Probleme mit der Finanzierung Stadt stützt das Weserstadion

Bremen. Die Bremer Weser-Stadion GmbH hat offenbar mit dem Millionen-Umbau der Sportstätte am Osterdeich kämpfen. Jedenfalls ist Bremen mit einem Darlehen in Höhe von 1,5 Millionen Euro eingesprungen.
10.06.2013, 05:00
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Stadt stützt das Weserstadion
Von Wigbert Gerling

Bremen. Die Bremer Weser-Stadion GmbH, an der zur einen Hälfte der SV Werder und zur anderen die städtische Wirtschaftsförderungsgesellschaft beteiligt ist, hat offenbar mit dem Millionen-Umbau der Sportstätte am Osterdeich kämpfen – die Finanzierung drohte demnach, aus dem Lot zu geraten. Jedenfalls ist Bremen mit einem Darlehen in Höhe von 1,5 Millionen Euro eingesprungen.

Kummer mit dem Weserstadion – solch ein Gefühl gilt offenbar nicht alleine unerfüllten sportlichen Sehnsüchten der SV Werder-Anhänger. Auch finanziell bietet der Bau hinter den Kulissen seit Wochen Diskussionsstoff. 1,5 Millionen Euro wurden gebraucht – und gewährt.

An der Sportstätte sind über die Bremer Weser-Stadion GmbH (BWS) der SV Werder und die öffentliche Wirtschaftsförderung Bremen (WfB) mit je 50 Prozent als Gesellschafter beteiligt. Die finanziellen Verpflichtungen, die beide Partner zugunsten der umfangreichen Umbauten eingegangen waren, müssen bedient werden – bei einem Volumen von angeblich um die 80 Millionen Euro wohl kein leichtes Unterfangen. Damit die Kredit-Konstruktion nicht ins Wanken gerät, so hieß es, gewähre die WfB der Stadiongesellschaft dieses Darlehen über 1,5 Millionen Euro.

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Offizielle Auskünfte gab es von beiden Seiten bisher nicht. Aber auch in diesem Fall gilt offenbar: Sport und Geld sind keine voneinander unabhängigen Sphären. Die Bremer Weser-Stadion GmbH braucht regelmäßige Einnahmen, um ihren Beitrag zur Baufinanzierung zu leisten – und dieses Geld kommt unter anderem über Anteile an den Eintrittskarten, der Stadion-Gastronomie sowie der Vermarktung von Werbeflächen. Dazu die schlichte Logik: Je öfter im Stadion etwas los ist und je mehr Besucher kommen, desto günstiger wirkt sich dies auf den Kassenpegel bei der Stadiongesellschaft aus.

Am der Sportstätte ist mit großen Aufwand und Einsatz gearbeitet worden: "Im Sommer 2008 wurde damit begonnen,", so heißt es in der Eigendarstellung der BWS, "das Weser-Stadion zur reinen Fußball-Arena umzubauen." Dach und Fassade seien großflächig mit einer Photo-Voltaik-Anlage bestückt worden. "Für mehr Atmosphäre in der fertig umgebauten Arena," so heißt es weiter, "wird auch das ,Heranziehen’ von Ost- und Westkurve an das Spielfeld seinen Beitrag leisten."

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Eines war in den vergangenen gut drei Jahrzehnten meist mit großer Gewissheit planbar: es gibt 17 Heimspiele der Bundesligamannschaft und damit Besucherzahlen im fünfstelligen Bereich – auch wenn es mit der Erhöhung der Zuschauerkapazität von gut 42000 auf 50000 nicht klappte.

Weniger vorhersagbar war das fußballerische Niveau der Profimannschaft. Sie kann mit erfolgreichen Spielzügen und Abschlüssen dafür sorgen, dass die Zahl der Spieltage und damit der Fanbesuche erhöht wird. Das gilt vor allem für eine Teilnahme am internationalen Fußball oder auch – allerdings abhängig vom Losglück – für den DFB-Pokal, wenn der SV Werder zu Hause spielen kann. Wenn über die 17 fest "gebuchten" Bundesligapaarungen hinaus die Tribünen voll sind und die Fußballgäste auf den Rängen essen und trinken, dann kann das die Kasse der BWS gut vertragen. Zwei oder drei zusätzliche Fußballspiele machen bei den Einnahmen offenbar einen wichtigen Unterschied aus.

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Weil zuletzt keine zusätzlichen Heimspiele der Profis im bundesdeutschen Pokal oder auf europäischer Ebene für zusätzliches Inkasso sorgen konnten, blieb es in der Saison bei den 17 Bundesligaspielen. Wie es heißt, ist die Kreditfinanzierung für die Stadionumbauten zwar "auf Kante genäht", gleichwohl könne sie allein mit diesen Bundesligaauftritten bewältigt werden. Als dann aber noch einigen Bauauflagen entsprochen werden musste, sei deutlich geworden, dass es finanziell eng werden könnte, wenn es gelte, die laufenden Kredite für den Umbau zu bedienen.

Dem SV Werder wird bescheinigt, er habe sich bereits finanziell engagiert, um das Problem im Griff zu behalten. So kam die staatliche Wirtschaftsförderung Bremen ins Spiel, die im Namen Bremens die 50-prozentige Beteiligung an der BWS hält. Und weil das so ist, ist im Aufsichtsrat der Bremer Weser-Stadion GmbH auch die Politik vertreten – beispielsweise mit einigen Abgeordneten.

Bevor die Entscheidung zugunsten eines WfB-Darlehens in Höhe von 1,5 Millionen Euro fallen konnte, wurde dem Vernehmen nach über den Vorgang mehrfach diskutiert. Unter anderem wurde gefragt, zu welchem Zinssatz und mit welcher Perspektive das Darlehen des öffentlichen Unternehmens an die Stadiongesellschaft gewährt werden solle. Die WfB, so die Antwort, gebe das Geld zu einem festen Zinssatz von 1,5 Prozent, was derzeit auf dem Finanzmarkt in solche einem Fall ein üblicher Satz sei. Die Laufzeit sei mit zehn Jahre angegeben worden.

Auch die Finanzer drücken dem SV Werder für die neue Saison die Daumen. Denn, so ein Kommentar aus diesem Kreis: "Ein Abstieg in die 2. Bundesliga wäre eine Katastrophe."

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