Oberbürgermeister von Bremerhaven SPD: Grantz soll Schulz beerben

Bremerhaven. Melf Grantz soll neuer Oberbürgermeister in Bremerhaven werden. Darauf hat sich der Unterbezirksvorstand der SPD einstimmig geeinigt. Der derzeitige Sozialstadtrat soll mit dem Jahreswechsel die Nachfolge von Amtsinhaber Jörg Schulz antreten.
10.08.2010, 22:10
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Von Frank Miener

Bremerhaven. Melf Grantz soll neuer Oberbürgermeister in Bremerhaven werden. Darauf hat sich der Unterbezirksvorstand der SPD am Dienstag einstimmig geeinigt. Der derzeitige Sozialstadtrat soll mit dem Jahreswechsel die Nachfolge von Amtsinhaber Jörg Schulz antreten. Der zieht sich vorzeitig von dem Posten zurück. Die Grünen allerdings sehen im Moment noch keinen Bedarf dafür, die Stelle neu zu besetzen.

Dass Grantz der Favorit der SPD und deren Ortschef Siegfried Breuer ist, war schon seit längerem klar. 'Es wäre sehr gut, wenn der Bewerber aus Bremerhaven kommt', sagte Breuer schon im Frühjahr, als die Personaldebatte bereits unterschwellig geführt wurde. Der Vorteil wäre eine Verwurzelung in der Stadt und zahlreiche Kontakte. Die hat Grantz auf jeden Fall: Der Rechtsanwalt, seit 2008 Sozialstadtrat, wurde 1962 in der Seestadt geboren und hat seine bisherige berufliche Laufbahn in Bremerhaven absolviert. Hier diente er als Syndikus bei den Stadtwerken sowie den Verkehrsbetrieben und arbeitete als selbstständiger Anwalt. 'Es gibt für uns nur Melf Grantz', betonte Breuer bei der gestrigen Sitzung. Politikerfahrung hat er auch genug: 1990 bis 2002 war er Jugend- und Familienstadtrat, dann Fraktionsvorsitzender der SPD, seit 2008 ist er im heutigen Amt.

Gewählt ist Grantz, der 1987 erstmals Stadtverordneter wurde, allerdings noch nicht. Erst einmal muss die Stelle ausgeschrieben werden. Das betont der Kandidat dann auch: 'Wir haben noch gar kein Verfahren begonnen.' Demnach muss die Stadtverordnetenversammlung aus den Bewerbern den neuen Oberbürgermeister wählen. Dennoch: Es gibt derzeit keinen anderen Anwärter als den Juristen.

Das Verfahren soll im September beginnen. Dazu hat der Stadtverordnetenvorsteher, Artur Beneken (SPD), eigens die Sitzung des Verfassungsausschusses auf Anfang September vorverlegt. 'Die Notwendigkeit für dieses Verfahren sehen wir im Moment nicht', sagt der grüne Obmann im Ausschuss, Claudius Kaminiarz. 'Die Beurlaubung eines Oberbürgermeisters während dessen Wahlperiode führt nicht zum Verlust des Amtes mit der Notwendigkeit einer vorgezogenen Neuwahl. Eine abschließende Klärung der Frage ist allerdings offen. Breuer zumindest geht davon aus, dass die Wahl sowohl legitim sei als auch notwendig: 'Die Polizei in Bremerhaven untersteht dem Oberbürgermeister. Wenn es keinen gibt, dann ist der Innensenator zuständig.' Das könne nicht im Sinne der Stadt sein.

Der Umgangston wird sich ändern

Hinter der Kritik steht freilich auch der Gedanke, dass es sich bei der vorzeitigen Neubesetzung um eine Wahlkampftaktik handeln könnte. Im kommenden Jahr wird auch die Stadtverordnetenversammlung neu gewählt, ob die Verhältnisse auch danach noch für einen SPD-Kandidaten reichen, ist nicht klar. 'Dann lieber jetzt jemanden installieren und mit ihm im Wahlkampf vorgehen', diese Taktik hat auch Schulz nach seiner Rücktrittsankündigung indirekt bestätigt. Breuer allerdings sagt, dass die SPD doch noch gar nicht entschieden habe, wann sie ihren Anwärter ins Rennen schickt. Motiviert ist der jedenfalls: 'Es macht doch Spaß, diese Arbeit für seine Heimatstadt zu leisten.' Wann auch immer: Grantz ist der Kandidat der SPD, er wäre der neunte Oberbürgermeister der Stadt. Die waren fast alle Sozialdemokraten mit durchaus unterschiedlichen Karrieren vor und nach ihrer Amtszeit.

Herausragende Figuren waren Gerhard von Heukelum, der in seiner Zeit von 1946 bis 1948 gemeinsam mit Wilhelm Kaisen dafür sorgte, dass Bremerhaven Teil des Landes Bremen wurde. Werner Lenz (1978-1983) war als Wirtschaftssenator aktiv, auch sein Nachfolger Karl Willms (1983-1995) gehörte dem Senat an.

Weichenstellungen wie unter van Heukelum werden auf Grantz Aufgabenliste freilich nicht stehen. Dort findet sich der Ausbau der Windenergie als Kernaufgabe, außerdem in Zusammenarbeit mit dem Wirtschaftsressort der Bau des Offshore-Schwerlastterminals im Blexer Bogen sowie weitere Tourismusprojekte. Die aktuell anstehenden, dicken Brocken allerdings, darunter die Hafenanbindung über die Cherbourger Straße und die Beteiligung Bremerhavens an der Entschuldung des Landes, will Schulz noch selbst abschließen. Das hat der scheidende Oberbürgermeister immer wieder betont.

Sicher ist, dass sich der Umgangston an der Magistratsspitze ändern wird, wenn der OB Grantz heißt. Er gilt bei seinen Stadtratskollegen als umgänglich und kooperativ. Auch die Oppositionsparteien schätzen ihn für seine ausgleichende Art und arbeiten gerne mit ihm zusammen. 'Mit ihm wird es einen anderen Stil geben', ist sich auch Parteichef Breuer sicher. Grantz verhalte sich in Konflikten anders als Schulz. Das werde man spüren.

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