Kommentar zum Beluga-Verfahren

Stolberg hat Milde verdient

Niels Stolberg ist kein Schwerverbrecher. Er war außerdem lebensbedrohlich erkrankt und muss seitdem mit Beeinträchtigungen leben. Die Behörden sollten ihm nicht mit Härte begegnen, meint Jürgen Hinrichs.
19.12.2019, 05:00
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Stolberg hat Milde verdient
Von Jürgen Hinrichs
Stolberg hat Milde verdient

Der wegen mehrfachen Kreditbetruges zu drei Jahren und sechs Monaten Haft verurteilte Niels Stolberg steht im Saal des Bremer Landgerichts. Die Verurteilung ist nun rechtskräftig, teilte der Bundesgerichtshof am Mittwoch mit.

Mohssen Assanimoghaddam/DPA

Mit der Entscheidung des Bundesgerichtshofs, die Revision von Niels Stolberg zu verwerfen, geht ein Verfahren zu Ende, das enormes Aufsehen erregt hat. Stolberg ist nicht irgendwer, er gehörte vor der Pleite seiner Beluga-Reederei zur Elite der bremischen Gesellschaft. Wer die Schaffermahlzeit ausrichten darf, hat es geschafft. Stolberg war ein wichtiger Mäzen in der Region, er hat auf Spiekeroog die halbe Insel gekauft und saß im Aufsichtsrat von Werder Bremen.

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Wenn so einer fällt, über seine Betrügereien stolpert, schauen die Menschen hin. Der Ex-Reeder hat in der Not gehandelt, seinem Unternehmen ging es schlecht, eine Entschuldigung ist das aber natürlich nicht. Stolberg wusste genau, dass er Unrechtes tat und anderen damit schadete. Er wollte unbedingt weiter ganz groß sein, war aber schon ganz klein.

Der Betrüger bekommt jetzt seine Strafe. Mit besonderer Härte muss ihm aber nicht begegnet werden. Stolberg ist kein Schwerverbrecher, er war außerdem lebensbedrohlich erkrankt und muss seitdem mit Beeinträchtigungen leben. Die Behörden sollten deshalb bei der Vollstreckung der Strafe Milde walten lassen.

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