Wilko Zicht im Interview "Wir sind ganz harmonisch auseinander gegangen"

Gegen Wilko Zicht ermittelt die Bremer Staatsanwaltschaft. Der Grünen-Abgeordnete nimmt im Interview Stellung zu den Vorwürfen.
08.09.2015, 00:00
Lesedauer: 3 Min
Zur Merkliste

Gegen Wilko Zicht ermittelt die Bremer Staatsanwaltschaft. Der Grünen-Abgeordnete nimmt im Interview Stellung zu den Vorwürfen.

Herr Zicht, die Staatsanwaltschaft erhebt Vorwürfe gegen Sie und will ein Ermittlungsverfahren einleiten. Dafür soll Ihre Immunität aufgehoben werden. Kein guter Start für einen frisch gebackenen Bremer Kommunalpolitiker.

Das Ganze ist natürlich unangenehm. Ich denke, dass meine Immunität am Mittwoch aufgehoben wird. Ich habe mir absolut nichts vorzuwerfen und werde mich bei den Ermittlungen kooperativ zeigen. Ich gehe deshalb fest davon aus, dass das Verfahren schnell eingestellt wird.

Werden Sie Ihr Mandat während der Ermittlungen ruhen lassen?

Nein. Ich werde meine politische Arbeit ganz normal fortsetzen.

Und wie sieht es mit Ihrer Position in der Innendeputation aus?

Das gilt natürlich auch für meine Tätigkeit als Deputierter. Ich gehe nicht davon aus, dass sich die Ermittler bei ihrer Arbeit davon beeinflussen lassen, wer in der Innendeputation sitzt. Das wäre schlimm.

Wissen Sie denn überhaupt, was Ihnen konkret vorgeworfen wird?

Es geht offensichtlich um den Vorwurf der versuchten, verbalen Nötigung im Zusammenhang mit dem Farb-Anschlag auf die Kneipe „Verdener Eck“. Ich habe versucht, den Konflikt zwischen linken Ultras und rechten Hooligans zu entschärfen.

Wen sollen Sie dabei genötigt haben?

Nach den Ausschreitungen im Verlauf des Nordderbys nahm ich bereits im Mai Kontakt zu der Pächterin der Kneipe auf. Normale Werder-Fans, die dort an Spieltagen zu Gast sind, hatten mir berichtet, dass die Frau mit der Situation überfordert sei und nicht wisse, was sie tun soll. Wir tauschten unsere Handynummern aus und ich sagte zu, mich bei ihr zu melden.

Und dann?

Darauf bin ich dann nach der Farb-Attacke im August zurückgekommen und habe ihr per Whatsapp nochmals meine Hilfe angeboten. Am nächsten Tag haben wir uns in ihrer Gaststätte getroffen und über eine Stunde miteinander gesprochen.

Wenn das wirklich alles so friedlich war, wie Sie sagen, warum will denn jetzt die Staatsanwaltschaft ermitteln? Kam es bei dem Gespräch nicht doch zu einer Auseinandersetzung?

Nein, ganz im Gegenteil. Sie wirkte verzweifelt nach dem Anschlag und wollte dringend aus der Situation herauskommen. Über mein Engagement zeigte sie sich erfreut. Ich habe ihr geraten, sich öffentlich klar gegen Nazis in ihrer Kneipe zu positionieren.

Und das hat sie dann auch getan.

Exakt. Im WESER-KURIER erschien eine entsprechende Meldung. Am nächsten Tag dankte mir die Pächterin ausdrücklich für diese Lösung. Wiederum per Whatsapp. Ich habe ihr außerdem geraten, sich an die Polizei zu wenden. Schließlich ist nur die Polizei in der Lage, ein Hausverbot gegen Nazis durchzusetzen. Wir sind ganz harmonisch auseinander gegangen.

Warum will die Frau denn dann gegen Sie Anzeige erstatten?

Ich weiß nicht, ob sie Anzeige erstattet hat. Mein Rechtsanwalt hatte leider bislang noch keine Akteneinsicht. Das können nur falsche Anschuldigungen gegen mich sein, oder es beruht auf einer missverständlichen Äußerung gegenüber der Polizei.

Inwiefern missverständlich?

Wenn die Polizei aus irgendeinem Grund der Meinung ist, es könnte Nötigung vorliegen, muss sie Ermittlungen einleiten. Ganz gleich, ob das jetzt im Sinne der Pächterin war oder nicht.

Waren Sie als Abgeordneter oder Werder-Fan im „Verdener Eck“?

Die Auseinandersetzungen rund um das Nordderby am 19. April waren schlimm. Ich wollte mit meinem Engagement erreichen, dass es rund um das Stadion wieder sicherer wird. Das war meiner Meinung nach am ehesten zu schaffen, wenn rechte Hooligans keinen Stützpunkt in Stadionnähe mehr hätten. Eine Pächterin, die sich klar von der rechten Szene distanziert, wäre ein Schritt in diese Richtung gewesen. Um es klar zu sagen: Ich war dort als Politiker, habe aber von meinem Wissen aus der Fanszene profitiert.

Woher stammt dieses Wissen aus der Fanszene? Sind Sie auch ein Ultra?

Das ist ja in erster Linie eine Jugendkultur. Dafür bin ich zu alt. Ich gehe aber seit 25 Jahren zum Fußball in die Ostkurve und kenne daher natürlich viele Ultras. Auch wenn sie wild und unbequem sind und es dabei manchmal übertreiben: Wir können froh sein, dass sie sich innerhalb und außerhalb des Stadions gegen Rassismus und Diskriminierung stellen.

Das Interview führte Hauke Hirsinger.

Lesen Sie auch

Jetzt sichern: Wir schenken Ihnen 1 Monat WK+!
Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Einwilligung und Werberichtlinie

Ich erkläre mich damit einverstanden, dass die von mir angegebenen Daten dazu genutzt werden, regelmäßig per E-Mail redaktionelle Inhalte des WESER-KURIER seitens der Chefredaktion zu erhalten. Die Daten werden nicht an Dritte weitergegeben. Ich kann diese Einwilligung jederzeit formlos mit Wirkung für die Zukunft widerrufen, z.B. per E-Mail an widerruf@weser-kurier.de.
Weitere Informationen nach Art. 13 finden Sie unter https://www.weser-kurier.de/datenschutz

Schließen

Das Beste mit WK+