Gesprächsrunde in der Veranstaltungsstätte Kwadrat SPD feiert 150-jähriges Bestehen

Bremen. Mit einer Gesprächsrunde in der Veranstaltungsstätte Kwadrat hat die Bremer SPD am Mittwochabend ihre Reihe zum 150-jährigen Bestehen der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands beendet.
09.05.2013, 05:00
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SPD feiert 150-jähriges Bestehen
Von Heinz-Peter Petrat

Bremen. Mit einer Gesprächsrunde in der Veranstaltungsstätte Kwadrat hat die Bremer SPD am Mittwochabend ihre Reihe zum 150-jährigen Bestehen der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands beendet. Auf dem Podium: Bürgermeister Jens Böhrnsen und seine drei Vorgänger Hans Koschnick, Klaus Wedemeier und Henning Scherf.

Bürgermeister Jens Böhrnsen hat die SPD-Mitglieder zu mehr politischer Auseinandersetzung in der Partei aufgerufen. "Früher war richtig Zoff in der Bude, aber das hat uns doch gut getan", sagte er am Mittwochabend bei der Abschlussveranstaltung der SPD zu ihrem 150-jährigen Bestehen. Gemeinsam mit seinen Vorgängern Hans Koschnick (Bürgermeister von 1967 bis 1985), Klaus Wedemeier (1985–1995) und Henning Scherf (1995–2005) sprach er im Kwadrat über die jüngere Geschichte der Bremer SPD, die auch schon 149 Jahre alt ist. Am 6. April 1864 war sie als Allgemeiner Deutscher Arbeiterverein (ADAV) gegründet worden.

Gefeiert wurde das Jubiläum an einem historischen Datum, dem 8. Mai. "Dieser Tag war und ist für die Sozialdemokraten ein Tag der Befreiung", so Landesvorsitzender Andreas Bovenschulte bei der Begrüßung im voll besetzten Forum des Kwadrats. Am 8. Mai 1945 endete der Zweite Weltkrieg mit der deutschen Kapitulation.

Einer, der anschließend beim Aufbau der in Trümmern liegenden Stadt half, war Hans Koschnick. 1955 war er Mitglied der Bremischen Bürgerschaft geworden, 1963 Innensenator unter Bürgermeister Wilhelm Kaisen und 1967 selbst Bürgermeister. Über die Parteigrenzen hinweg sei es darum gegangen, Bremen wieder aufzubauen. "Die Stadt hat unter Kaisen an Profil gewonnen, das war eine gute Zeit", erinnerte sich Koschnick.

In seine Amtszeit fielen unter anderem die Gründung der Universität, der Ausbau des Güterverkehrszentrums und der Bau des Mercedes-Werkes, aber auch die Schließung der Werft AG Weser und gleich zu Beginn seiner Zeit als Bürgermeister die Straßenbahnproteste. Koschnick: "Wir mussten damals lernen, mit solchen Protesten umzugehen." Unter den Demonstranten auf den Schienen war auch der knapp 20-jährige Jens Böhrnsen. "Aber sonst war ich immer auf Deiner Seite", sagte er in Richtung Koschnick.

Dessen Nachfolger Klaus Wedemeier erinnerte sich, dass er als Bürgermeister seinerzeit ganz schnell auf dem Boden der Tatsachen angekommen sei. Hatte er als Juso noch für kostenlose Kindergärten und freie Fahrt in der Straßenbahn gekämpft, musste er als Regierungschef einsehen, dass das finanziell überhaupt nicht machbar war. "Aber Hans Koschnick hatte mir rechtzeitig beigebracht, dass ich mir keine großen Illusionen über die Gestaltungsmöglichkeiten der Politik machen sollte." Ein schwieriges Geschäft, in dem man als Bürgermeister Federn lassen müsse. Wedemeier: "Aber mir ist eine Partei, die streitet, lieber als eine, die alles abnickt." Beim Talk im Kwadrat erzählte er, dass er eigentlich schon 1983 Nachfolger Koschnicks als Bürgermeister werden sollte. "Aber ich war noch nicht so weit, deshalb hat Hans noch zwei Jahre gemacht."

Einen Lernprozess der besonderen Art hatte auch Wedemeiers Nachfolge Henning Scherf machen müssen. Befürworter einer rot-grünen Koalition, musste er nach einem Parteitagsvotum nach der Wahl 1995 stattdessen eine große Koalition mit der CDU eingehen. Scherf: "Um die CDU habe ich immer einen großen Bogen gemacht. Aber in der Koalition habe ich gelernt, dass man mit denen gut zusammenarbeiten kann." Als Regierungschef habe er es wesentlich leichter gehabt als sein Vorgänger Wedemeier in der Ampelkoalition. "FDP und Grüne haben Klaus ohne Ende gequält. Die wollten sich nur noch profilieren." In der großen Koalition sei es dann darum gegangen, alles das voranzubringen, was unter der Ampelkoalition liegen geblieben war.

Manches davon hätte man laut Böhrnsen aber besser bleiben lassen sollen. "Die große Koalition hat Gutes geleistet, aber es waren unendliche Übertreibungen dabei", so der heutige Bürgermeister, der in dem Zusammenhang den Space Park und das Musical Theater mit allen Folgekosten nannte. Böhrnsen: "Es gab eine Zeit, da war es in Bremen leichter, eine Million für ein großes Vorhaben zu bekommen als 50000 Mark für ein soziales Projekt."

Einig waren sich alle vier, dass die Menschen wieder für Politik begeistert und für die Auseinandersetzung in Parteien gewonnen werden müssen. Böhrnsen: "Gerade wir Sozialdemokraten dürfen die Wahlmüdigkeit nicht hinnehmen. Das ist unsere größte Aufgabe."

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