CDU-Vorsitz

Wie Delegierte aus Bremen und Niedersachsen beim Parteitag abstimmen wollen

Am Wochenende wird auf dem virtuellen CDU-Parteitag über den neuen Parteivorsitz entschieden. Zur Wahl stehen zwei Favoriten und ein Außenseiter. Welche Entscheidung treffen die Delegierten aus Bremen und umzu?
13.01.2021, 21:31
Lesedauer: 6 Min
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Von Thorsten Waterkamp und Jörg Blank

Die Generalprobe ist schon mal geglückt – rein technisch sollte demnach der Kür des neuen Bundesvorsitzenden der CDU auf dem Online-Parteitag am Wochenende nichts im Wege stehen. Mehr als 800 der 1001 Delegierten hätten am Dienstagabend an dem einstündigen Test teilgenommen, teilte ein CDU-Sprecher am Mittwoch mit. Und ja, online abgestimmt wurde dabei auch, mit einem klaren Sieger. So ist vor dem digitalen Gipfel der Union zumindest eines klar: welche Musikrichtung die Delegierten bevorzugen.

Die Wahl zwischen Rock, Pop und Klassik entschied die Popmusik für sich. Welche innerparteiliche Stilrichtung die Delegierten überzeugt, wird dann am Sonnabend entschieden. An diesem Donnerstag wollen die Spitzengremien der CDU bei digitalen Beratungen von Präsidium und Vorstand nach knapp einjähriger Hängepartie die Wahl des neuen Parteichefs vorbereiten. Offiziell beginnt der Online-Parteitag am Freitagabend. Neben NRW-­Ministerpräsident Armin Laschet bewerben sich Ex-Unionsfraktionschef Friedrich Merz und der Außenpolitiker Norbert Röttgen auf die Nachfolge der Bundesvorsitzenden Annegret Kramp-Karrenbauer.

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Aus Sicht der scheidenden CDU-Chefin muss der künftige Vorsitzende mit Verantwortung umgehen können. „Die CDU hat, wie kaum eine andere Partei, den Anspruch: Wir wollen regieren. In der CDU ist deshalb ein ganz wichtiger Punkt, wie jemand mit Verantwortung umgeht“, sagte die Verteidigungsministerin der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“. Alle drei Kandidaten hätten „Lust an Verantwortung“ und „die Fähigkeit dazu.“

Kramp-Karrenbauer will nach wie vor keine Wahlempfehlung abgeben: „Wenn es um die Wahl des neuen Parteivorsitzenden geht, war und bleibe ich neutral.“ Man habe einen fairen Wettbewerb mit drei sehr guten Kandidaten erlebt. „Ich freue mich auf eine gute Zusammenarbeit mit dem neuen CDU-Parteivorsitzenden.“

Weniger zurückhaltend gaben sich am Mittwoch bei einer Umfrage des WESER-­KURIER die Delegierten aus Bremen und dem Umland. Sie stellen 17 der 1001 Wahlberechtigten. Während bei den Bremer Christ­demokraten offenbar der Kandidat Norbert Röttgen die besten Karten hat, liegt der Fokus im Umland vor allem bei Friedrich Merz. ­Dabei stützen sich einige Kreisverbände auf Mitgliedervoten, die sie vorab organisiert hatten – so wollen sich die Delegierten aus Rotenburg und Diepholz an den Umfrageergeb­nissen ihrer Kreisverbände orientieren. Kaum eine Rolle spielt hingegen in der Region der nordrhein-westfälische Ministerpräsident Armin Laschet.

