Angst vor Lärm und ruinösem Wettbewerb in Hastedt Widerstand gegen Mega-Baumarkt

Bremen. Es formiert sich Widerstand gegen den geplanten Bau- und Gartenmarkt auf dem Gelände des bisherigen Paketpostamts an der Steubenstraße. Protest wurde jetzt auf einer Einwohnerversammlung laut.
15.03.2010, 05:54
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Widerstand gegen Mega-Baumarkt
Von Wigbert Gerling

Bremen. Tag für Tag zusätzlich 1600 Autos von Kunden in einer Gegend mit ohnehin hoher Verkehrsbelastung, parallel dutzendweise schwere Lastwagen, die Wohnstraßen benutzen müssen, um große Warenmengen zu liefern, dazu eine 'Kannibalisierung' mit der Gefährdung von umliegenden Geschäften und Arbeitsplätzen - solche Visionen vor dem geistigen Auge, formiert sich Widerstand gegen den geplanten Bau- und Gartenmarkt auf dem Gelände des bisherigen Paketpostamts an der Steubenstraße. Protest wurde jetzt auf einer Einwohnerversammlung laut.

Das Senatsressort, das sowohl für die Umwelt als auch für Bau und Verkehr zuständig ist, war vertreten, als die Versammlung zum Thema '102. Änderung des Flächennutzungsplans für eine Gebiet in Hastedt' in der Feuerwache an der Benningsenstraße begann. Im Zuge dieser Änderung, so heißt es, soll die bisherige 'Gemeinschaftsfläche mit der Zweckbestimmung ,Post?' in eine 'Sonderfläche Einzelhandel' verwandelt werden.

Anfang des Jahres bekamen Kunden der Postfiliale einen Hinweiszettel: Künftig seien sie bei der Abholung an der Steubenstraße nicht mehr an der richtigen Adresse - es stehe ein Umzug ins Hansa-Carré an der Pfalzburger Straße bevor, wo ein neues Service-Center eingerichtet werde.

Bei den Diskussionen um die Zukunft des weitläufigen, etwa 40000 Quadratmeter großen Geländes rückte die Kette 'Bauhaus' ins Blickfeld, die auf fast 20000 Quadratmetern einen Bau- und Gartenmarkt errichten wolle.

Auf der Versammlung in der Feuerwache hieß es unter anderem, der Verkehr zur Anlieferung der Waren solle über Benningsenstraße, Petershagener Straße und Stolzenauer Straße geführt werden. Für die Abfahrt gebe es dann eine Verbindung zur Steubenstraße. Zu den Öffnungszeiten von 8 bis 20 Uhr werde an Steubenstraße und Stresemannstraße mit etwa 1600 Kundenautos täglich gerechnet.

Kritik am Lastwagenverkehr in den Wohnstraßen, wo auch viele Kinder spielten, noch mehr Verkehr in den auch heute schon schon stark belasteten Hauptstraßen, zusätzliche Belastung durch Lärm und Abgase - dies gehörte zum Protest-Paket, das auf der Einwohnerversammlung zur Sprache kam.

Inzwischen formiert sich aber auch Widerstand unter den Geschäftsleuten in der Nachbarschaft. In einer Distanz von wenigen hundert Metern ist dort - abgesehen von zahlreichen kleineren Läden - unter anderem der Baumarkt Max Bahr ansässig, das Hellweg Centrum und auch ein größerer Fahrradmarkt.

Dietfried Wolters ist Inhaber und Geschäftsführer des Hellweg Centrums, das seit mehr als vier Jahrzehnten an der Stresemannstraße eine eingeführte Adresse ist. Auch er verweist darauf, dass die Hauptverkehrsstraßen ohnehin stark frequentiert seien und den zusätzlichen Kundenstrom eines so großdimensionierten Markts nicht vertrügen, der mit seinen beinahe 20000 Quadratmeters mutmaßlich der größte Baumarkt ganz Deutschlands wäre.

'Schlicht unzumutbar'

Im Verbund mit anderen Anrainern wird Wolters voraussichtlich heute eine Protestnote an die Behörden schicken. Der Kritik aus der Bevölkerung schließt er sich 'voll an'. Was die Anrainer in den Wohnstraßen zu erwarten hätten, sei 'schlicht unzumutbar' - nicht nur in der 'Bauhaus'-Bauphase, sondern auch danach mit dem Kunden- und Zuliefererverkehr.

Überdies schließe er nicht aus, dass sich ein derart großkalibriger Geschäftsnachbar für die ansässigen Unternehmen 'dauerhaft betriebs- und existenzgefährdend auswirkt'. Allein im Gebäude des Hellweg-Centrums gebe es rund 150 Arbeitsplätze - dies wären 50 mehr, als offenbar für das neue 'Bauhaus' geplant seien. Aus Sicht von Dietfried Wolters steht fest: Wenn das raumgreifende 'Bauhaus'-Konzept an der Stresemannstraße zum Tragen komme, dann gehe es 'nicht um eine Bedarfsdeckung, sondern um einen Verdrängungsprozess'.

Genau diese Sorge teilt unter anderem auch der frühere Hemelinger Ortspolitiker und heutige Bürgerschaftspräsident Christian Weber (SPD). Mit der Ansiedlung eines solch großen Marktes würde zum Nachteil anderer Geschäfte im weiteren Umkreis 'eine Kannibalisierung' eingeleitet.

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