Bremer Hooligan-Band Kategorie C Vorwurf: Rechtsextrem und organisiert

Bremen. Hannes Ostendorf und seine Hooligan-Band sind tiefer in die rechtsextreme Szene verstrickt als bislang bekannt. Vor wenigen Wochen traten sie bei einem Neonazi-Treffen in Ungarn auf.
28.08.2012, 05:00
Lesedauer: 4 Min
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Von Christine Kröger

Bremen. Hannes Ostendorf und seine Hooligan-Band sind tiefer in die rechtsextreme Szene verstrickt als bislang bekannt. Vor wenigen Wochen traten sie bei einem Neonazi-Treffen in Ungarn auf, auf dem sich Rechtsextremisten über Themen wie einen angeblichen "Völkermord an Weißen in Südafrika" ausließen. Auch ausländische Geheimdienste wie der russische FSB haben die Band im Visier.

Des Klagens wird Hannes Ostendorf nicht müde: Er und seine Band "Kategorie C – Hungrige Wölfe", kurz "KC" genannt, seien keine Rechtsrocker, sondern eine "unpolitische Fußball-Band", die nichts als "Musik machen will", beteuert er wieder und wieder. Die vier Mitglieder Ostendorf, Rainer Friedrichs, Stefan Behrens und Magnus Ahlgrim machen aus ihrer extremen Gewaltbereitschaft keinen Hehl. Auf die spielen sie bereits mit ihrem Bandnamen an: Die Polizei nennt Fußballfans, die nicht nur zuschlagen, sondern Gewalt sogar suchen, Fans der "Kategorie C". Doch mit Rechtsextremismus wollen Ostendorf und seine Mitstreiter nach eigenen Angaben nichts zu tun haben. Zu Unrecht machten Medien, Politiker und Behörden ihre Band zum "Staatsfeind Nummer eins", behauptet Ostendorf in einem Beitrag im Videoportal Youtube.

Bei solchen Stellungnahmen lassen es der Lilienthaler und die übrigen Bandmitglieder nicht bewenden, sie bemühen auch häufig Gerichte, um sich gegen kritische Medienberichte oder behördliche Einschränkungen zu wehren. In Bremen klagt "KC" derzeit sowohl gegen das Stadtamt als auch gegen den Verfassungsschutz. Das Stadtamt hatte im November ein in Bremen angekündigtes "KC"-Konzert verboten. Begründung: Gefährdung der öffentlichen Sicherheit. Der Verfassungsschutz erwähnt die Band seit 2006 in seinen Jahresberichten als "Hooligan-Band", die wegen ihrer gewaltverherrlichenden Lieder bei gewaltbereiten Rechtsextremisten beliebt sei und gemeinsam mit rechten Skinhead-Bands auftrete.

Streit um Auftrittsverbot

Ginge es nach Ostendorfs Willen, soll das Bremer Verwaltungsgericht das vom Stadtamt verhängte Verbot für nicht rechtens erklären. Beim Verfassungsschutz will der 39-Jährige die Passagen über seine Band rückwirkend aus allen Jahresberichten gelöscht sehen. Doch nun will die Behörde die Band noch schärfer bewerten: In ihrem Jahresbericht 2011, den sie morgen vorstellt, erklärt sie nicht nur zahlreiche Konzertbesucher zu organisierten Rechtsextremisten, sondern stellt auch Verbindungen von Bandmitgliedern in den organisierten Rechtsextremismus fest.

Wie eng Ostendorf und seine Band auch international in die Neonazi-Szene verstrickt sind, wird an vielen Beispielen deutlich: Im Juli trat "KC" auf dem "Festival Boreal" unweit von Budapest in Ungarn auf. Ostendorf stand mit Lina Ericsson auf der Bühne. Die rechtsextreme Sängerin aus Schweden nennt sich "Saga" und gibt Lieder der britischen Neonazi-Band "Skrewdriver" zum Besten. Seit deren Sänger Ian Stuart Donaldson tödlich verunglückte, genießt "Skrewdriver" unter Neonazis Kultstatus. Donaldson gilt als Gründer des internationalen Neonazi-Netzwerks "Blood and Honour" ("Blut und Ehre", die hierzulande verbotene Parole der Hitler-Jugend). Das Netzwerk ist seit dem Jahr 2000 in Deutschland verboten.

