Zehn Flächen sollen bebaut werden Spielplätze oder Kitas? Bildungsbehörde vor Dilemma

Weil die Bildungsbehörde Platz für neue Kitas braucht, sollen öffentliche Spielplätze geopfert werden. Mindestens zehn Flächen sind betroffen. Kritiker merken an, man solle lieber private Flächen bebauen.
23.05.2016, 00:00
Lesedauer: 3 Min
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Spielplätze oder Kitas? Bildungsbehörde vor Dilemma
Von Katharina Elsner

Weil die Bildungsbehörde Platz für neue Kitas braucht, sollen öffentliche Spielplätze geopfert werden. Mindestens zehn Flächen sind betroffen. Kritiker merken an, man solle lieber private Flächen bebauen.

Eigentlich sind sich alle einig. Eltern, Erzieher, Architekten, Landessportbund, auch der Senat: Kinder brauchen Freiräume, Bewegung, Platz zum Toben und Rennen. Sie brauchen die Spiel- und Bolzplätze um die Ecke. Nun aber wird bekannt, dass mindestens zehn öffentliche Spielplätze bebaut werden sollen – denn Kinder brauchen auch Kitas und Schulen.

Dabei hat Bremen im Koalitionsvertrag ein Programm zur Förderung von Spielraum festgeschrieben. Darüber hinaus hat die rot-grüne Koalition im April 700.000 Euro mehr und damit gut eine Million Euro insgesamt für Bremer Spielplätze im Sozialhaushalt veranschlagt. Das Problem: Eltern haben seit einigen Jahren für ihre Kinder einen Rechtsanspruch auf einen Platz in einer Kindertagesstätte oder einer Krippe. Und: Bremen ist klein, die Flächen sind begrenzt und Kitas machen oft nur Sinn in Wohn-, nicht in Industriegebieten.

Bündnis kritisiert: „Es wird nur häppchenweise gebaut“

Konkret geht es nach Informationen des WESER-KURIER um den Bau von Kitas in der Neustadt, in Findorff, Osterholz, Schwachhausen und Gröpelingen. Diese Pläne kritisiert das „Bündnis für eine lebenswerte Stadt – Grünes Bremen“, dem sich unter anderem die Architektenkammer, der BUND Bremen, der Landessportbund und auch das Deutsche Kinderhilfswerk angeschlossen haben.

„Hier Spielplätze zu bebauen und wertvolle Flächen für Jugendliche weiter zu reduzieren, ist Ausdruck einer kurzsichtigen und verfehlten Politik“, schreibt das Bündnis. „Es wird nur häppchenweise gebaut, ein Gesamtkonzept gibt es aber nicht“, erklärt Ulf Jacob, ein Sprecher der Initiative. Zwar gehe es nicht immer um eine komplette Bebauung, doch wenn ein Spielplatz nur noch aus einem Sandkasten bestehe, dann sei er entwertet.

Spielplätze oder Kitas? Senatorin in der Zwickmühle

Die Senatorin für Kinder und Bildung ist dagegen in der Zwickmühle. Einige Eltern wollten Spielplätze, andere Eltern Kitas. „Fakt ist: Wir brauchen Flächen, um Kitas bauen zu können“, sagt Annette Kemp, Sprecherin der Senatorin. Gerade in Findorff und anderen urbanen Stadtteilen sei es aber schwierig, freie Fläche zu finden. Wie viele Flächen von den Baumaßnahmen konkret betroffen sind, weiß sie nicht. „Wir prüfen erstmal alles“, sagt Kemp.

Wie aus der Liste des Bündnisses hervorgeht, handelt es sich um Objekte in der ganzen Stadt, zum Beispiel auch an der Corveystraße in Findorff. In einer öffentlichen Sitzung des Findorffer Beirats vor zwei Wochen hatten Eltern und Politiker bereits über einen geplanten Neubau heftig diskutiert. Mit 780 Quadratmetern würde der Bau die Dimensionen des Spielplatzes von 3200 Quadratmetern deutlich verkleinern. Es sei „kinderfeindliche Politik“, in dicht besiedelten Stadtteilen „Kinderbetreuung auf Kosten von Spielplätzen zu organisieren“, sagt Ulf Jacob.

Vor allem öffentliche Flächen werden bebaut

Die Senatorin für Kinder und Bildung muss also entscheiden, was wichtiger ist: Kita oder Spielplatz. „Wenn es keine andere Lösung gibt, wie in Findorff, dann müssen wir dem Platz etwas abknipsen. Damit müssen wir dann leben“, sagt Annette Kemp. Schließlich gehe es darum, möglichst schnell möglichst viele Kitas und Krippen zu schaffen.

Dabei hat es das Bundesland nicht leicht, denn Bremen fehlen die finanziellen Mittel, die Schuldenbremse steht im Gegensatz zu dem Druck, Kitas zu bauen. „Alles verständlich“, sagt Ulf Jacob, doch diese „Prüfung“ der Senatorin für Kinder und Bildung gehe ihm nicht weit genug. Nach seiner Einschätzung werden vor allem öffentliche Flächen für den Ausbau gewählt, also solche, die direkt in städtischer Hand liegen. Andere Alternativen würden offensichtlich nicht umfassend genug geprüft. Ulf Jacob schlägt vor, zu prüfen, ob auch private Flächen genutzt werden können. Außerdem sei es möglich, bereits bestehende Gebäude auszubauen oder aufzustocken.

Folgende Ausbaupläne sind bekannt

Nach Informationen des Bündnisses für eine lebenswerte Stadt – Grünes Bremen sind folgende Spielplätze von den Kita-Ausbau-Überlegungen betroffen:

  • Neustadt: Huckelrieder Spielplatz (bereits bebaut), Tieckstraße/Kornstraße
  • Osterholz: Poggenburg
  • Findorff: Corveystraße, Nürnberger Straße, Halberstädter Straße
  • Schwachhausen: Schenkendorfstraße, Kirchbachstraße, Nancystraße
  • Gröpelingen: Bexhöveder Straße
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