Gastbeitrag über Organspenden Unterstützung für Krankenhäuser ist vordringlich

Der einstige Direktor der Urologischen Klinik in Bremen-Mitte findet, die Debatte über Organspende geht in die falsche Richtung. Eine Widerspruchsregel verunsichere eher, schreibt Professor Kurt Dreikorn.
17.06.2019, 06:36
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Von Kurt Dreikorn

Hauptursache des Organmangels bei Transplantationen ist nicht eine zu geringe Bereitschaft für die Organspende. Umfragen haben gezeigt, dass über 80 Prozent einer Organspende nach dem Tode positiv gegenüberstehen, auch wenn „nur" 36 Prozent einen Organspenderausweis besitzen. Brauchen wir deshalb eine Widerspruchsregelung, mit der jeder Verstorbene zunächst als Organspender gilt?

Schon 1987, mehr als ein Jahr vor Beginn des Bremer Nierentransplantationsprogrammes, etablierten wir in der urologischen Klinik im Klinikum Bremen Mitte in Zusammenarbeit mit den Krankenhäusern Bremens – unterstützt durch die Gesundheitsbehörde, die Deutsche Stiftung Organtransplantation und die Krankenkassen – ein Programm für die Organspende von Verstorbenen. In den Jahren 2000 bis 2007 lag hiermit die jährliche Zahl an Organspendern zwischen 32 und 38 pro einer Million Einwohner, bundesweit waren es nur 13 bis 16 Spender auf eine Million Einwohner.

Die Gründe waren eine intensive Öffentlichkeitsarbeit, unterstützt von den Bremer Medien sowie Info-Veranstaltungen für Ärzte, Pflegekräfte und Schulen. Bereits 1993 haben die Gesundheitssenatorin und der Senator für Inneres Bürger bei der Ausgabe und Verlängerung von Personalausweisen auf die Bedeutung der Organspende hingewiesen. Noch wichtiger für die Organspende war die von der urologischen Klinik angebotene Unterstützung für die Krankenhäuser, die sich im Rahmen der Organspende engagierten.

Mit der Einrichtung eines weiteren Bereitschaftsdienstes in der urologischen Klinik wurden Krankenhäuser bei den personalintensiven Maßnahmen zur Organentnahme entlastet. Durch zusätzliche Verfügbarkeit von Operationspersonal und eines Transplantationskoordinators konnte vermieden werden, dass nach nächtlichen Organentnahmen am Folgetag geplante Operationen wegen der Arbeitszeitregelung ausfallen mussten.

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Die bestehende „Pflicht der Krankenhäuser zur Identifizierung und Meldung jedes möglichen Organspenders“ kann aktuell nicht erfüllt werden. Ursachen sind Personalmangel und unzureichende Kostenerstattung. Dringend ist deshalb die Umsetzung des am 1. April in Kraft getretenen Gesetzes zur Verbesserung der Struktur und Rahmenbedingungen bei der Organspende mit kostendeckender Leistungsvergütung. Mehr Aufklärung, Vertrauen in der Bevölkerung schaffen und Unterstützung für Krankenhäuser: Das ist vordringlich und sinnvoller als die Bevölkerung mit Diskussionen über weitergehende Regelungen der bereits vorhandenen Bereitschaft zu Organspende zu verunsichern.

Info

Zur Person

Unser Gastautor Kurt Dreikorn ist Urologe und Professor. Er war mehr als 20 Jahre, bis Ende 2007, Direktor der Urologischen Klinik in Bremen-Mitte. Er nahm 1988 die erste Nierentransplantation in Bremen vor.

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