Beirat will Klarheit über Abdichtung Streit um die Blocklanddeponie

Bremen. Es wird den Steuerzahler Millionen kosten, den stillgelegten Teil der Blocklanddeponie endgültig gegen Regen und Sickerwasser abzuschließen. Um wenigstens einen Teil der Kosten wieder hereinzuholen, wollen die Bremer Entsorgungsbetriebe (BEB) Baggergut aus der Elbe deponieren.
10.02.2010, 20:40
Lesedauer: 2 Min
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Von Bernd Schneider

Bremen. Es wird den Steuerzahler Millionen kosten, den stillgelegten Teil der Blocklanddeponie endgültig gegen Regen und Sickerwasser abzuschließen. Um wenigstens einen Teil der Kosten wieder hereinzuholen, wollen die Bremer Entsorgungsbetriebe (BEB) Baggergut aus der Elbe deponieren und damit den 45 Meter hohen Berg von allen Seiten abdichten. Doch dieser Plan hat enorm viel Staub aufgewirbelt im Beirat Walle.

'Wir sind nicht auf Krawall aus', versichert Wolfgang Golinski (SPD), Sprecher des Ausschusses für Bau und Umwelt im Beirat Walle. 'Wenn man mit uns redet, haben wir sehr viel Verständnis.' Der Beirat akzeptiere aber nicht, wenn man ihn mit Halbwahrheiten abspeisen wolle.

Für den Senat sei schon seit Mai 2009 klar, dass auch Baggergut aus den Hamburger Häfen zur Abdichtung in Betracht komme. Noch im Oktober sei gegenüber dem Beirat aber der Eindruck erweckt worden, es gehe um Ton-Böden, 'Deponieklasse eins, also unbedenklich'. Als unsere Zeitung Ende 2009 von 150000 Kubikmetern 'Baggergut' und 'Hafenschlick' berichtete, waren die Beiratsmitglieder 'ein bisschen entsetzt'. Ihre Sorge: Schadstoffe, etwa giftige TBT-Schiffsanstriche, könnten gleich mitangeliefert werden. Irritierend für den Beirat auch: Ausgerechnet ein grüner Umweltsenator wolle Tausende von Lastwagen aus Hamburg nach Bremen holen und über Waller Straßen zur Deponie rollen lassen. Über die SPD-Bürgerschaftsfraktion hat der Beirat den Senator Reinhard Loske inzwischen sogar zu einer Stellungnahme im Parlament gezwungen.

Das Umweltressort bemüht sich unterdessen, die Wogen zu glätten. Derzeit, so Sprecher Michael Ortmanns, würden alle 'technischen Alternativen geprüft', und zwar 'unter ökonomischen und unter ökologischen Gesichtspunkten'. Denkbar sei etwa auch, die Deponie mit Folie abzudecken und anschließend neu zu begrünen.

Insgesamt müssten für die endgültige Abdichtung weit mehr als zehn Millionen Euro veranschlagt werden. 'Die Kosten trägt die Stadt', sagte Ortmanns. Daher komme die Abdeckung mit Baggergut ins Spiel: Die Hamburger Hafenbehörden sind offenbar bereit, für die Abnahme von 150000 Kubikmetern fast drei Millionen Euro zu zahlen, verteilt über zehn Jahre. Das Baggergut müsse natürlich 'hohen Umweltstandards genügen', so Ortmanns. 'Das muss sauber geregelt werden.'

Auch die anderen Aspekte würden derzeit geprüft, etwa die Transportwege aus Hamburg. Dabei gab Ortmanns zu bedenken, dass nicht nur das Baggergut, sondern auch Folie und Mutterboden mit Lkws herangefahren werden müssten. Auch das alternative Angebot von bremenports, Baggergut aus Bremerhavens Häfen zu verwenden - allerdings für deutlich weniger Geld -, wäre mit Transporten verbunden.

Für die Baggergut-Variante erwartet das Ressort jeweils im Sommerhalbjahr '15 bis 20 zusätzliche Lkw täglich, die alle unmittelbar über die Autobahn anfahren'. Derzeit rollten täglich 5600 Lkw über die A 27. Die zusätzliche Belastung für den Stadtteil sei daher überschaubar: 'Das geht im Hintergrundrauschen des Verkehrs unter.'

BEB-Sprecher Jürgen Holtin betonte unterdessen: 'Es ist überhaupt noch nichts entschieden.' Im Sommer, so die Hoffnung im Ressort, könnten die Vorbereitungen abgeschlossen sein und die Arbeiten zur Abdichtung anfangen. Die Beiräte würden rechtzeitig in die Beratung einbezogen, hieß es.

Schon jetzt rollen Lkw über den stillgelegten Teil der Deponie. Was sie dort abkippen ist nach Auskunft des Ressorts aber lediglich 'Profilierungsmaterial', mineralisches Material wie Bauschutt, Steine und Erde. So sollen - vor dem eigentlichen Abdichten und Wiederbegrünen - Unebenheiten in dem 1969 angelegten Müllberg aufgefüllt werden. Die Blocklanddeponie gehört nach Untersuchungen schon heute zu den artenreichsten Biotopen in Bremen.

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