Rätselraten nach Statistik-Veröffentlichung Warum sind Bremens Väter Elterngeld-Muffel?

Bremen. Im Bundesland Bremen nehmen unterdurchschnittlich wenige Väter Elterngeld in Anspruch. Das geht aus neuen Zahlen des Statistischen Bundesamtes hervor. Ein Phänomen, das man sich im Sozialressort nicht so recht erklären kann.
02.12.2010, 11:57
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Bremen. Im Bundesland Bremen nehmen unterdurchschnittlich wenige Väter Elterngeld in Anspruch. Das geht aus neuen Zahlen des Statistischen Bundesamtes hervor. Ein Phänomen, das man sich im Sozialressort nicht so recht erklären kann.

In der ersten Hälfte des vergangenen Jahres haben bundesweit 23,2 Prozent der Väter von Neugeborenen Elterngeld bezogen, in Bremen sind es dagegen fünf Prozent weniger. Ein Phänomen, das sich Petra Kodré, Sprecherin von Sozialsenatorin Ingelore Rosenkötter(SPD) nicht so recht erklären kann.

Allenfalls dadurch, dass hierbei möglicherweise statistische Besonderheiten eine Rolle spielen: „In Bremen werden jedes Jahr rund 5000 Kinder geboren. Das ist natürlich eine viel kleinere Zahl als in den großen Flächenländern. Ein paar Väter weniger, die kein Elterngeld beziehen, genügen also schon, um den Prozentsatz nach unten zu drücken.“ Dadurch seien die Ergebnisse eventuell weniger repräsentativ als in anderen Ländern.

Dass andere Bundesländer familienfreundlichere Arbeitgeber haben, glaubt Kodré nicht. „Bremen liegt in punkto Vereinbarkeit von Familie und Beruf eher im vorderen Bereich.“ Auch der höhere Anteil alleinerziehender Mütter in Großstädten dürfte wohl kaum als Grund gelten, wie ein Blick auf die anderen beiden Stadtstaaten zeigt: Berlin hat mit 29,3 Prozent überdurchschnittlich viele Elterngeld-Bezieher, und auch Hamburg liegt mit 25,9 Prozent über dem Bundesdurchschnitt.

Auch Niedersachsen unter dem Bundesschnitt

In Niedersachsen sind die Zahlen von Vätern mit Elterngeld-Bezug zwar gestiegen, sie liegen aber mit 20,8 Prozent weiterhin unter dem Bundesdurchschnitt. Woran das im Einzelnen liegt, weiß man auch im Niedersächsischen Familienministeriumnicht. Heinke Traeger, stellvertretende Ministeriumssprecherin, verweist jedoch auf eine Studie des Hamburger Weltwirtschaftsinstituts. Die Studie entwirft auf Basis von Statistiken ein Bild von Vätern, die Elterngeld beziehen.

Bezieher von Elterngeld sind demnach im Durchschnitt älter als die übrigen Väter. Sie befinden sich überdurchschnittlich oft in höheren beruflichen Positionen, und sind besonders häufig im öffentlichen Dienst, in Großunternehmen und weiblich geprägten Berufsfeldern beschäftigt. Unter ausländischen Vätern ist der Anteil von Elterngeld-Beziehern geringer als unter deutschen. Besonders Männer mit sicherem Arbeitsplatz und höheren Einkommen entscheiden sich oft dafür, Elterngeld zu beantragen. Und: Je geringer das Einkommen der Mütter ist, desto eher verzichten die Väter auf Elternzeit.

Das Bundesfamilienministeriumverfügt nach eigenen Angaben über keine Erkenntnisse, warum die Väterbeteiligung regional unterschiedlich hoch ist. "Das kann verschiedene Gründe haben", so der stellvertretende Ministeriumssprecher Marc M. Kinert.  Mögliche Faktoren seien zum Beispiel die Anzahl der geborenen Kinder, die Art der Familienstrukturen oder die generelle Familienfreundlichkeit der ortsansässigen Unternehmen. Genauere Erhebungen oder Untersuchungen dazu lägen dem Ministerium leider nicht vor.

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