Filmemacher Matthias Sabelhaus liebt Abenteuer Und Action!

Rucksack-Produzent – was für einige Vertreter der Branche eine Herabstufung ist, ist für Filmemacher Matthias Sabelhaus zu einer Lebensphilosophie geworden. In einer Tasche bekommt er alles unter, was er für die Produktion eines Kurzfilmes braucht.
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Von Kristin Hermann

Rucksack-Produzent – was einige Vertreter der Branche als Herabstufung empfinden, ist für Matthias Sabelhaus zu einer Art Lebensphilosophie geworden. In einer Tasche bekommt der Filmemacher aus Bremen-Nord alles unter, was er für die Produktion eines Werbespots oder eines Kurzfilmes braucht – und das findet er auch gut so.

Ein richtiges Büro kommt für Matthias Sabelhaus nicht infrage. „Immer dieses ständige ,Guten Morgen‘. Dafür bin ich einfach nicht geschaffen“, sagt er. Der Filmemacher aus Bremen-Nord bevorzugt seine eigenen vier Wände, um seine Clips zu bearbeiten und manchmal auch zu drehen. Da kann er frei von einem Raum in den anderen wechseln und ist an keinen Schreibtisch gefesselt. „Ich schneide eben gerne auch mal auf der Caoch oder im Bett“, sagt er.

Der 41-jährige Nordbremer bezeichnet sich selbst gerne als Rucksack-Produzent. „Das sehen einige Leute in der Branche zwar als Beschimpfung an, aber ich finde es sehr treffend und fühle mich dadurch überhaupt nicht angegriffen“, erklärt Sabelhaus. Wenn sich der Filmemacher auf den Weg zu einem seiner Auftraggeber macht, passt sein Equipment meistens in eine einzige Tasche. „Man ist dadurch viel mobiler geworden“, sagt er. „Jetzt kann ich Sachen auch schon von unterwegs aus im Zug oder Hotelzimmer schneiden.“

Seit einiger Zeit läuft es für den 41-Jährigen beruflich richtig gut. Im Schnitt produziert Sabelhaus derzeit zwei Filme in der Woche. Unter seinen Arbeitgebern tummeln sich viele bekannte Marken: So hat Sabelhaus beispielsweise einen Spot für die Möbelreinigungsfirma Poliboy produziert, der jedes Jahr im Vorabendprogramm der ARD und ZDF ausgestrahlt wird. Auch Daimler, Tchibo und andere renommierte Betriebe beauftragen Sabelhaus mittlerweile.

Viele seiner Aufträge kommen aus Bremen und der Region, für andere ist er in der ganzen Welt unterwegs. „Wichtig ist, dass man sich relativ schnell ein großes Netzwerk aufbaut. Mir bringt es nichts, wenn ich in den Gelben Seiten stehe.“ In seiner Branche gehe alles über persönliche Empfehlungen. „Gerade in so einer kleinen Stadt wie Bremen ist das wichtig.“

Dass es einmal so gut für ihn laufen würde, war Sabelhaus lange selbst nicht klar. Eigentlich wollte er ursprünglich immer Drehbuchautor werden. Dafür hat der Produzent vor Jahren Bremen verlassen, um in Berlin seine Ideen und Skripte den ansässigen Fernsehsendern zu präsentieren. Fast wäre ihm dieser Schritt auch gelungen. „Eine Produktionsfirma wollte mein Drehbuch verfilmen – doch dann meldete die Kirch-Gruppe Insolvenz an, und immer weniger Fernsehsender setzten auf Filme“, sagt Sabelhaus. Stattdessen seien Shows wie Big Brother produziert worden, die weniger kosteten.

Für Sabelhaus war es zunächst ein herber Rückschlag, als ihm sein damaliger Agent riet, sich anderweitig zu orientieren. Doch wie es der Zufall wollte, erhielt er daraufhin die Anfrage, mit Jugendlichen einen Film für die katholische Kirche zu drehen. Dabei hat Sabelhaus nach eigenen Angaben gemerkt, wie viel Freude ihm diese Arbeit bereitet. „Parallel kam dann das Angebot aus meiner Heimat Bremen-Nord.“ In der Folgezeit hat der 41-Jährige mehrere Stücke für das Stadttheater Vegesack inszeniert. „Mich hat es immer schon gereizt, selbst zu produzieren“, erzählt er.

Im Vergleich zu anderen Städten wird man als Medienschaffender in Bremen nicht sofort in eine Schublade gesteckt, sagt Sabelhaus. Zwar haben die meisten seiner Aufträge einen Bremen-Bezug, doch die Bandbreite fasziniert den Produzenten nach wie vor: „Ich bin an extrem schrägen Orten: auf dem Schiff, im Cockpit eines Flugpiloten oder mit Rennfahrern auf der Straße. Das gibt mir das Gefühl, ein Abenteurer zu sein.“

Die Freude an der Arbeit merkt man Sabelhaus an, wenn man ihn in seiner Wohnung besucht. Statt viel zu erklären, lässt er lieber Bilder sprechen und zeigt ein Video nach dem anderen. „Filmemacher sind die einzigen in der Kreativszene, die mit allen anderen in der Kreativbranche zu tun haben. Das begeistert mich“, sagt er.

Als Filmemacher muss man Generalist sein und möglichst viel selber beherrschen, meint Sabelhaus. Sonst kann es passieren, dass einem die Aufträge ausgehen. „2010 war ein ziemlich schlechtes Jahr für unsere Branche“, sagt er. Sabelhaus hatte Glück, dass er in dieser Zeit ein relativ sicheres Jobangebot von einer Hamburger Produktionsfirma bekam. „Ich hab das ganz Jahr 186 Hotelclips gefilmt“, sagt er. Dieser Auftrag hat ihn unter anderem nach Süddeutschland, London und Italien geführt. Ausschließlich von solch kurzen Spots leben, könne man aber nicht. „Das große Geld macht man eher mit Industriefilmen für die großen Firmen“, sagt Sabelhaus.

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