Diskussion im illegalen Baumbeschnitt

Umweltbetrieb kommt bei der Grünpflege nicht nach

Nach dem radikalen Baumschnitt durch Private richtet sich der Blick auf die Nöte des Umweltbetriebs Bremen.
02.04.2015, 00:00
Lesedauer: 2 Min
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Umweltbetrieb kommt bei der Grünpflege nicht nach
Von Jürgen Hinrichs

Baumpflege? Warum nicht besser gleich fällen, so wenig wie von dem Ahorn am Menkenkamp übrig geblieben ist. Ein krasses Beispiel, wenn Bürger selbst zur Säge greifen, statt es den Fachleuten vom Umweltbetrieb zu überlassen.

Am Dienstag hatte der WESER-KURIER über illegalen Baumschnitt berichtet, erzählt an einem Fall aus Findorff. Das Kettensägenmassaker an dem Ahorn und elf weiteren Bäumen geschah in Oslebshausen. Der Umweltbetrieb hat auch in diesem Fall die Polizei eingeschaltet. Doch wer ist das eigentlich, der die Bäume stutzt und in manchen Fällen fast vernichtet? Sind es Gärtner, die von den Anwohnern bezahlt werden, wie in Findorff behauptet wird? Und warum verstehen diese Leute ihr Handwerk nicht?

"Gärtner kann sich jeder nennen"

„Gärtner kann sich jeder nennen, man braucht nur einen Gewerbeschein“, sagt Hartmut Clemen, Fachberater beim Landesverband der Gartenfreunde. Den Kunden sei das oft nicht bewusst. Und so komme bei der Grünpflege von Fall zu Fall eben Murks raus.

Einer der Gründe, weswegen die Bürger selbst zur Tat schreiten oder einen Gärtner beauftragen, sind die mangelnden Kapazitäten beim Umweltbetrieb. Die städtische Gesellschaft räumt selbst ein, sich nicht mehr in altem Umfang um die Grünpflege kümmern zu können. Auch Clemen bestätigt das: „Beim Gemeinschaftsgrün in unseren Kleingartengebieten wird das langsam dramatisch. Ich könnte zig Beispiele nennen, wo dringend etwas getan werden müsste.“

Zuständig sei der Umweltbetrieb, aber der komme mit der Pflege einfach nicht nach. Die Kleingärtner würden daraufhin vieles selbst übernehmen – „natürlich nur in enger Ansprache mit dem Umweltbetrieb“, betont der Landesfachberater. Wenn es aber um große Bäume gehe, stoße die Selbsthilfe an ihre Grenzen. „Viele unserer Mitglieder sind über 60, die steigen da nicht mehr hoch.“

Elf-Punkte-Programm

„Die erforderliche finanzielle wie personelle Mindestausstattung für öffentliches Grün wird inzwischen unterschritten“, formuliert es das Bündnis „Grünes Bremen“ in einem Elf-Punkte-Programm zur Bürgerschaftswahl im Mai. Zu dem Zusammenschluss gehören unter anderem die Architektenkammer, der Bund deutscher Landschaftsarchitekten und die Naturschutzorganisation BUND, aber auch Einzelpersonen wie der Bürgerparkdirektor oder der wissenschaftliche Leiter des Rhododendronparks. Bei knappen Haushaltsmitteln komme es darauf an, überregionale Fördertöpfe anzuzapfen und auch sonst neue Finanzierungswege zu finden, zum Beispiel durch zweckgebundene Abgaben, heißt es in dem Papier. „Die Stadt allein kann das nicht mehr stemmen“, sagt Initiativen-Sprecher Ulf Jacob.

Unterdessen ist die Baumschnittaktion in Findorff auch im Stadtteil selbst auf Kritik gestoßen. „Das waren eigenmächtige, nicht genehmigte Baumschnitte, die für Ärger mit dem Umweltbetrieb sorgen“, kommentiert die Bürgerinitiative „Leben in Findorff“. Gleichzeitig fordert die Initiative von der Stadt, Anwohner, die privat für Grünanlagen aktiv werden wollen, besser zu unterstützen. Bei Baumpatenschaften zum Beispiel solle man sich die Kosten teilen.

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