Neonazis unter Konzertbesuchern und Auftritte mit einschlägigen Rechtsrockern wie der in Ungarn sind bei "KC"-Auftritten die Regel. Mit ihrem Auftritt auf dem "Festival Boreal" aber gingen die Bandmitglieder noch weiter. Das Festival war Teil der Veranstaltung "Magyar Sziget", in deren Mittelpunkt ein Treffen selbst ernannter "Nordpatrioten" stand: Unter dem Motto "Si vis pacem, para bellum" (Wenn du Frieden willst, bereite dich auf den Kampf vor) wurden unter anderem Uniformen und Waffen von Hitlers Waffen-SS ausgestellt. Das Programm kündigte Themen wie "Der stille Völkermord an Weißen in Südafrika" oder "Die Wahrheit hinter Jörg Haider" an. Auf der Liste der Referenten fanden sich Männer wie Roberto Fiore. Er ist Mitglied der rechtsextremen italienischen Partei "Forza Nuova" und Generalsekretär der "Europäischen Nationalen Front". Diese ist ein Sammelbecken europäischer Nationalisten und Rechtsextremisten, zu dem auch die neonazistische deutsche NPD gehört.

Knapp drei Wochen nach seinem Gastspiel in Ungarn zog es Ostendorf und seine Band auf das "Kuggnäsfestivalen" im schwedischen Nysköping. Dort teilte "KC" sich mit "Ultima Thule" eine Bühne. "Ultima Thule" ist eine der populärsten Rechtsrock-Bands Schwedens. Skandinavische Sicherheitsbehörden rechnen sie der internationalen Neonazi-Bewegung "White Power" (Weiße Macht) zu, deren Gefährlichkeit die Behörden betonen. In CD-Booklets von "Ultima Thule" finden sich zahlreiche Fotos deutscher Wehrmachtsoldaten und Sätze wie: "Diese beiden Lieder sind fast 200 Jahre alt und sollen alle daran erinnern, dass eure Geschichte lange vor 1933 begann und nicht 1945 endete."

Auch "KC"-Gitarrist Rainer Friedrichs griff in Nysköping zum Mikrofon, um "Ultima Thule" seinen "Respekt" zu zollen. Zwar tritt Sänger Ostendorf in der Öffentlichkeit als "KC"-Sprecher auf, doch gilt Friedrichs den Sicherheitsbehörden als Kopf der Band: Der gebürtige Bremer komponiert und textet die meisten Stücke.

CD-Hülle mit SS-Totenkopf

Doch rechtsextremistische Aktivitäten konnten die Behörden dem 38-Jährigen bislang ebenso wenig nachweisen wie Bassist Stefan Behrens aus Nienhagen (Sachsen-Anhalt), in der Szene "Ernie" genannt. Bei Schlagzeuger Magnus Ahlgrim aus Rettenberg (Bayern), genannt "Macke", fand die Polizei bei einer Fahrzeugkontrolle im Jahr 2006 eine CD-Hülle, auf der ein SS-Totenkopf prangte.

Auch in Behrens‘ Heimat Nienhagen verfolgen die Behörden die Aktivitäten der Bremer Band genau: Als Behrens dort für den 11. August ein Konzert anmeldete, auf dem neben anderen Gruppen auch "KC" spielen sollte, verbot die Gemeinde den Auftritt der Hooligan-Band. Begründung: Gefährdung der öffentlichen Sicherheit. Behrens zog gegen das Verbot vor Gericht und scheiterte.

Mehr Glück hatte "KC" am 4. August in Kaiserslautern (Rheinland-Pfalz). Als die Behörden der Band dort ihren Auftritt verboten, wich sie ins nahe Frankreich aus. Aber auch im Ausland klappt es nicht immer mit den angeblich "unpolitischen Fußballgesängen": Einen für den 19. Mai in Moskau geplanten "KC"-Auftritt verhinderten die russischen Behörden. Weil der Geheimdienst FSB zu dem Konzert rund 1000 gewaltbereite Fußballfans und Neonazis erwartete, ließen die Beamten Ostendorf und seine Kumpane trotz gültiger Visa nicht einreisen.

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