Umfrage

Junge Menschen verlieren das Vertrauen in die Politik

Eine Umfrage der Generationen Stiftung zeigt, dass sich viele junge Erwachsene nicht von der Bundesregierung repräsentiert fühlen und sich mehr Gehör wünschen. Befragt wurden Menschen zwischen 16 und 26 Jahren.
25.09.2021, 05:00
Lesedauer: 3 Min
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Junge Menschen verlieren das Vertrauen in die Politik
Von Antonia Blome

Ob Klimaschutz, Gleichberechtigung oder Toleranz – junge Erwachsene sind heute so engagiert wie lange nicht mehr. Doch das Vertrauen dieser Generation in die Politik ist erschüttert. Dies zeigt eine repräsentative Umfrage der Generationen Stiftung anlässlich der bevorstehenden Bundestagswahl. An der Umfrage, die gemeinsam mit dem Marktforschungsinstitut Respondi entstanden ist, nahmen 1500 Menschen zwischen 16 und 26 Jahren teil. Die Mehrheit junger Menschen ist laut der Umfrageergebnisse mit der derzeitigen Politik unzufrieden.

Trotz zahlreicher Demonstrationen von Fridays for Future oder Aktionen wie dem Hitzealarm des Jugendrats für Klimaschutz und Generationengerechtigkeit fühlt sich diese Altersgruppe übergangen. 83,4 Prozent sagen, dass die derzeitige Regierung die Interessen junger Menschen in den letzten Jahren ignoriert hat. Bei über 70 Prozent der Befragten hat das Vertrauen in die Politik in den letzten vier Jahren stark gelitten.

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Auch die bevorstehende Bundestagswahl macht jungen Erwachsenen wenig Hoffnung – mehr als die Hälfte fühlt sich von keiner der zur Wahl stehenden Parteien vertreten. "Politik wird in Deutschland vor allem für die Generation 50 plus gemacht, ohne Rücksicht auf die Folgen für kommende Generationen", sagt etwa die 19-jährige Lena Kah vom Jugendrat der Generationen Stiftung. "Das muss sich dringend ändern, sonst verlieren die Parteien endgültig das Vertrauen der Jugend."

Laut der Umfrage haben 70 Prozent der jungen Menschen große Angst beim Gedanken an ihre Zukunft in 50 Jahren. "Wenn man sich die aktuellen Wahlprogramme anschaut, dann sieht es für meine Generation düster aus, denn Generationengerechtigkeit ist hier wieder kein Thema", fügt die 18-jährige Paula Albrecht, ebenfalls Mitglied des Jugendrats, hinzu. "Wie kann es sein, dass unsere Interessen einfach weiter ignoriert werden, obwohl sogar die Wissenschaft bei Punkten wie Klimaschutz und Rente auf unserer Seite steht?"

Pandemie zeigt politische Defizite

Ein ähnliches Bild zeichnen die Ergebnisse der zwei Online-Befragungen "Jugend und Corona", die von den Universitäten Hildesheim und Frankfurt am Main durchgeführt worden sind. Wie sieht das Leben von jungen Menschen in der Corona-Pandemie aus? Wie geht es ihnen und was macht ihnen Sorgen? Im April und Mai sowie im November 2020 haben junge Menschen zwischen 15 und 30 Jahren diese Fragen beantwortet.

In Kooperation mit der Bertelsmann Stiftung in Gütersloh wurden die Ergebnisse vertiefend ausgewertet. 65 Prozent der Befragten gaben während des zweiten Lockdowns im November 2020 an, dass ihre Sorgen eher nicht oder gar nicht gehört werden. "Die Pandemie zeigt wie unter einem Brennglas die schon länger bestehenden Defizite in der Kinder- und Jugendpolitik", sagt Jörg Dräger, Vorstand der Stiftung. "Es ist jetzt dringend nötig, die Sorgen der Jugendlichen ernst zu nehmen und zu adressieren."

In die Politik setzen die Befragten nur wenig Hoffnung auf Besserung: 58 Prozent sind der Meinung, dass die Situation der Jugendlichen den Politikern nicht wichtig sei. Mit 57,5 Prozent gehen fast genauso viele gar nicht erst davon aus, dass junge Menschen ihre Ideen in die Politik einbringen können. "Die negativen Auswirkungen der Pandemie auf ihre Lebensumstände zeigen, dass junge Menschen Möglichkeiten für eine breite und kontinuierliche Beteiligung in allen sie betreffenden Bereichen brauchen", betont Tanja Rusack von der Universität Hildesheim.

Zur Sache

Über die Generationen Stiftung

Die 2017 von Claudia Langer gegründete Stiftung soll als überparteiliche Interessenvertretung der jungen und kommenden Generationen fungieren. Ihr Ziel ist die Umsetzung von Generationengerechtigkeit in Politik, Wirtschaft und Gesellschaft. Dabei kooperieren junge Erwachsene mit älteren Expertinnen und Experten. Der Jugendrat der Generationen Stiftung ist eine Plattform für junge Aktivistinnen und Aktivisten sowie politische Talente aus ganz Deutschland. Gemeinsam starten sie Kampagnen und setzen sich für die Themen der jungen Generation ein.

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