Die Entscheidung im Live-Ticker US-Wahl an der Jacobs University Bremen

Bremen. In der Nacht zu Mittwoch hat es sich entschieden: Barack Obama bleibt US-Präsident. Mitgefiebert haben in Bremen auch Studenten der Jacobs-University. Wir sind live dabei gewesen.
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Bremen. Bremen. In der Nacht zu Mittwoch hat es sich entschieden: Barack Obama bleibt US-Präsident. Mitgefiebert haben in Bremen auch Studenten der Jacobs-University. Paul Hellmich war ab Mitternacht live dabei und hat für WESER-KURIER Online von einer Wahlparty an der Jacobs-University berichtet.

6.00 Uhr. Die Wahl ist gelaufen, auch die letzten gehen ins Bett. Trevor, der Student mit dem braunen Sakko, der eingangs das Referat gehalten hatte, sieht sich bestätigt. Obama hat gewonnen, Romney wird wohl etwas mehr Stimmen aus der Bevölkerung bekommen haben. Aber Trevor mag keinen der Kandidaten so richtig. Er hat für die Grünen gestimmt. Warum aber für so ein Ergebnis so lange wachbleiben? "Spaß", sagt Trevor nach kurzem Überlegen und fügt dann hinzu "Vielleicht weniger der Spaß an der Übertragung selbst, als der Spaß, das mit Freunden zusammen zu gucken."

5.25 Uhr: Mit 275 Wahlmännern bleibt Obama sicher Präsident. Die BBC zeigt jubelnde Demokraten rechts und betrübte Republikaner links.

5.13 Uhr: Die CNN-Website lädt nicht mehr. "Bestimmt ein Staatsstreich". Stattdessen wird der Fernseher angeschaltet - nach einigen Diskussionen ("Al-Jazeera!" "Bloomberg News!") wird schließlich wieder die BBC angeschaltet. Erst nach Stunden CNN-Dramatik fällt auf, wie nüchtern und ruhig hier geredet wird. Obama führt mit 244 zu 203 Wahlmännerstimmen.

4.56 Uhr: Die Party ist vorbei. Nach kurzem Googeln sind alle überzeugt, dass Ohio in der Tat durch ist, Florida ebenso. Ein Nicht-Amerikaner wundert sich, warum alles entschieden sein soll, obwohl noch längst nicht alle Stimen ausgezählt sind. "In den Staaten, die übrig bleiben ist schon klar, wer gewinnt", erklärt ihm Tyler knapp. Dann leert sich der Raum erstaunlich schnell.Im Nebenraum haben sich neun Hartgesottene um einen Laptop versammelt.

4.35 Uhr: "Ohio ist anscheinend durch", sagt jemand. Das würde die Wahl entscheiden - bis jetzt war diese Information allerdings noch nicht auf CNN zu sehen.

4.30 Uhr: Der Raum hat sich deutlich geleert. Zehn Menschen sind noch da. Die Unterbrechung war wohl ein wilkommener Grund für viele, sich ins Bett zu legen. Ein Laptop und das passende Verbindungskabel lösen das Problem schließlich. Romney liegt mit 158 Stimmen vor Obamas 147 Stimmen.

4.20 Uhr: Ian trägt einen Anstecker von Gary Johnson, dem (aussichtlosen) Kandidaten der Libertären Partei. Er und Melvin sind nach eigener Auskunft die einzigen amerikanischen Libertären an der Jacobs University. Melvin stammt aus Maryland und hat ein ähnliches Problem wie Bradley aus Georgia sein Staat ist fest in der Hand der gegnerischen Partei. Er hat allerdings gewählt und den Namen von Ron Paul in den Wahlzettel eingetragen. In einem Swing-State hätte er für die Republikaner gestimmt. Das geringere von zwei Übeln. Die größte Hoffnung von Bradley und Ian für diese Wahl ist, dass die Libertären genug Strimmen sammeln um künftig finanzielle Unterstützung zu erhalten. Aber davon erfährt man auf CNN nichts. "CNN ist so links", sagt Ian.