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Bremen: Überwiegend Röttgen-Fans

Der Landesverband Bremen stellt fünf Delegierte, die allesamt auch Bürgerschaftsabgeordnete sind: Christine Schnittker, Bettina Hornhues, Carsten Meyer-Heder, Jens Eckhoff und Frank Imhoff. Fraktionschef Thomas Röwekamp ist nicht dabei, outet sich aber via Twitter als Anhänger von Armin Laschet – im Gegensatz zum Landesvorsitzenden Meyer-Heder und Eckhoff, die Ex-Umweltminister Norbert Röttgen unterstützen. Eckhoff begründet dies ausdrücklich mit dem Klimaschutz als „Megathema der 20er-Jahre“. Auch von Hornhues und Imhoff heißt es intern, dass sie Röttgen-Fans seien.

Allein Schnittker gilt noch als unentschlossen. Meyer-­Heder betonte aber auch, dass nach dem internen Wahlkampf Bremen geschlossen hinter dem neuen Parteivorsitzenden stehen werde. „Es ist jetzt an der Zeit, Entscheidungen zu treffen, und ich denke, dass dieser Parteitag sehr professionell durchgeführt wird.“ (Joerg Helge Wagner)

Rotenburg: Delegierte folgen Mitgliedervotum

Geht es nach der CDU-Basis im Landkreis Rotenburg, heißt der künftige CDU-Bundesvorsitzende Friedrich Merz. In einer Umfrage im CDU-Kreisverband votierten 69,5 Prozent für Merz als Nachfolger von Annegret Kramp-Karrenbauer, 21,4 Prozent für Norbert Röttgen und 9,1 Prozent für Armin Laschet. Wie der CDU-Kreisvorsitzende Marco Mohrmann mitteilt, hatten 724 CDU-Mitglieder gültige Stimmen abgegeben, die Beteiligung habe damit bei über 40 Prozent der Mitglieder gelegen.

Das Ergebnis der Mitgliederumfrage im CDU-Kreisverband Rotenburg sei mit einem klaren Arbeitsauftrag für die vier Delegierten für den Bundesparteitag verbunden: Svenja Frerichs, Marco Prietz, Eike Holsten und Marco Mohrmann werden Friedrich Merz wählen. Auf seiner Klausurtagung vor einem Jahr hatte der Kreisvorstand beschlossen, die Mitglieder des Kreisverbandes entscheiden zu lassen. (Johannes Heeg)

Osterholz: Auf den letzten Drücker

Kristian Tangermann weiß noch nicht, wen er wählen wird. Er wolle sich erst entscheiden, wenn alle Kandidaten ihre Vorstellungsrunden absolviert haben. „Geeignet sind alle drei“, findet er. Tangermann ist Bürgermeister in Lilienthal und Vorsitzender des CDU-Kreisverbands Osterholz. Dieser Kreisverband hat etwa 630 Mitglieder, ist damit eher klein und entsendet nur einen Delegierten. Tangermann kennt Merz, Laschet und Röttgen persönlich.

„Alle drei können eine Partei führen, haben aber unterschiedliche Profile.“ Für den Posten müssten Bewerber neben Führungsqualitäten auch Empathie mitbringen, um die Parteimitglieder beteiligen und alle Partei­ebenen einbinden zu können. Festlegen will er sich erst auf dem Parteitag. Erfreulich sei, dass sein Kreisverband mit jedem Ergebnis leben könne, das habe er aus Gesprächen herausgehört. (Irene Niehaus)

Wesermarsch: Individuelle Entscheidung

Der Kreisverband Wesermarsch entsendet einen Delegierten für die Wahl des Bundesvorsitzenden der CDU. „Das ist Björn Thümler“, sagt Karl-Ernst Thümler, Kreisgeschäftsführer der CDU in der Wesermarsch. Sollte sein Neffe verhindert sein, würde er als Ersatz-Delegierter die Wahl übernehmen. „Da der Parteitag virtuell stattfindet, wird es dazu allerdings nicht kommen“, prognostiziert Karl-Ernst Thümler.

