Zehn Jahre Metropolregion Nordwest Was bringt die Metropolregion?

Die Metropolregion Nordwest setzt sich seit zehn Jahren für die Stärkung der Region ein. Dennoch könnte der Verein deutlich offensiver auftreten.
06.12.2016, 00:00
Lesedauer: 3 Min
Zur Merkliste
Was bringt die Metropolregion?
Von Lisa Schröder

Die Metropolregion Nordwest setzt sich seit zehn Jahren für die Stärkung der Region ein. Dennoch könnte der Verein deutlich offensiver auftreten.

Grenzen überwinden – die Metropolregion Nordwest steht permanent vor dieser Aufgabe. Schließlich vertritt sie gleich zwei Bundesländer, elf Landkreise, drei kreisfreie Städte und die Industrie- und Handelskammer. Seit zehn Jahren setzt sich der Verein dafür ein, die Region zu stärken.

Wirtschaft und öffentliche Hand arbeiten dabei zusammen. „Zu Beginn haben viele gedacht, dass es nicht klappt. Doch wir haben das Gegenteil bewiesen“, sagte Bürgermeister Carsten Sieling (SPD) am Montag bei einem Festakt zum zehnjährigen Bestehen der Metropolregion im Rathaus.

Bremen und Niedersachsen übergaben dazu ein besonderes Geschenk: In einem Staatsvertrag haben sie sich verpflichtet, die Metropolregion wie bisher zu unterstützen. Jährlich zahlen die Länder jeweils 260 000 Euro Fördergelder. Der Staatsvertrag erzeuge Verbindlichkeit, sagte Sieling. Besonders für Bremen sei der Zusammenschluss wichtig. „Unsere Wirtschaft ist aufs Engste mit den Nachbarkommunen und Landkreisen verbunden.“

Gemeinsam am Erfolg partizipieren

Der niedersächsische Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) begrüßte den Staatsvertrag „Er unterstreicht die gute und belastbare Nachbarschaft unserer beiden Länder. Das Zusammenwirken gemeinsam mit Wirtschaft, Wissenschaft und Gesellschaft stärkt das Fundament für eine nachhaltige Entwicklung der Region. Er schafft Vertrauen und Identität." Das Voranschreiten einer Region hänge von der Kooperation ab. „Wenn sie gelingt, kann man gemeinsam am Erfolg partizipieren.“

„Wir haben die Grenzen überwunden“, bilanzierte Jörg Bensberg, Vorsitzender der Metropolregion Nordwest und Landrat im Landkreis Ammerland. Der Verein setze sich nicht nur für wirtschaftliche Interessen in den Kernbranchen der Region – die Agrar- und Ernährungswirtschaft, Automobilbranche, Energiewirtschaft, Gesundheitswirtschaft, Luft- und Raumfahrt, Maritime Wirtschaft und Logistik – ein, sondern unterstütze etwa auch Kultur- oder Klimaprojekte.

Insgesamt wurden mehr als 200 Projekte mit acht Millionen Euro gefördert. Natürlich könne die Außenwirkung des Vereins sich noch verbessern, sagte Bensberg. Diese Kritik äußert auch Sieling: „Die Darstellung ist noch steigerungsfähig.“

"Es gibt einen Grund zu feiern."

Mechthild Schrooten, Professorin für Volkswirtschaftslehre der Hochschule Bremen, teilt diese Meinung. Die Metropolregion habe viel geleistet für ein schmales Budget „Es gibt einen Grund zu feiern.“ Doch der Verein könne deutlich offensiver auftreten.

Es sei eine Marke entstanden, die sich gegenüber der wachsenden Konkurrenz durch andere Metropolregionen durchsetzen müsse. Insgesamt gibt es in Deutschland elf solcher Zusammenschlüsse. In Zukunft würden ökologische und soziale Fragen viel wichtiger, sagte Schrooten. „Sie sind entscheidend, wenn es um die Frage geht, Fachkräfte zu gewinnen.“

Für Martin Rode, Geschäftsführer des BUND Bremen, ist in diesem Punkt bisher zu wenig passiert. Die wirtschaftlichen Interessen stünden klar im Fokus. Die Handelskammern seien einer der wesentlichen Akteure der Gremien. „Daraus ergibt sich die Schwerpunktsetzung. Ökologische oder soziale Fragen sind hintenangestellt.“ Zwar habe es positive Impulse zum Umweltschutz gegeben, doch seien Weichen in der Region falsch gestellt worden – etwa die Weservertiefung. „Das sehen wir natürlich kritisch.“

Menschen sollen nicht zu Metropolern werden

Um die Region für die Zukunft aufzustellen, sei die Zusammenarbeit wichtig – gerade für Bremen. „Es ist darauf angewiesen, mit dem Umfeld zu kooperieren.“ Problematisch sei allerdings, dass die Menschen sich nicht mit ihr identifizierten. Rode: „Die Metropolregion ist kein in sich stimmiges Gebilde. „Bensberg hält dagegen, der Verein wolle keine Identität stiften.“ Die Menschen sollen nicht zu Metropolern werden. Wir machen keine Gehirnwäsche. Wir wollen dazu beitragen, dass sie sich in der Region wohlfühlen.“

Jan Wedemeier vom Hamburgischen Weltwirtschaftsinstitut in Bremen plädiert für Zusammenschlüsse wie die Metropolregionen. "Die Region ist eine Antwort auf die Globalisierung.“ Sie habe es notwendig gemacht, kleinteiliger zusammenzuarbeiten und dadurch Potenziale und Schlagkraft zu schaffen.

Um den globalen Zusammenhang ging es auch Bürgermeister Sieling in seiner Rede. „Wir sollten uns nicht nur national positionieren, sondern auch die europäische Perspektive im Blick haben – trotz der schweren Zeiten.“ Den Abend stellte er in diesem Sinne unter das Motto „Da kann noch mehr gehen.“

Jetzt sichern: Wir schenken Ihnen 1 Monat WK+!
Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Das Beste mit WK+