Senat zu verfangen.

Hat der Innensenator doch vom Senat den Auftrag erhalten, über eine kostengünstigere Lösung mit Niedersachsen zu verhandeln. Die Zeit drängt, denn das Küstenboot 'Bremen 3' ist in die Jahre gekommen. 23 Jahre alt ist das Küstenboot. Ein neues Schiff würde mindestens zwölf Millionen kosten, so Mäurer. Dierk Stahl, ehemaliger stellvertretender Bootsführer auf dem Küstenboot und heute im Vorstand der Gewerkschaft der Polizei (GdP), geht von nur acht Millionen Euro aus. Erhebliche Differenzen, die den Innensenator aber nicht allzu sehr interessieren. 'Ich habe weder zehn Millionen Euro noch acht Millionen Euro im Haushalt über.'

Acht Jahre zuvor wurde der damalige Innensenator Kuno Böse (CDU) noch von SPD-Abgeordneten heftig gescholten, als er ähnliche Pläne zu verfolgen schien. Die Bremerhavener Beamten von der Wasserschutzpolizei würden zu einer reinen Hafenpolizei degradiert, schimpfte die Abgeordnete Marlies Marken. Und Martin Günthner, damals noch kein Senator, sondern Vorsitzender des Landeshafenausschusses wollte gar alle SPD-Senatoren gegen Böses Pläne mobilisieren. Am Ende kam ein Kompromiss heraus und der Berliner Kuno Böse verkündete stolz: 'Vom platten Land zur Waterkant - Bremen bleibt ein Küstenland.'

Doch was genau machen die 13 Beamten auf ihrem Küstenboot eigentlich? Ihr Terrain beinhaltet das größte Sportbootgebiet in der Nordsee. Längst nicht alle Sportbootfahrer sind nüchtern, wenn sie am Ruder stehen, oder mit sicherer Ausrüstung und dem nötigen Sachverstand auf dem Wasser unterwegs. Immer wieder müssen die Beamten nach Kollisionen ermitteln.

Außerdem gehört das Gebiet zum Weltkulturerbe Niedersächsisches Wattenmeer, sodass die Beamten auf die Einhaltung der Vorschriften achten und die Umweltkriminalität bekämpfen. Bei Schwergutschiffen schließlich muss die Weser gesperrt werden. Bei den geplanten Windkraftanlagen auf offener See, soll das Wasser- und Schifffahrtsamt nach Angaben Stahls mit mehreren Vollsperrungen die Woche rechnen.

'Wenn das die Niedersachsen alles übernehmen sollen, wird es zu Verzögerungen im Schifffahrtsverkehr kommen', ist Stahl sicher. Und GdP-Chef Horst Göbel fügt hinzu: 'In der Schifffahrt kostet jede Minute Geld. Die wirtschaftlichen Auswirkungen dieser Pläne werden völlig unterschätzt.' Die GdP will sich deshalb in den kommenden Tagen mit den Terminalbetreibern treffen.

Der Vertrag mit Niedersachsen kann frühestens zum 31.Dezember 2011 gekündigt werden. 'Uns fehlt an allen Ecken und Kanten Geld', skizziert Mäurer die Richtung. Unterstützung erfährt er vom Bremer Polizeipräsidenten Holger Münch: 'Wenn wir unsere eigenen Aufgaben aufgrund fehlenden Personals kaum noch erledigen können, dann dürfen wir nicht auch noch die Aufgaben der Niedersachsen kostenlos mit übernehmen.' Zumal schon jetzt, die 'Bremen 3', rechnerisch nur die Hälfte des Jahres auf der Außenweser unterwegs sei. In der restlichen Zeit überwache seit 2006 die niedersächsische Polizei das Gebiet.

Jetzt sichern: Wir schenken Ihnen 1 Monat WK+!
Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Das Beste mit WK+