Terrorverdächtiger Bremer Wie gefährlich ist Adnan S.?

Im April 2015 ist Adnan S. nach Syrien ausgereist, um sich dort der Terrororganisation Daesch anzuschließen. Nun liegen Informationen vor, laut denen der Bremer bereits seit Herbst 2016 in Haft ist.
08.03.2017, 21:48
Lesedauer: 3 Min
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Von Ralf Michel Alice Echtermann

Die Sicherheitsbehörden halten den Bremer Adnan S. für einen sehr gefährlichen Menschen. Im April 2015 ist er nach Syrien ausgereist, um sich dort der Terrororganisation Daesch anzuschließen. Inzwischen sitzt der heute 27-Jährige in der Türkei im Gefängnis. Die türkischen Behörden verdächtigen ihn, terroristische Aktivitäten unterstützt zu haben.

Doch seine Familie in Bremen sieht dies alles ganz anders. Adnan sei kein Terrorist, sagt sein Vater dem WESER-KURIER. Er habe in Syrien nicht gekämpft, sondern als Übersetzer für ein Ärzte-Team gearbeitet. Sein Sohn habe einen Fehler gemacht, dies aber längst eingesehen. Er sei auf der Flucht nach Hause in der Türkei festgenommen worden.

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In türkischen und deutschen Medien wurde im Januar im Zusammenhang mit Razzien der Polizei in der Türkei über die Festnahme von Hunderten Verdächtigen berichtet. Es hieß, dass sich auch der Bremer Adnan S. unter den Inhaftierten befand. Nach Informationen des WESER-KURIER stimmt dies nicht.

Demnach sei der Bremer bereits im Herbst 2016 festgenommen worden. Was zu den Angaben seines Vaters passt. Der will bis Ende September regelmäßig mit seinem Sohn telefoniert und geskypt haben. Dann sei der Kontakt abgebrochen – weil Adnan festgenommen wurde. Seitdem habe die Familie kaum noch Informationen über ihn. Der einzige dünne Verbindungsfaden in die Türkei laufe über einen Anwalt in Bremen.

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Auch für die deutsche Seite macht die Haft in der Türkei die Angelegenheit nicht einfacher. Es gebe zu dem Fall derzeit keinerlei abgesichertes Wissen, erklärt Dierk Schittkowski, Leiter des Landesamtes für Verfassungsschutz. Weder wisse man, wie es zu der Festnahme gekommen sei, noch, was Adnan S. erwarte. In mehreren Medien wurde kolportiert, dass der Bremer wegen geplanter terroristischer Anschläge mit 22 Jahre Haft rechnen müsse. Doch Schittkowski winkt ab. Ohne direkte Gespräche glaube man erst mal gar nichts.

Verfassungsschutz, Staatsanwaltschaft und Polizei in Bremen hoffen nun auf ein rechtsstaatliches Verfahren in der Türkei, so die offizielle Formulierung. Dahinter steht mehr oder weniger unverhohlen die Sorge, dass Adnan S. unkontrolliert wieder auf freien Fuß gesetzt werden könnte. Für die Sicherheitsbehörden ist der 27-Jährige weiterhin ein Mann, „der aus freien Stücken und unter Aufwendung erheblicher krimineller Energie“ nach Syrien ausgereist ist, um sich dem Daesch anzuschließen. Und der inzwischen auch in zwei Propagandavideos aufgetaucht sein soll.

Verdacht auf Beteiligung an Überfällen

Eines davon zeigt eine Massenhinrichtung. „Das muss er uns erst mal erklären“, heißt es in Bremen. Und nicht nur dies. Denn ermittelt wird gegen Adnan S. nicht nur wegen des Verdachts der Vorbereitung einer schweren staatsgefährdenden Gewalttat. Wegen Betrügereien, die im Zusammenhang mit seiner Ausreise nach Syrien stehen, gibt es bereits einen internationalen Haftbefehl gegen ihn. Und er steht im Verdacht, an mehreren Überfällen beteiligt gewesen zu sein.

So soll er im Februar 2014 in Bremen ein homosexuelles Paar zusammengeschlagen und dabei schwer verletzt haben. Nach Informationen des WESER-KURIER hat sich dieser Verdacht durch jüngste Ermittlungen der Staatsanwaltschaft so weit erhärtet, dass ein weiterer Haftbefehl beantragt werden könnte. Erschwert wird das Verfahren dadurch, dass dem gebürtigen Montenegriner seine unbefristete Aufenthaltsgenehmigung in Deutschland entzogen wurde.

"Er hatte schlechte Freunde"

Seiner Familie hat Adnan S. damals nicht erzählt, dass er nach Syrien gehen will. Die Nachricht sei ein Schock gewesen, sagt sein Vater. Er beschreibt Adnan als Menschen, der Gerechtigkeit liebt, der beschützend und vielleicht etwas naiv sei. Jedenfalls kein Schlägertyp; diese Darstellung seines Sohnes in den Medien findet S. nicht richtig. „Er hatte schlechte Freunde“, sagt er, und meint damit die jungen Männer aus dem inzwischen verbotenen salafistischen Kultur- und Familienverein in Gröpelingen. Darunter ist auch Harry S., der sich gemeinsam mit Adnan dem Daesch anschloss und inzwischen in Deutschland in Haft ist.

Anderthalb Jahre vergehen, bis Adnan S. Syrien wieder verlässt. In der Türkei wollte er sich einer Haartransplantation unterziehen, das hat er seinem Vater erzählt. Adnan habe seine Haare verloren, seit er 15 Jahre alt war. Die Familie sagt, Adnan würde niemals einen Terroranschlag in Deutschland verüben. Schließlich hat er hier Vater, Mutter, drei Geschwister – und seine Ehefrau mit der dreijährigen Tochter.

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