Gastkommentar über die Klimapolitik

Wir haben zu lange auf Kredit unserer Umwelt gelebt

Wahre klimafreundliche Verhaltensänderungen sind unbequem. Wir sollten sie aber als Chance begreifen, groß denken und unserer weltweiten Vorbildfunktion gerecht werden, meint unsere Gastautorin Wiebke Winter.
12.10.2019, 06:00
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Von Wiebke Winter
Wir haben zu lange auf Kredit unserer Umwelt gelebt

Die Bremer JU-Vorsitzende Wiebke Winter.

Karsten Klama

Wir werden unsere Erde nicht retten, indem wir nur noch Hafermilch-Latte trinken. Die Lösung für unsere globalisierte Welt kann es auch nicht sein, Flugreisen oder SUVs zu verbieten. Klar ist jedoch: Die Klimaerwärmung ist omnipräsent. Wir haben zu lange auf Kredit unserer Umwelt gelebt. Die Schulden zahlen wir jetzt zurück. Das bedeutet: CO2 muss einen Preis haben. Als Junge Union Bremen begrüßen wir, dass der Emmissionszertifikatehandel ausgeweitet wird. Ein Preis von 10 Euro pro Tonne ab 2021, wie im Klimakabinett vorgeschlagen, ist für mich persönlich dabei zu wenig, um Anreize für klimafreundlicheres Verhalten zu schaffen. Hier muss nachverhandelt werden.

Wir dürfen uns jedoch auch nicht ideologischen Forderungen und doppelmoralischem Handeln hingeben. Staatliche Subventionen in öffentlichen Kantinen wie der Uni-Mensa nur noch für vegane Gerichte zu fordern und damit das Avocado-Schnitzel günstiger zu machen als den Käse-Kartoffelauflauf ist ideologisch, nicht klimafreundlich. Statt Veggie-Days sollten wir auf die steuerliche Begünstigung regionalen Obst und Gemüses setzen. Über die Klimafreundlichkeit von Lebensmitteln können wir mit einer Ampelkennzeichnung aufklären.

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Im Bereich privaten Wohnens, einem der Klimakiller Nummer 1, müssen Anreize wie eine Ölheizungsabwrackprämie gesetzt werden. Wir müssen konsequent aufforsten, denn Bäume wachsen nicht an einem Tag. In Bremen kann man dazu das Gelände der ehemaligen Galopprennbahn nutzen: Mit einem Klimaerlebnispark würde die derzeit brach liegende Fläche zum grünen Naherholungszentrum. Zudem muss sich das Leben von jedem Einzelnen von uns verändern: Gerade in der Stadt muss der ÖPNV eine echte Alternative zum Auto bieten. Weder fährt jedoch die Nordwestbahn nach Bremen-Nord zuverlässig, noch ist es preislich attraktiv, vom Auto in die Straßenbahn umzusteigen. Wir fordern daher ein 365-Euro Ticket nach dem Vorbild Berlins. Manche Bremer werden jedoch auf ihr Auto angewiesen bleiben; daher ist eine autofreie Innenstadt aus unserer Sicht falsch.

Ehrlich ist allerdings: Wahre klimafreundliche Verhaltensänderungen sind unbequem. Wir sollten sie jedoch als Chance begreifen, Bremen zum Innovationshub und Deutschland zum Vorreiter zu machen: Wir sollten Forschungsvorhaben in Bremen unterstützen und unsere Ideen in die Welt tragen. Wir müssen groß denken und unserer Vorbildfunktion gerecht werden. Bis jetzt scheitern wir noch daran. Mit dem momentanen Tempo in der Klimapolitik werden wir unsere Erde auch nicht retten.

Info

Zur Person

Unsere Gastautorin ist Landesvorsitzende der Jungen Union Bremen und hat am Klimapapier der Bremer Jugendorganisation mitgewirkt, das unter www.ju-bremen.de heruntergeladen werden kann.

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