Bundeskongress der Grünen Jugend in Bremen

Strikt veganes Essen und endlose Debatten

Etwa 350 Teilnehmer diskutierten in Bremen auf dem Bundeskongress der Grünen Jugend. Höhepunkt war eine offene Fragestunde mit den Bundesvorsitzenden Cem Özdemir und Simone Peter.
12.04.2015, 00:00
Lesedauer: 3 Min
Zur Merkliste
Strikt veganes Essen und endlose Debatten
Von Sabine Doll
Strikt veganes Essen und endlose Debatten

Cem Özdemir und Simone Peter stellen sich dem „Vorsitzendengrillen“.

Christina Kuhaupt

Timon Dzienus sitzt noch draußen. „Ja, wahrscheinlich werde ich gleich auch noch reingehen“, sagt der 18-Jährige. Gerade sind Cem Özdemir und Simone Peter, die beiden Bundesvorsitzenden der Grünen, an ihm vorbeigegangen. Auf dem Weg ins Plenum der Grünen Jugend, die an diesem Wochenende ihren 44. Bundeskongress in der Waldorf-Schule in Osterholz abhält.

Timon Dzienus kommt aus Delmenhorst und ist Mitglied im niedersächsischen Landesvorstand der Grünen Jugend. Die Polit-Prominenz aus Berlin sieht er eher kritisch. „Naja, man muss dem Bundesvorstand grundsätzlich einige Vorwürfe machen“, sagt er. „Die Grünen sind in mehreren Landesregierungen vertreten, aber im Bund schaffen sie es einfach nicht.“ Gerne würde er deshalb die beiden Bundesvorsitzenden mit seiner Kritik konfrontieren. Vor allem Özdemir. Er ist dem 18-Jährigen zu „wirtschaftsfreundlich“, seine Positionen zur Außenpolitik hält er für „extrem strittig“.

Drinnen im Plenum, wo sich der Großteil der knapp 300 Teilnehmer des Bundeskongresses versammelt hat, läuft inzwischen das „Vorsitzendengrillen“. Peter und Özdemir stehen auf der Bühne und werden unter anderem mit Zitaten anderer Politiker konfrontiert, sie sollen sagen, von wem sie stammen. „Ich freue mich auf ihre Anregungen und Vorschläge, denn Deutschland soll so bleiben wie es ist“ lautet eins. „Das ist auch wieder von Angela Merkel“, Özdemir liegt richtig. Timon Dzienus lacht – über die Fragen und Antworten, die da kommen. Seine kann er nicht mehr loswerden. „Man musste die vorher einreichen“, sagt er. „Schade, das nimmt die Dynamik einer solchen Veranstaltung, wenn schon mal die Bundesvorsitzenden da sind.“

Drei Tage lang, von Freitag bis Sonntag, tagt die Grüne Jugend in der Waldorf-Schule an der Graubündener Straße. In Workshops und Fachforen diskutieren sie Themen wie Massentierhaltung, Crystal Meth in den Medien, Netz- und Bildungspolitik. Die Mitglieder debattieren und beschließen Anträge, wählen den Bundesvorstand neu. Das Programm beginnt früh am Morgen, nach dem Weckruf um acht Uhr. Dann leert sich der Schlafsaal, zu dem die Schul-Turnhalle für den Bundeskongress umfunktioniert wurde. Isomatten, Schlafsäcke und Bettdecken werden zusammengerollt, nach dem Frühstück – so wie alle Mahlzeiten strikt vegan – starten die ersten Workshops und Abstimmungen. Teilweise dauern Sitzungen und Wahlen bis in die Nacht.

Debatte über Leistungsdruck

„Klar, es gibt viel zu diskutieren, vor allem über den Themenschwerpunkt des Kongresses“, sagt Bundessprecherin Theresa Kalmer. Der lautet dieses Mal „Zeitpolitik“. „Es geht darum, wie wir Arbeitszeit gestalten wollen, es geht um Leistungsdruck in Schule, Studium und Gesellschaft, der immer weniger Spielraum für anderes Engagement lässt.“ Das spüre auch die Grüne Jugend an den Mitgliederzahlen, sagt die 24-jährige Politik- und Philosophiestudentin aus Berlin. Bundesweit gibt es 8000 Mitglieder, gerade die Studenten hätten aber immer weniger Zeit für politisches Engagement. „Leistungs- und Zeitdruck sind einfach zu groß geworden, dabei ist es gerade so wichtig, dass es eine junge und unbequeme Basis gibt.“

Eine dieser Jungen ist Pippa Schneider. Die 20-Jährige studiert Mathematik in Göttingen, seit drei Jahren ist sie in der Grünen Jugend. „Anstoß für mich war, dass es viele gesellschaftliche Missstände gibt, die beseitigt werden müssen. Dafür will ich etwas tun“, sagt sie. Genau so wie Jamila Schäfer, die in Frankfurt Soziologie studiert. Politisches Engagement ist der 21-Jährigen, die für die Mitgliederzeitung der Grünen Jugend schreibt, seit ihrer Jugend ein großes Anliegen. „Auf jeden Fall will ich mich weiter einsetzen und politisch arbeiten, aber eine Partei ist für mich wahrscheinlich nicht der richtige Platz dafür“, sagt sie. „Das bedeutet immer auch, dass man sehr oft von den eigenen Positionen aus parteipolitischen Gründen abrücken und Kompromisse schließen muss, die man eigentlich nicht mittragen möchte.“ Vielmehr könnte sich die 21-Jährige vorstellen,

als nächstes in der Uni politisch aktiv zu werden.

Jetzt sichern: Wir schenken Ihnen 1 Monat WK+!
Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Das Beste mit WK+