Einsatzmöglichkeiten für Mitarbeiter gesucht Verdi will Logistik-Jobs beim GHB retten

Verdi und der Gesamthafenbetriebsverein (GHB) sind sich einig: Zukunftsfähig sei der GHB nur, wenn er sich auf den Bereich Hafenwirtschaft konzentriert. Trotzdem will Verdi Logistik-Jobs retten.
24.05.2016, 20:43
Lesedauer: 3 Min
Zur Merkliste
Verdi will Logistik-Jobs beim GHB retten
Von Peter Hanuschke

Verdi und der Gesamthafenbetriebsverein (GHB) sind sich einig: Zukunftsfähig sei der GHB nur, wenn er sich auf den Bereich Hafenwirtschaft konzentriert. Trotzdem will Verdi Logistik-Jobs retten.

Beim Gesamthafenbetriebsverein (GHB) sollen die Weichen neu gestellt werden: GHB-Geschäftsführer Bernt Kamin-Seggewies hatte vor wenigen Tagen angekündigt, sich nur noch auf das Kerngeschäft Hafenwirtschaft konzentrieren zu wollen. Im Bereich Distribution könne man mit anderen privaten Personaldienstleistern nicht mehr mithalten – in erster Linie, weil der Kunde deren Personal wesentlich flexibler einsetzen könne.

Lesen Sie auch

Das Unternehmen zukunftsfähig zu machen, sei auch im Interesse der Gewerkschaft Verdi. Nur dürfe das nicht allein auf dem Rücken der Mitarbeiter ausgetragen werden, stellte am Dienstag Vera Visser, Gewerkschaftssekretärin von Verdi klar. Die Gewerkschaft hat deshalb für Freitag, 27. Mai, ab 11.30 Uhr zu einer Demonstration vor dem GHB-Gebäude in der Überseestadt aufgerufen.

Jobs von 450 GHB-Leiharbeitern bedroht

Dann findet die Sitzung des GHB-Beirats statt, bei der die Arbeitgeberseite über die aktuelle Situation beim GHB Bremen und ihre Lösungsstrategien beraten und beschließen will. Zur aktuellen Situation gehört auch die Tatsache, dass die Bremer BLG Logistics Group vor wenigen Tagen angekündigt hat, künftig auf die Zusammenarbeit mit dem GHB im Bereich Distribution verzichten zu wollen.

Betroffen wären davon etwa 450 Mitarbeiter, die derzeit auf Leihbasis für die BLG-Kunden Tchibo im Hochregallager und bei Mercedes eingesetzt werden – also der größte Teil von GHB-Mitarbeitern im Bereich Distribution. Außerdem soll künftig im Bereich Verwaltung beim GHB nur noch die Hälfte von bisher 90 Mitarbeitern beschäftigt werden. Insgesamt hat der GHB in Bremen 700 Mitarbeiter – davon 130, die als Hafenarbeiter tätig sind.

Verdi ist Träger des GHB

Für Verdi hat der GHB in doppelter Hinsicht eine besondere Bedeutung: Zum einen sind dort zahlreiche Mitarbeiter in der Gewerkschaft organisiert und zum anderen ist Verdi neben verschiedenen Unternehmen der Hafen- und Logistikwirtschaft auch Träger des GHB – eine Partnerschaft mit langer und erfolgreicher Tradition.

Gegründet hat sich der Verein in Bremen und auch in anderen Häfen vor mehr als 100 Jahren: Die Unternehmer wollten aus ihrer sozialen Verantwortung den zahllosen und ständig wechselnden Tagelöhner mehr Sicherheit geben. Sie wurden sozusagen zu einer Stammbelegschaft zusammengefasst, um die Leistungsfähigkeit des Hafens zu steigern und den Gelegenheitsarbeitern eine soziale Basis zu geben. Diese Arbeiter bekamen später sogar feste Löhne – ganz unabhängig davon, ob sie ständig eingesetzt waren oder in einer schlechten Beschäftigungslage eine Freischicht erhielten. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde dann beim GHB die Gewerkschaft Verdi (früher ÖTV) als Träger mit ins Boot geholt.

Suche nach Einsatzmöglichkeiten für GHB-Mitarbeiter

So ist der Ausschuss für Personal und Arbeit, der die Rahmenbedingungen der Personaleinsätze in den Häfen festlegt, mit Unternehmensvertretern der Bremischen Hafenwirtschaft sowie Gewerkschaftsvertretern paritätisch besetzt. Für alle Arbeitsverhältnisse gelten die mit Verdi vereinbarten Tarifverträge.

Dass Verdi an einem tragfähigen Zukunftskonzept des GHB mitarbeiten möchte, stehe außer Frage, so Visser. „Nur wollen wir erreichen, dass möglichst viele der betroffenen Mitarbeiter auch künftig für den GHB tätig sind.“ Die von der Geschäftsleitung angedachte Lösung, dass die betroffenen Mitarbeiter künftig für andere private Personaldienstleister arbeiten können, weil die Arbeit bei der BLG ja vorhanden sei, dürfe nicht die alleinige Lösung sein.

Positiv zu bewerten sei auf jeden Fall, dass die BLG, die auch Mitglied beim GHB ist, in der jüngsten Vergangenheit 700 GHB-Mitarbeiter eingestellt habe. Man werde sich auch mit den anderen Mitgliedsunternehmen der Hafenwirtschaft unterhalten, um auszuloten, ob es noch weitere Einsatzmöglichkeiten für GHB-Mitarbeiter gebe.

Bremen ist zu 50,4 Prozent an BLG beteiligt

Zur angeblich fehlenden Flexibilität von GHB-Mitarbeitern im Bereich Distribution, sagt Mirko Basa, stellvertretender Betriebsratsvorsitzender beim GHB: „Es gibt einen gültigen Tarifvertrag und an den halten wir uns.“ Davon abgesehen, gehe der Betriebsrat seinen Aufgaben nach, die im Rahmen des Betriebsverfassungsgesetzes geregelt seien.

Im konkreten Fall GHB will die Gewerkschaft Verdi auch politischen Druck ausüben. Und einfach ignorieren, das kann sich Politik nicht leisten – immerhin ist Bremen zu 50,4 Prozent an der Bremer Lagerhausgesellschaft Aktiengesellschaft beteiligt, die nach außen mit der Marke BLG Logistics auftritt.

In der vergangenen Woche hatte sich bereits die SPD-Fraktion zum Thema geäußert. Ihr hafenpolitischer Sprecher, Elias Tsartilidis, stellte klar: „Sollte es tatsächlich so sein, dass sich die BLG zu Lasten des GHB zunehmend privater Leiharbeitsfirmen bedient, um so die Lohnkosten zu drücken, wird aus unseren Reihen deutlicher Gegenwind kommen.“ Gegenwind hat es bisher offiziell nicht gegeben – die SPD-Fraktion hat sich zunächst in interner Sitzung über die Situation beim Logistikunternehmen informieren lassen. Eine offizielle Stellungnahme der Gesamtfraktion gebe es aber noch nicht, so Pressesprecher Matthias Koch.

Jetzt sichern: Wir schenken Ihnen 1 Monat WK+!
Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Das Beste mit WK+