Weyher Verwaltungsvize rückt als Landeschef in spe ins Rampenlicht SPD-Mitglieder stimmen für Bovenschulte

Bremen. „Satellite“. Die Melodie von Lena Meyer-Landrut war am Sonnabend – einen halben Tag vor der musikalischen Entscheidung in Oslo – der Soundtrack der Sozialdemokraten in Bremen, als die Mitgliederbefragung mit der vierten Regionalkonferenz ausklang.
29.05.2010, 17:00
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Bremen. „Satellite“. Die Melodie von Lena Meyer-Landrut war am Sonnabend – einen halben Tag vor der musikalischen Entscheidung in Oslo – der Soundtrack der Sozialdemokraten in Bremen, als die Mitgliederbefragung mit der vierten Regionalkonferenz ausklang.

Es wurde Bilanz gezogen. Der Gewinner ist: Andreas Bovenschulte. Er soll nach mehrheitlicher Meinung der Sozialdemokraten auf einem Landesparteitag am 5. Juni zum SPD-Landesvorsitzenden gekürt werden. Bovenschulte bekam 600 Stimmen, seine Gegenkandidatin Karin Jöns 502.

Vier Regionalkonferenzen hatte es seit dem 11. Mai gegeben – in Bremen-Stadt, Bremen-Nord, in Bremerhaven und gestern zum Abschluss wieder in der Stadt, im World Trade Center nahe Hillmannplatz. Drei Mal wurden Stimmen abgegeben, aber nicht gleich anschließend ausgezählt, sondern unter notarieller Aufsicht bei einem Sicherheitsunternehmen zwischengelagert. Gestern nun kam das vierte Votum dazu, und es konnte das Gesamtergebnis ermittelt werden. Das Finale am Sonnabend zur Mittagsstunde: erst gab es „Satellite“ aus dem Lautsprecher, dann Blumen und gute Wünsche für Bovenschulte.

Bremer Akzente in Berlin

Bovenschulte mit Blumen, Bovenschulte auf der Bühne, Bovenschulte im Rampenlicht. Dies ist ganz neu für alle, auch für ihn – auf dem politischen Feld fast so etwas wie eine bremische Meyer-Landrut-Lage. Bovenschulte ist derzeit Schriftführer im SPD-Ortsverein Altstadt. Dieser Hinweis kann auf die falsche Fährte führen. Bovenschulte ist in der Partei alles andere als ein unbeschriebenes Blatt – er war bisher eben nur nicht auf dem Titelblatt.

Aber er war unter anderem Delegierter auf Bundesparteitagen und erarbeitet im Namen der SPD-Landesorganisation Anträge für den Bundesparteitag, um Bremer Akzente in Berlin zu setzen, wie er gestern sagte. SPD-Mitglied ist er seit 25 Jahren.

Andreas Bovenschulte, groß gewachsen bis etwa in Henning-Scherf-Höhe, ist 44 Jahre alt. Der Vater von zwei Töchtern wohnt in Bremen, im Viertel, arbeitet jedoch im nahen Umland. Seit 2007 ist Bovenschulte stellvertretender Verwaltungschef der Gemeinde Weyhe. Die Frage nach etwaigen Interessenkonflikte als SPD-Chef in Bremen und seinem hochrangigen Vollzeitjob im Niedersächsischen kann er nach den vier Regionalkonferenzen vermutlich kaum mehr hören, aber auch gestern kam sie wieder aus dem Publikum. Tenor seiner Antwort: Das Verhältnis zwischen Weyhe und Bremen sei sehr gut. Und Bremen brauche das Umland wie das Umland Bremen.

Aufgewachsen ist Bovenschulte nahe Hannover. Mitte der 80er Jahre kam er nach Bremen, um Jura zu studieren. Nach Abschluss und Promotion arbeitete er als Justitiar bei einer bremischen Gesellschaft („bremen online services“). Später wechselte er in das Referat für öffentliches Recht beim Justizsenator in Bremen, um dann in Weyhe stellvertretender Verwaltungschef zu werden.

Bovenschulte gehört zu denen, die sich von Anfang an kritisch zum sozialpolitischen Kurs der SPD unter anderem mit der Hartz-IV-Gesetzgebung geäußert hatten. Auch gestern kommentierte er diese jüngere Vergangenheit der Partei: Die Hartz-IV-Reformen hätten so manche Mitglieder sprachlos gemacht und in die innere Immigration getrieben. Bovenschulte: „So etwas darf nie wieder vorkommen!“

Der SPD-Parteichef in spe will sich dafür einsetzen, dass es „endlich wieder mehr tarifgebundene Arbeitsverhältnisse“ gibt. Er plädierte für eine gerechte Steuerpolitik, damit Bund Länder und Kommunen nicht ausbluten, und wirbt dafür, dass „die Richtigen zur Kasse gebeten werden“. Wenn in Deutschland die Besteuerung von Vermögen ein Niveau hätte wie in den USA, so rechnete er am Sonnabend vor, dann kämen auf einen Schlag jährlich rund 50 Milliarden Euro mehr in die öffentliche Kasse.

Es war gestern viel Parteiprominenz im Saal, Abgeordnete, Staatsräte und manch alter Senator. Auf den Vorschlag des früheren Bausenators Stefan Seifritz, der eine groß angelegte SPD-Kampagne zugunsten der mehrheitlich städtischen Gewoba verlangte, reagierte Bovenschulte von der Bühne spontan: „Goldrichtig.“

 

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