Biontech-Pfizer-Impfstoff

Wie sicher der Impfstoff von Biontech-Pfizer ist

Warum Bundesbürger nach der Impfstoff-Zulassung durch die EU-Arzneimittelbehörde noch bis nach Weihnachten auf die Corona-Impfung warten müssen – Fragen und Antworten im Überblick.
22.12.2020, 05:00
Lesedauer: 3 Min
Zur Merkliste
Wie sicher der Impfstoff von Biontech-Pfizer ist
Von Detlef Drewes

Geprüft und für gut, sicher und wirksam befunden: Mit der Empfehlung, den Anti-Coronavirus-Impfstoff mit dem nicht unbedingt eingängigen Namen BNT162b2 des Herstellers Biontech zuzulassen, hat die Europäische Arzneimittel-Behörde (EMA) am Montag den Weg für den Beginn der Impfungen am 27. Dezember faktisch freigemacht. Auch wenn für eine Zulassung noch einige Schritte fehlen, dürften die Impfzentren in Deutschland und den übrigen EU-Ländern bis zum Abend die zugeteilten Dosen erhalten. Warum müssen die Bundesbürger dennoch bis zum Montag nach Weihnachten warten? Hier die wichtigsten Fragen und Antworten im Überblick.

Ist der Impfstoff jetzt offiziell zugelassen?

Ja. Die Europäische Kommission hat gestern Abend die formelle Zulassung beschlossen. Präsidentin Ursula von der Leyen sagte, dies sei eine „wahr gewordene europäische Erfolgsstory“. Das Vakzin sei sicher, verträglich und wirksam. Im Anschluss daran werden die 27 EU-Mitgliedstaaten noch zustimmen, was als reine Formsache gilt. Und außerdem ist in Deutschland noch eine Prüfung des Paul-Ehrlich-Institutes nötig. Dort werden – vereinfacht gesagt – die unterschiedlichen Chargen des Impfstoffes noch einmal unter die Lupe genommen. Beim britisch-schwedischen Hersteller Astra-Zeneca hatte sich herausgestellt, dass die Impfdosen nur die Hälfte des angegebenen Wirkstoffes enthielten – kurioserweise wirkten diese minderwertigen Dosen allerdings deutlich besser.

Bekommt Deutschland genug Impfdosen?

Nein. Zunächst stehen für die Bundesrepublik 400 000 Impfdosen bereit, was dazu führt, dass Großstädte wie Köln oder Düsseldorf nur 1000 beziehungsweise 700 Dosen erhalten. Das wird sich aber schnell ändern. Anfang Januar liefert Biontech weitere drei bis vier Millionen Dosen an Deutschland. Im ersten Quartal sollen es insgesamt elf bis 13 Millionen Dosen werden. Hinzu kommen offenbar weitere 50 Millionen, die die Bundesregierung separat bestellt hat. Das müsste reichen, um die 6,5 Millionen Menschen umfassende erste Gruppe zu schützen.

Hat die EU insgesamt denn genügend Impfstoffe bestellt?

Bereits am 6. Januar wird die Zulassung für das nächste Vakzin des US-Herstellers Moderna erwartet. Insgesamt hat die EU-Kommission bei allen Herstellern zwar 2,1 Milliarden Impfdosen geordert. Doch diese Zahl klingt besser als sie ist. Denn sie enthält allein 400 Millionen Dosen des britisch-schwedischen Konzerns Astra-Zeneca, der aber sein Verfahren nach Fehlern bei den klinischen Tests stoppen musste. Darin enthalten sind auch 300 Millionen Dosen des französischen Sanofi-Hauses. Dort gab es Rückschläge bei der Entwicklung. Mit einer Zulassung ist nicht vor dem Winter 2021 zu rechnen. Großer Hoffnungsträger ist dagegen der deutsche Hersteller Cure-Vac, von dem sich Brüssel rund 400 Millionen Dosen gesichert hat. Für diesen Impfstoff laufen gerade die letzten klinischen Tests.

Warum hat die EMA so viel länger für die Zulassung gebraucht als die Behörden anderer Länder?

Für die Europäische Arzneimittelagentur ist diese Prüfung ein großer Erfolg. Noch nie wurde ein Vakzin schneller geprüft und für den Markt freigegeben. Dass es im Hintergrund viel politischen Druck der EU-Regierungschefs und der Gesundheitsminister sowie der EU-Kommissionschefin Ursula von der Leyen gab, steht fest. Aber die EMA holt die Bewertung der Genehmigungsbehörden aller 27 Mitgliedstaaten ein. Da gibt es, wie zum Beispiel in Schweden (das Land musste vor Jahren ein bereits genehmigtes Vakzin wegen nicht vorhergesagter Nebenwirkungen wieder zurückziehen), einige, die besonders kritisch prüfen, welche Unverträglichkeiten es gibt oder für welche Risikogruppen eine Impfung nicht zu empfehlen ist.

Ist dieser Impfstoff jetzt dauerhaft zugelassen?

Nein, es handelt sich um eine bedingte Marktzulassung für ein Jahr. In dieser Zeit muss der Hersteller weitere Daten erheben und die Wirkung überprüfen. Nach einem Jahr ist eine letzte Zulassungsprozedur nötig.

Wie schnell wirkt der Impfstoff?

Es sind zwei Impfungen innerhalb von drei Wochen nötig, um den vollständigen Schutz vor einer Infektion mit Covid-19 aufzubauen. Danach dauert es nach Angabe des Herstellers noch einige Wochen, ehe das menschliche Immunsystem nicht mehr infiziert wird. Allerdings kann die geimpfte Person möglicherweise weiterhin das Coronavirus in sich tragen und deshalb auch andere damit anstecken.

Jetzt sichern: Wir schenken Ihnen 1 Monat WK+!
Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Das Beste mit WK+