Wohnnebenkosten über dem Durchschnitt

Teuer Wohnen in Bremen: Steuer höher als in München

Die Wohnnebenkosten sind laut einem neuen Ranking des Bundes der Steuerzahler in Bremen überdurchschnittlich hoch. Ohne die hohe Grundsteuer würde Bremen in der Gesamtbilanz nicht so sehr auffallen.
06.02.2017, 20:53
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Teuer Wohnen in Bremen: Steuer höher als in München
Von Nico Schnurr
Teuer Wohnen in Bremen: Steuer höher als in München

Wohnen ist in Bremen teuer.

Jonas Völpel

Die Wohnnebenkosten sind laut einem neuen Ranking des Bundes der Steuerzahler in Bremen überdurchschnittlich hoch. Ohne die hohe Grundsteuer würde Bremen in der Gesamtbilanz nicht so sehr auffallen.

Wer in Bremen wohnt, der lebt nicht gerade günstig. Das liegt auch an den Wohnnebenkosten. Sie sind in Bremen überdurchschnittlich hoch. Besonders die Grundsteuer sticht im Vergleich der 16 Landeshauptstädte heraus: Hier haben die Bremer im vergangenen Jahr deutlich mehr bezahlt als Münchner oder Hamburger. Das geht aus einem neuen Ranking des Bundes der Steuerzahler hervor.

Für das vergangene Jahr vergleicht die Studie die Wohnnebenkosten der 16 Landeshauptstädte nach insgesamt neun verschiedenen Faktoren: Neben Wasserentgelten, Schmutzwasser-, Niederschlagswasser-, Abfall- und Straßenreinigungsgebühren und Gebühren für den Winterdienst zieht die Studie auch die Kosten für einen Anwohnerparkausweis, den Rundfunkbeitrag sowie die Grundsteuer als Bemessungsgrundlage heran.

Geprüft wurden die Wohnnebenkosten in den Landeshauptstädten anhand eines Berechnungsmodells für einen Drei-Personen-Haushalt in einem zweigeschossigen Einfamilienhaus mit Gasheizung in innenstädtischer Lage.

"Die Grundsteuer schlägt in Bremen wirklich zu Buche."

Im vergangenen Jahr hat ein solcher Haushalt in Bremen laut Ranking 1983,18 Euro an Wohnnebenkosten zahlen müssen. Das sind rund 340 Euro mehr, als Münchens Bürger unter den gleichen Voraussetzungen zahlten. Auch in Hamburg waren die Kosten bei gleichen Bedingungen knapp 300 Euro geringer. In Bremen lagen die Gesamtkosten für das Jahr 2016 rund 70 Euro über dem Durchschnitt der Landeshauptstädte.

„In der Gesamtbilanz würde Bremen gar nicht wahnsinnig auffallen, wäre da nicht die Grundsteuer“, sagt Julius Schulze-Borges, Steuerreferent vom Bund der Steuerzahler Bremen und Niedersachsen. „Die Grundsteuer schlägt in Bremen wirklich zu Buche, sie ist der entscheidende Faktor.“

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695 Euro musste ein Bremer Haushalt unter den Annahmen der Studie im vergangenen Jahr an Grundsteuer abgeben. Damit hat ein solcher Drei-Personen-Haushalt in Bremen zuletzt über 250 Euro mehr an Grundsteuer pro Jahr als in Düsseldorf zahlen müssen. Auch ein Hamburger Haushalt hat unter den gleichen Gegebenheiten knapp 200 Euro weniger entrichtet. Nur Berlin hat laut Ranking eine höhere Grundsteuer von seinen Bürgern als Bremen verlangt.

Absolut erschreckend

„Das ist ganz typisch für die Stadtstaaten und ihre klammen Kassen“, sagt Schulze-Borges. Die Grundsteuer sei „eine konstante und deshalb besonders angenehme und dankbare Einnahmequelle für ein Haushaltsnotlageland wie Bremen“, so der Steuerreferent.

„Es ist krass und absolut erschreckend, dass gerade Bremen als vermeintlich sozial orientierte Stadt deutlich mehr Grundsteuer kassiert als Städte wie München oder Hamburg“, sagt Ingmar Vergau von der Eigentümer-Solidargemeinschaft Haus und Grund in Bremen. Auch Annabel Oelmann, Vorstand der Verbraucherzentrale Bremen, kritisiert die Höhe der Grundsteuer-Abgaben.

Schließlich belasteten die Wohnnebenkosten und insbesondere die Grundsteuer „alle Verbraucherinnen und Verbraucher in Bremen – egal, ob Eigentümer oder Mieter“. Aufgrund der Wohnungsknappheit in Bremen sei die Grundsteuer „besonders problematisch“, glaubt Steuerreferent Schulze-Borges. Die Grundsteuer erhöhe die Kosten des Wohnens für alle Bremer, treffe aber vor allem die Mieter.

Bremer Mieter leidet

„Die Grundsteuer ist eine Umlagesteuer, deswegen leiden am Ende ganz besonders die Bremer Mieter“, erklärt Schulze-Borges. „Bremens Immobilienmogule trifft eine hohe Grundsteuer wenig bis gar nicht.“ Ingmar Vergau von Haus und Grund Bremen sieht das etwas anders. Betroffen von der laut Studie zweithöchsten Grundsteuer aller Landeshauptstädte seien „vor allem alle Bremer Eigentümer, die ihren Wohnraum selbst nutzen, aber auch die Mieter, auf die letztlich die Kosten umgelegt werden“.

Für Annabel Oelmann von der Verbraucherzentrale ist es deshalb „an der Zeit, über Deckelungen nachzudenken, auch um einer Stadtflucht entgegenzuwirken“. Schließlich fehle den Bremern das Geld aufgrund der überdurchschnittlich hohen Wohnnebenkosten in anderen Bereichen, etwa der Kaufkraft oder der privaten Altersvorsorge.

Auch Steuerreferent Schulze-Borges appelliert an das Bremer Finanzressort, dessen Sprecherin am späten Montagnachmittag nicht mehr für eine Stellungnahme zu erreichen war: „Soll Wohnen in Bremen im Vergleich zu anderen Landeshauptstädten attraktiv bleiben, muss die Grundsteuer gesenkt werden.“

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