Sicherheit am Weserstadion Tennisclub: Stadt kündigt Vertrag

Bremen. Die Stadt kündigt den Pachtvertrag mit dem Tennisclub Rot-Gelb Bremen. Das hat die Deputation für Inneres und Sport am Donnerstag beschlossen. Grund: Die Plätze des Clubs liegen direkt neben dem Weserstadion.
11.01.2013, 05:00
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Tennisclub: Stadt kündigt Vertrag
Von Matthias Lüdecke

Bremen. Die Stadt kündigt den Pachtvertrag mit dem Tennisclub Rot-Gelb Bremen. Das hat die Deputation für Inneres und Sport gestern beschlossen. Grund: Die Plätze des Clubs liegen direkt neben dem Weserstadion, und der Platz wird einem Gutachten zufolge zur sicheren Räumung des Stadions benötigt. Der Verein will sich gegen die Kündigung wehren.

In spätestens zwei Jahren ist für den Tennisclub Rot-Gelb Bremen auf seinem bisherigen Gelände Schluss. Die Deputation für Inneres und Sport hat gestern mit den Stimmen der rot-grünen Koalition einer Vorlage zugestimmt, die die zuständige Gesellschaft Immobilien Bremen zur Kündigung des Pachtvertrages auffordert. Dort, wo jetzt die fünf Plätze des Vereins liegen, soll auf der Westseite des Weserstadions künftig eine freie Fläche entstehen.

Hintergrund der Entscheidung ist ein Gutachten, das eine Bonner Rechtsanwaltskanzlei im Auftrag der Bremer Weserstadion GmbH (BWS) erstellt hatte. Darin wurden die Rettungswege untersucht und ein Räumungskonzept erstellt – mit dem Ergebnis, dass es westlich des Stadions noch Nachbesserungsbedarf gibt. Wolle man rivalisierende Fanlager trennen und zu diesem Zweck die Straße Auf dem Peterwerder sperren, brauche man 2000 Quadratmeter zusätzliche Fläche, damit es nicht zu einer gefährlich hohen Anzahl von Menschen auf kleinem Raum komme, heißt es in dem Gutachten. Die Tennisanlage bietet diese Fläche.

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Seit September 2010 wird über die Sicherheit rund um das Weserstadion verstärkt diskutiert. Damals trennte die Polizei die Fans von Werder Bremen und dem Hamburger SV durch eine sogenannte Blocksperre – das heißt, die HSV-Fans mussten in ihrem Block bleiben. Es kam zum Unglück. Eine Polizeisperre wurde durchbrochen, mehrere Fans und Polizisten stürzten eine Treppe hinunter und verletzten sich.

Das Sicherheitskonzept wurde daraufhin überprüft. So wurden zusätzliche Flächen zur Versorgung Verletzter benötigt. Lange sah es so aus, als müsste der Tennisclub zwei seiner Plätze aufgeben, könnte ansonsten aber bleiben. "Bis vor einem halben Jahr war ich überzeugt, dass wir eine Einigung mit dem Wegfall von zwei Plätzen hinbekommen", sagte Innensenator Ulrich Mäurer (SPD) gestern , "das letzte Gutachten hat diese Brücke aber zerstört."

Kurzfristig soll das Problem gelöst werden, indem Tore in den Zaun zu den Tennisplätzen eingebaut werden. Die langfristige Lösung sieht anders aus. Der unbefristete Pachtvertrag wird "aus übergeordnetem bremischen Interesse" gekündigt. Die Kündigungsfrist beträgt zwei Jahre – die Stadt ist nach dem Sportfördergesetz zudem verpflichtet, Ersatz zu schaffen. Bisherige Verhandlungen scheiterten jedoch.

Schwierige Suche nach der Lösung

Björn Fecker (Grüne) erklärte, es sei nun notwendig, nach einer gemeinsamen Lösung zu suchen und bezeichnete die Kündigung als notwendigen Schritt. Sein Fraktionskollege Mustafa Öztürk forderte, die Kosten für die Umsiedlung müssten von der BWS übernommen werden. Sükrü Senkal (SPD) sagte, die Kündigung sei eine sportpolitisch schwierige Entscheidung, allerdings der Weg, der nun beschritten werden müsse. "Wir haben ein noch viel größeres Problem, wenn etwas passiert und wir trotz des Gutachtens nichts unternommen haben", sagte er. Kritik gab es von CDU und Linken. Dass das Sicherheitskonzept umgesetzt werden muss, sei unstrittig, betonten auch die Vertreter der beiden Oppositionsfraktionen – kritisierten jedoch, dass erst der Vertrag gekündigt und dann über andere Standorte verhandelt werde.

Wilhelm Hinners, Präsident des Vereins und innenpolitischer Sprecher der CDU–Fraktion, nahm an der Sitzung gestern aus persönlichen Gründen nicht teil. Ansonsten hätte er sich seiner Stimme enthalten, betonte er. Als Vereinspräsident kritisierte er die Kündigung scharf. "Wir haben als Verein die Grundlage nicht gesetzt, das war die BWS", sagte er. Zudem hätte das Sicherheitsproblem schon bei der Bauplanung erkannt werden können. Denn dass es auf der Westseite des Stadions Schwierigkeiten gibt, bestreitet der Verein nicht. "Auch wir sehen, dass es da ein Sicherheitsproblem gibt", sagte Hinners, "wir sehen aber nicht unbedingt ein übergeordnetes bremisches Interesse". Der Verein habe sich kooperativ gezeigt und der Montage der Tore zugestimmt. Dass das nicht reichen soll, leuchte den Mitgliedern nicht ein. Der Verein werde der Kündigung daher widersprechen, kündigte Hinners an – und solange es rechtliche Möglichkeiten gebe, die Hoffnung auf ein Bleiben nicht aufgeben.

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