Dass der niedersächsische Minister für Wissenschaft und Kultur die rund 700 Mitglieder in der Wesermarsch bei der Wahl des Bundesvorsitzenden vertritt, sei auf dem Kreisparteitag festgelegt worden. Ob Björn Thümler am Sonnabend für Laschet, Röttgen oder Merz stimmen wird, ist nicht bekannt. „Das ist eine individuelle Entscheidung. Wir in der Wesermarsch geben unserem Delegierten nicht vor, wen er wählen soll“, erklärt Karl-Ernst Thümler. (Aljoscha-Marcello Dohme)

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Diepholz: Klarer Favorit Friedrich Merz

Die Mitglieder des Diepholzer CDU-Kreisverbands sind sich weitgehend einig, was die Wahl des neuen Bundesparteivorsitzenden angeht. Das zeigt eine Urwahl, bei der 64,8 Prozent der Mitglieder für Friedrich Merz stimmten. Norbert Röttgen landete mit 30,5 Prozent auf dem zweiten Platz, Armin Laschet mit 4,7 Prozent auf Rang drei. Im Vorfeld des Votums konnten die Mitglieder des Diepholzer Kreisverbands per Brief wählen.

Von 1193 Mitgliedern gaben 501 ihre Stimme dazu ab. Die Wahlbeteiligung von 42 Prozent „zeigt, dass die Mitglieder beteiligt werden wollen“, sagt Axel Knoerig, Kreisverbandsvorsitzender und Bundestagsabgeordneter, der als einer von drei Delegierten die Diepholzer CDU beim Parteitag vertreten wird. Dabei wollen sie sich an dem Vorab-Ergebnis aus dem Kreisverband orientieren: „Wenn wir so eine Urwahl machen, setzen wir das auch verlässlich um“, sagt Knoerig. (Esther Nöggerath)

Verden: Delegierte noch unentschlossen

Von den 1001 Stimmberechtigten, die am Sonnabend den neuen Vorsitzenden der CDU wählen werden, kommen zwei aus dem Landkreis Verden. Die beiden Delegierten, Isabel Gottschewsky aus Achim und Karin Bergmann aus Thedinghausen, haben beide nach eigener Aussage noch keine abschließende Entscheidung getroffen. In einer digitalen Kreisvorstandssitzung wurde jüngst über das Stimmungsbild in den einzelnen Stadt- und Gemeindeverbänden diskutiert.

Dort zeichneten sich offenbar Friedrich Merz und Norbert Röttgen als Favoriten ab. Einzelne Verbände wie der Gemeindeverband Kirchlinteln legten sich aber auch schon auf einen Kandidaten fest. Im Falle der Heidegemeinde war dies Norbert Röttgen. Andere Verbände, beispielsweise Langwedel oder Dörverden, sehen hingegen in Friedrich Merz einen geeigneten Bundesvorsitzenden für die Partei. (Jörn Zweibrock)

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Delmenhorst: Mit Merz aus der Corona-Krise

Den bekennenden Merz-Befürworter Bastian Ernst entsenden die Delmenhorster Christ­demokraten zu ihrem Bundesparteitag am kommenden Wochenende. „Ich habe mich schon beim vergangenen Parteitag auf Friedrich Merz festgelegt und werde auch dieses Mal wieder so abstimmen“, erklärte der CDU-Kreisvorsitzende und einzige Delegierte aus der Delme-Stadt. Merz, der seit 1972 Mitglied der CDU ist, stehe für hohe Wirtschafts- und Finanzkompetenz – auch außerhalb der Politik.

Gerade in einer Zeit nach der Corona-Pandemie seien seine Fähigkeiten und Erfahrungen in diesen Bereichen sehr bedeutend, so Ernst. Zudem genieße sein Wunsch-Vorsitzender auch bei den Mitgliedern an der Basis hohes Ansehen. Trotzdem traue er allen drei Kandidaten das Amt zu. Auch als späteren Kanzlerkandidaten der Union kann sich der Delmenhorster Politiker Friedrich Merz vorstellen. (Lina Wentzlaff)

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