4.12 Uhr: Im Angesicht der Übertragungs-Krise: "Schließ deinen Laptop an! Wir können darauf gucken!" "Nein." "Warum nicht?" "Ich mache Hausaufgaben."

4.05 Uhr: Die Übertragung fällt aus. Reaktionen: "Was passiert?" "Irgendjemand muss etwas tun!". "Das bedeutet, dass die Sozialisten gewinnen." "Ich habe Hunger."


3.45 Uhr: Bradley stammt aus Georgia - ein durch und durch republikanischer Staat. Aussichtslos für Obama-Unterstützer. Obwohl er sich sehr für die Wahl interessiert - Bradley war einer der Studenten, die zu Beginn der Party das US-Wahlsystem erläutert hatten - hat er dieses Jahr nicht gewählt. Die minimalen Erfolgsaussichten hätten den Aufwand für die Briefwahl nicht gerechtfertigt. Für Quinn hat sich dagegen die Briefwahl gelohnt: der Swing-State Pennsylvania geht an Obama.

3.30 Uhr: Stilleben auf einer niedrigen Bank unter der Videoleinwand: Kronkorken, Teelichter, jeweils eine volle Flasche Cola und Sekt. Und eine Rolle Toilettenpapier. Für eventuelle Tränen oder doch nur für die Getränkepfütze in die ich mich gerade aus Versehen gesetzt habe? Mittlerweile ist klar, dass die Mehrheit im Repräsentantenhaus wieder an die Republikaner geht. Besonderen Protest hat das nicht ausgelöst.

3.15 Uhr: "Florida"-Rufe. Gleichstand zwischen Obama und Romney im Sunshine-State. Die erste Zuschauerin ist kurz vorm Aufgeben, hat sich ihre Kapuze tief ins Gesicht gezogen und auf den Sitzkissen am Boden ausgestreckt. Nach kurzem Herumwälzen lässt sie sich aber doch den Zimmerschlüssel geben.

3:03 Uhr: In vielen Staaten sind die Wahllokale jetzt geschlossen. CNN hat das mit dramatischer Musik angekündigt - Mit Erfolg: Die Studenten gucken plötzlich deutlich konzentrierter. 8mal Romney - in den Dakotas, Louisiana, Texas. New York, New Jersey und Michigan gehen dafür an Obama. Romney führt derzeit mit 152 Stimmen.

2.40 Uhr: Arkansas und Tennessee gehen an Romney. Keine Überraschung. Die Zuschauer quittieren das mit gespielter Empörung. In Florida führt dagegen Obama ... noch sind aber längst nicht alle Stimmen gezählt. Auf Twitter bittet Obamas Wahlkampfteam seine Anhänger, in der Schlange stehen zu bleiben, auch wenn das Wahllokal offiziell schon geschlossen ist. Solange man bei Torschluss schon in der Schlange stand, darf noch gewählt werden.

2.30 Uhr: Noch ist der Raum gut besetzt. Das Essen ist allerdings längst aufgegessen und die Zuschauer hängen in den Sitzen. Einige tragen schon Schlafanzughosen und Hausschuhe.

2.23 Uhr: Indiana ist in diesem Jahr an die Republikaner gegangen. Immerhin hat der Demokratische Senatskandidat gewonnen. Das wird beklatscht Sein Kontrahent Richard Mourdock hatte mit der Äußerung, dass Schewangerschaften auch nach Vergewaltigungen gottgewollt seien für Empörung gesorgt.

2:00 Uhr: Neue Hochrechnungen gehen ein: Fast alle Staaten gehen an Obama. Die Studenten beklatschen jeden von ihnen. Obama hat damit 64 Stimmen.

1:54 Uhr: Quinn ist ein Austauschstudent und seit August in Bremen. 2008 war noch ein paar Monate zu jung um wählen zu dürfen. Er stammt aus New Jersey, studiert aber in Pennsylvania. Dadurch konnte er sich aussuchen, in welchem Staat er seine Stimme abgeben wollte. Weil es für Obamain Pennsylvania am knappesten aussah hat er sich für dort eintragen lassen. Er hat per Briefwahl gewählt. "Ein bisschen ist dadurch das Aufregende verloren gegangen," sagt er. Einen Computerausdruck ausfüllen ist nicht das gleiche, wie den Hebel einer Wahlmaschine zu ziehen. Auf CNN läuft währenddessen Werbung.

