Eltern im Kampf gegen Behörde Streit an Wilhelm-Kaisen-Schule eskaliert

Bremen. Das hat es in Bremen noch nicht gegeben: Sechs Wochen vor Ferienbeginn teilt die Bildungsbehörde einer Schule mit, dass ihre gesamte Schulleitung ausgetauscht werden soll - und das in einem sozialen Brennpunkt-Stadtteil, mitten im Umbau zur Oberschule.
20.05.2010, 06:14
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Von Bernd Schneider

Bremen. Das hat es in Bremen noch nicht gegeben: Sechs Wochen vor Ferienbeginn teilt die Bildungsbehörde einer Schule mit, dass ihre gesamte Schulleitung ausgetauscht werden soll - und das in einem sozialen Brennpunkt-Stadtteil, mitten in der Umsetzung der wohl umfassendsten Schulreform der Nachkriegsgeschichte, dem Umbau zur Oberschule. Während Eltern jetzt Alarm schlagen, versucht das Bildungsressort die Wogen zu glätten.

Nach einer langen Hängepartie kam für die Wilhelm-Kaisen-Schule in Huckelriede Mitte vergangener Woche die Hiobsbotschaft: 'Die gesamte Schulleitung wird im kommenden Schuljahr nicht mehr vorhanden sein.' So fasst das Protokoll der Schul-Gesamtkonferenz den Besuch zweier Schulaufsichtsbeamten zusammen. 'Es soll einen Neustart mit neuen Gesichtern, einem Beirat und einer Planungsgruppe' und einer neuen Leitung geben.

Keine zwei Wochen zuvor stand sogar die Existenz der gesamten Schule in Frage. Ein weiterer Mitarbeiter der Schulaufsicht war angereist und hatte den Beschäftigten in einem Dienstgespräch mitgeteilt, die Lehranstalt solle nach und nach 'auslaufen'. Am gleichen Standort werde im Sommer eine neue Schule gegründet. Nicht nur die Leitung werde neu besetzt, alle Lehrer, die bleiben wollten, sollten sich auf eine Stelle an der 'neuen' Schule am selben Standort 'bewerben'.

'Wir empfinden diesen Umgang mit den Beschäftigten unserer Schule als extrem herabwürdigend', er stehe 'im Widerspruch zur Fürsorgepflicht der Senatorischen Dienststelle', hieß es am Dienstag auf der Gesamtkonferenz der Schule. Zudem seien weder die täglichen Abläufe sichergestellt noch Planung und Personal für das kommende Schuljahr - das zweite Jahr im Aufbau der neuen Oberschule.

Die Elternvertreter an der Wilhelm-Kaisen-Schule gaben sich gestern fassungslos. Lehrer, Eltern und Schüler seien 'entsetzt über dieses Vorgehen der Schulbehörde', teilte Elternsprecherin Birte Schleef mit. 'Eine schlüssige Begründung' fehle den Eltern zudem - genau wie 'ein Konzept für das weitere Vorgehen'.

Hinter dem Einschreiten der Schulaufsicht steckt letztlich der Kampf der Eltern im Bremer Süden um die beste Schulbildung für ihre Kinder, der in diesem Jahr mit härteren Bandagen ausgetragen wird als früher. So war eine Vielzahl an Eltern im Anwahlverfahren an der Oberschule am Leibnizplatz abgewiesen und letztlich der Wilhelm-Kaisen-Schule zugewiesen worden. Seitdem rumort es im Bremer Süden.

Denn seit Jahren wird die Wilhelm-Kaisen Schule ihren Ruf als Lehranstalt in einem schwierigen sozialen Umfeld nicht los. Sie ist angesiedelt in einer der herausforderndsten sozialen Lagen Bremens. Dabei schlägt dort nicht nur das soziale Umfeld mit seinen vielen Zuwanderern zu Buche, besonders am Niedersachsendamm. Auch die unmittelbare Nachbarschaft zur Freien Evangelischen Bekenntnisschule (FEBB), spielt eine Rolle für die Zusammensetzung ihrer Schülerschaft. Die Konkurrenz ist, was die Schülerzahlen angeht, die größte Privatschule in Bremen.

Auch im Bremer Westen und im Bereich Mitte/Östliche Vorstadt hat die Bildungsbehörde nur unter großem Aufwand allen Eltern Schulplätze anbieten können, die sie akzeptiert hatten. Auch hier spielte eine Rolle, dass Eltern ihre Kinder nicht in benachbarte, sozial schlechter gestellte Stadtteile mit teils sehr schwach angewählten Schulen geben wollten.

Während in anderen Stadtteilen Lösungen gefunden wurden, ist der Streit im Bereich Neustadt/Huckelriede mit dem Konflikt um die Wilhelm-Kaisen-Schule nun erst richtig eskaliert. Schon vor Wochen hatte die Bildungsbehörde gefürchtet, Eltern würden geschlossen gegen die Zuweisung in diese Schule klagen. Bildungssenatorin Renate Jürgens-Pieper (SPD) hatte daraufhin Abordnungen von vier Neustädter Grundschulen empfangen. Dabei soll sie, so versichern Eltern, die Veränderungen an der Wilhelm-Kaisen-Schule bereits ins Gespräch gebracht haben.

Das Bildungsressort betonte, die Schulleitungen seien 'nicht abgesetzt', es würden derzeit lediglich 'Dienstgespräche' geführt. Sprecherin Karla Götz unterstrich zudem: 'Die Wilhelm-Kaisen-Oberschule ist auf einem guten Weg und bleibt bestehen.'

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