Wahlkampfauftakt der SPD mit Ministerpräsidenten Vier Regierungschefs zum Start

Ein waschechter Bremer fehlte am Freitagabend beim SPD-Wahlkampfauftakt im Schlachthof: Torsten Albig, Ministerpräsident in Schleswig-Holstein. Ansonsten war die Riege der sozialdemokratischen Regierungschefs aus den Nordländern komplett.
11.04.2015, 00:00
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Vier Regierungschefs zum Start
Von Wigbert Gerling

Ein waschechter Bremer fehlte am Freitagabend beim SPD-Wahlkampfauftakt im Schlachthof: Torsten Albig, heute Ministerpräsident in Schleswig-Holstein und vor 52 Jahren in der Hansestadt geboren. Aber ansonsten war die Riege der sozialdemokratischen Regierungschefs aus den Nordländern komplett. Neben Gastgeber Jens Böhrnsen waren der Hamburger Olaf Scholz, der Niedersachse Stephan Weil und Erwin Sellering gekommen, der das Kabinett in Mecklenburg-Vorpommern leitet. „Der Osten ist rot“ war einst eine gängige Parole in China – und ganz gleich, ob das dort noch gilt, der bundesrepublikanische Norden wird jedenfalls rot regiert.

„Miteinander – auf die Plätze, fertig, los!“ Dieses Motto stand groß auf einem Transparent, das in der voll besetzten Kesselhalle des Schlachthofs an der Wand angebracht war. Davor auf der Bühne: die vier SPD-Ministerpräsidenten aus den norddeutschen Bundesländern. Das Datum für die Veranstaltung unter dem Titel „Die SPD erleben“ war ganz offenbar mit Bedacht gewählt. 10. April, und damit auf den Tag genau vier Wochen vor der Entscheidung über die künftige Sitzverteilung in der Bremischen Bürgerschaft und die anschließende Senatsbildung. Nur die Gästeliste war nicht ganz norddeutsch-sozialdemokratisch vollständig. Der Genosse Torsten Albig, so die Organisatoren, hätte dabei sein sollen, sei aber noch im Urlaub.

Der sozialdemokratische Landeschef Dieter Reinken begrüßte die Besucher, darunter viele Prominente, hob aber einen namentlich hervor: Moritz Thape, früher viele Jahre unter anderem Finanzsenator und kürzlich 95 Jahre alt geworden. Zudem kündigte Reinken an, dass ab sofort die SPD in den Stadteilen werbe, an Ständen, mit Hausbesuchen.

Der Anspruch der Bremer SPD war am Abend im Kulturzentrum Schlachthof klar: Sie will auch nach dem 10. Mai die Hansestadt regieren – wie 1945 und alle Jahrzehnte danach. Zwischen 1971 und 1991 waren die Wahlergebnisse so, dass die Partei dazu keinen Partner brauchte, seit 2007 sind die Grünen mit im bremischen Regierungsboot. 38,6 Prozent lautete das Wahlergebnis der SPD vor vier Jahren.

Jens Böhrnsen, Stephan Weil, Erwin Sellering, Olaf Scholz und auch der abwesende Torsten Albig – sie eint nicht nur, dass sie Sozialdemokraten und Regierungschefs, sondern auch, dass sie alle gelernte Juristen sind. Die drei Erstgenannten übten nach dem Studium sogar zunächst alle denselben Beruf aus. Sie waren Richter, der Bremer und sein Amtskollege aus Mecklenburg-Vorpommern auch noch im selben Fach: Verwaltungsrecht.

Zu den Themen, die auf der Bühne von Böhrnsen und seinen Amtskollegen angesprochen wurden, gehörten die Entwicklung der Wirtschaft und die Hamburger Bewerbung für die olympischen Sommerspiele im Jahr 2014.

Erwin Sellering aus Mecklenburg-Vorpommern verwies auf den Schulterschluss der norddeutschen Länder, die ihre Häfen für die gesamte Republik unterhielten: „Das ist eine nationale Aufgabe.“ Der Hamburger Olaf Scholz unterstrich die Rolle der Stadtstaaten im föderalen System. Probleme der Städte könnten so auf Bundesebene frühzeitig benannt werden. Stephan Weil betonte, es gebe eine gute Nachbarschaft von Bremen und Niedersachsen und richtete an die Bremer in der Kesselhalle den Appell: „Fühlt euch von uns nicht umgeben oder gar umzingelt, sondern umarmt.“ Der bremische SPD-Spitzenkandidat Jens Böhrnsen kommentierte die Entwicklung der Windkraft, bei der die Technik mit Forschung und Wissenschaft ineinander greife. Bremen „liegt hier ganz weit vorn und hat sich sehr früh engagiert“. Zudem gratulierte er Olaf Scholz dafür, dass Hamburg die erste Hürde bei der Bewerbung zur Olympia-Stadt genommen habe: „Ich drücke weiter die Daumen und hoffe, dass es mit der Bewerbung klappt und es dann gelingt, dieses weltweit großartige Ereignis auch ein Stück zu norddeutschen Spielen zu machen.“

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