1:35 Uhr: Tyler kommt aus Syracuse im Staat New York. Er hat per Briefwahl für Obama gestimmt. Wahrscheinlich wird Romney die Mehrzahl der Stimmen holen - die "Popular Vote" sagt er. Egal, solange Obama am Ende die meisten Wahlmänner hat.

1:19 Uhr: Amerikanische Wahlübertragungen sind kleinteilig. Auf der US-Karte werden die Wahlergebnisse einzelnen Counties eingetragen. Nicht alle im Vorführraum sind richtig bei der Sache.. Schließlich kann sich noch alles ändern. Romney führt acht zu drei in Wahlmännern. 270 bräuchte er um Präsident zu werden.

1:06 Uhr: Die Schätzungen für Virginia und Indianawerden gezeigt. Unentschieden in Virginia, eine Führung für Romney in Indiana. Nicht das, worauf Jessamyn gehofft hat. "Guckt euch an, wie Romney auf dem Foto grinst", sagt jemand im hinteren Teil des Raumes.

0:50 Uhr: Die amerikanischen Studenten haben sich durchgesetzt: Es wird doch auf CNN umgeschaltet. Allerdings ist der Ton deutlich schneller als das Bild. Das ganze wirkt wie eine schlecht synchronisierte Verkaufssendung. Mit interaktiven Karten der USA und einem Moderator mit dem großartigen Namen Wolf Blitzer.

0:43 Uhr: Der Wetterbericht wird weggeschaltet. Stattdessen gibt es eine kurze Präsentation über das Wahlsystem, Bundesstaaten und die Wahlergebnisse, die dort zu erwarten sind. Obwohl Obama in den Umfragen einen Vorsprung hat, kann es noch Überraschungen geben,erklärt ein Student in einem braunen Sakko. "Wenn ihr Romney-Fans seid, verzweiflt nicht. Wenn ihr wie ich seid und keinen der Kandidaten mögt: VERZWEIFELT!"


0:30 Uhr: Jessamyn stammt aus Indiana und studiert seit drei Jahrten in Bremen. Es ist ihre erste Präsidentschaftswahl. Den Wahlzettel hat sie vorgestern abgeschickt. Aus dem Ausland zu wählen ist seltsam, erzählt sie. Während man in den USA den Kampagnen der Bewerber um die Sitze im Senat und Repräsentantenhaus nicht entkommen könne, müsse man von hier aus alles selbst recherchieren. Am Mittwoch beginnen ihre Kurse um 8.15 Uhr - aber die Ergebnisse aus ihrem Heimatstaat will sie noch mitbekommen. Sie hat für Obama gestimmt und hofft, dass Indiana auch in diesem Jahr wieder für ihn stimmt.

0.15 Uhr: Der Raum wird immer voller, die Sofas sind mittlerweile besetzt.Hot Dogs und Pizza werden verteilt, Flaggen, Plakate und ein USA-Schal aufgehängt. Auf der Videoleinwand läuft allerdings nicht CNN, MSNBC oder gar FOX News. Stattdessen gibt es das Wahlprogramm der BBC. Die Organisatoren hoffen, dass die Feinheiten des Wahlsystems dort besser erklärt werden - und vielleicht auch, dass es nicht ganz so parteiisch zugeht wie auf den Kabelnachrichtenkanälen.

0.01 Uhr: Auf den Sofas im Media Room des "College 3" sitzen etwa 15 Studenten - viele von ihnen Amerikaner. Zumindesteinige von ihnen wollen die Nacht wachbleiben. Vielleicht mit ein bisschen Schlaf zwischendurch, sagt eine Studentin. Oder zumindest bis die Entscheidung in den Swing-Staaten gefallen ist, sagt eine andere.

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