Investoren haben mehrere Projekte zur Genehmigung eingereicht Windkraft in Bremen in der Warteschleife

Bremen. Gerade haben die Ministerpräsidenten der Nordländer - darunter Bürgermeister Jens Böhrnsen (SPD) - die Energiewende als Jahrhundertchance ausgemacht. In Bremen allerdings stockt auf den ersten Blick der Ausbau der Windkraft.
17.03.2012, 05:00
Lesedauer: 3 Min
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Windkraft in Bremen in der Warteschleife
Von Michael Brandt

Bremen. Gerade haben die Ministerpräsidenten der Nordländer - darunter Bürgermeister Jens Böhrnsen (SPD) - die Energiewende als Jahrhundertchance ausgemacht. In Bremen allerdings stockt auf den ersten Blick der Ausbau der Windkraft: Im Ressort von Umweltsenator Joachim Lohse (Grüne) liegen Anträge für mehr als ein Dutzend Windkraftanlagen. Die Investoren warten auf Entscheidungen, der Senator kündigt für den kommenden Monat Entscheidungen an.

Bremen. "Die Energiewende ist eine große Chance für den Norden." Das erklärte der Ministerpräsident von Mecklenburg-Vorpommern, Erwin Sellering, nach einer Konferenz der norddeutschen Ministerpräsidenten. In Bremen hingegen scheint es beim Ausbau der Windenergie ein wenig zu haken: Mehrere Projekte mit zusammen rund 15 Windrädern wurden nach Informationen dieser Zeitung von Investoren vorbereitet, warten aber noch auf die Genehmigung des Amtes.

Denkbar sind demnach Windenergieanlagen im Nordbremer Ortsteil Rekum, in Burglesum, und in Oberneuland am Rand der Wümme-Wiesen haben Firmen sogar mehrere Windräder vorgesehen. Auch in der Arberger Marsch und in Arsten würden Investoren gern Windkraftanlagen gleich im Bündel errichten. Alle Projekte haben eines gemeinsam: Sie sind nach Einschätzung von Experten eigentlich genehmigungsfähig.

Die Projekte, die derzeit im Amt geparkt werden, haben ein Gesamtvolumen von bis zu 30 Megawatt. Bei modernen Anlagen gehen Experten davon aus, dass sich mit diesen Vorhaben insgesamt mehr Haushalte in der Stadt versorgen ließen, als mit dem neuen Weserkraftwerk. Zum Vergleich: das Kraftwerk, das erst vor wenigen Tagen offiziell ans Netz gegangen ist, deckt den Bedarf von 17000 Haushalten ab.

Einer derjenigen, die auf eine Antwort der Umweltbehörde warten, ist bekanntlich der ehemalige Viertel-Bürgermeister Dietrich "Hucky" Heck. Wie berichtet, möchte er mit seinem Unternehmen Tandem in der Nähe des Bultensees in Oberneuland ein Windrad errichten. Der Investor hat die Einzelanlage mit einer Nabenhöhe von 100 Metern und einer Gesamthöhe von 150 Metern komplett gutachterlich bewerten lassen und ist bereits im Januar zu dem Schluss gekommen: "Wenn man das nicht genehmigt, dann meint man es mit der Energiewende wohl nicht so ernst."

Tatsächlich bestätigt Heck, dass er zwar im Januar einen wohlgemeinten Brief aus dem Hause des Umweltsenators erhalten hat, eine Genehmigung, das Windrad zwischen Eisenbahnstrecke und Autobahn zu bauen, liegt aber immer noch nicht vor. Nach Auskunft von Behördensprecherin Brigitte Köhnlein muss die Tandem GmbH - wie alle Projekte - bis April warten. Sie betont, dass das Ressort aktuell an einem Gesamtplan arbeite. Insgesamt geht es ihrer Aussage dabei sogar um 25 Standorte.

Senator Joachim Lohse selbst widerspricht auch dem Vorwurf, der Ausbau der Windenergie werde gebremst: "Mein Ziel ist es, möglichst viele dieser Standorte realisieren zu können. Heute - nach Fukushima und der klaren Entscheidung für die Umstellung der Energiegewinnung - wird man den einen oder anderen Standort sicher anders bewerten." Alle Flächen, die 2006 zurückgestellt worden seien, müssten erneut geprüft werden. In einer Presseerklärung hatte Lohse vor Kurzem aus Anlass einer Bürgerschaftsdebatte den Stand der Windkraft in Bremen eingeordnet: Ende 2011 seien im Land Bremen 72 Windkraftanlagen mit einer Gesamtleistung von rund 136 Megawatt in Betrieb gewesen.

Amt will "alle sinnvollen Standorte"

Damit könnten rechnerisch rund 115000 Haushalte versorgt werden. So seien zum Jahreswechsel 60 Prozent dessen erreicht worden, was die rot-grüne Regierungskoalition im Klimaprogramm 2020 als Zielwert für Bremen festgelegt hat. Fehlen mithin noch 40 Prozent. Um das in den nächsten Jahren zu schaffen will Lohse erstens alte Windräder durch neue, effektivere ersetzen, zweitens müssten "alle sinnvollen und verantwortbaren Standorte in die Ausbauplanung" einbezogen werden. Sprecherin Brigitte Köhnlein: "Wir wollen so viele Projekte wie möglich gängig machen." Es gehe bei der Prüfung bis April nicht allein um die Vorhaben, die die Investoren zur Genehmigung eingereicht haben, es sei auch angedacht, zusätzliche Flächen aufzuzeigen.

Was Umweltsenator Lohse positiv formuliert, bewerten Investoren, die nicht genannt werden wollen, anders. "Die Pläne liegen auf dem Schreibtisch - und still ruht der See", sagt einer der Betroffenen.

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