Weniger neue Anlagen im Norden Windkraftausbau ausgebremst

Im Norden Deutschlands sollen künftig deutlich weniger neue ­Windkraft-Anlagen gebaut werden als bisher. Das sehen die Pläne der Bundesnetzagentur vor.
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Von André Stahl

Im Norden Deutschlands sollen künftig deutlich weniger neue ­Windkraft-Anlagen gebaut werden als bisher. Das sehen die Pläne der Bundesnetzagentur vor.

Nach einem am Dienstag bekannt ­ge­wordenen Entwurf für eine Verordnung der ­Bundesnetzagentur müssen die Re­gionen, in denen in der Vergangenheit die meisten neuen Windparks entstanden sind, künftig mit etwas mehr als der Hälfte des bis­herigen Zubaus auskommen. Grund für den ­gebremsten Ausbau sind Engpässe im Netz. Für Stromkunden dürfte sich beim Preis dem Entwurf zufolge aber kaum etwas ändern.

Von den jährlich 2500 Megawatt Windkraft-Leistung, die von 2017 an jährlich neu gebaut werden sollen, dürfen nur maximal 902 Megawatt in "Netzausbaugebieten" im Norden entstehen, wie aus dem Entwurf hervorgeht, über den zuvor die "Süddeutsche Zeitung" berichtet hatte. Je nach Größe einzelner Anlagen entspreche das zwischen 120 und 200 Windrädern.

Strom aus dem Norden lässt sich oft nicht nutzen

"Die Netzausbaugebiete sind die falsche Antwort auf den fehlenden Netzausbau", sagte Schleswig-Holsteins Energieminister Robert Habeck (Grüne). "Die Antwort muss heißen: Netze ausbauen." Der Strom werde bundesweit für Energiewende und Klimaschutz gebraucht. Beim Netzausbau hinke der Bund hinterher, während Schleswig-Holstein im Plan sei, sagte Habeck. Es gebe nicht zu viel erneuerbare Energien, sagte Habeck. "Vielmehr verstopfen Kohle- und Atomstrom die Netze." Öko-Strom wegen der Netzengpässe abzuschalten sei ärgerlich, sagte Habeck. Schleswig-Holstein wolle, dass zielgerichtet vor einem Netzengpass der zur Verfügung stehende Strom effizient genutzt werden kann, zum Beispiel für Wärmenetze, Speichermedien oder Industrieprozesse. Aber hierfür habe der Bund im EEG nur einen halben Schritt gemacht statt mutig voranzugehen. Es gebe zu viele Einschränkungen für die Nutzung abgeregelten regenerativen Stroms.

Da der Bau großer Nord-Süd-Stromleitungen nur schleppend vorankommt, lässt sich Windstrom aus dem Norden oft nicht nutzen. Vor allem Anlagen an Land würden "wegen Engpässen im Übertragungsnetz in steigendem Umfang in Norddeutschland abgeregelt, weil der Strom nicht vor Ort verbraucht und nicht zu den großen Verbrauchszentren im Süden abtransportiert werden kann", heißt es im Verordnungsentwurf. "Das führt zu volkswirtschaftlich zu vermeidenden Mehrkosten." Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) kritisierte: "Ausgerechnet die kostengünstigste Technologie soll an den besten Standorten gedeckelt werden."

Förderung von Ökostrom wird umgestellt

Dem Entwurf zufolge wird ganz Mecklenburg-Vorpommern zu einem solchen Wind-Ausnahmegebiet. Ebenso Schleswig-Holstein, Bremen, Hamburg und Bremerhaven sowie der nördliche Teil Niedersachsens. Ursprüngliche Pläne, statt in Mecklenburg-Vorpommern in ganz Niedersachsen und auch Hessen den Ausbau zu drosseln, sind nach Informationen der "Süddeutschen Zeitung" damit vom Tisch.

Von 2017 an wird die Förderung von Ökostrom in Deutschland komplett umgestellt. Mit der Reform des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG) erhalten Betreiber größerer Windparks oder Solaranlagen sowie von Biogas-Anlagen künftig für eingespeisten Strom keine feste, gesetzlich festgelegte Vergütung mehr. Stattdessen werden neue Projekte ausgeschrieben. Wer am wenigsten Subventionen pro Kilowattstunde Strom verlangt, erhält dann den Zuschlag.

In den Ausschreibungen ab Frühjahr 2017 sollen die Zuschläge für neue Windenergieanlagen an Land in solchen Gebieten begrenzt werden, in denen die Übertragungsnetzleitungen besonders stark überlastet sind – in sogenannten Netzausbaugebieten. „Die Ausschreibungsmengen werden also vorübergehend mengenmäßig begrenzt, um die Netzengpässe nicht zu verschärfen“, heißt es im Verordnungsentwurf. Sind die 902 Megawatt im Norden ausgeschöpft, kommen selbst günstige Bieter nicht zum Zuge und müssen es später neu versuchen.

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