Interview mit GeNo-Geschäftsführer Diethelm Hansen "Wir sind unter Druck geraten"

Bremen. Der Konkurrenzkampf im Gesundheitsbereich wird auch in Bremen stärker. Gezeigt hat sich das bei Konflikten, die die Klinik-Dachgesellschaft Gesundheit Nord (GeNo) mit dem St.-Joseph-Stift und mit einer Praxis auf dem Gelände des Klinikums Bremen-Mitte austrägt.
16.01.2011, 05:00
Lesedauer: 5 Min
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Von Elke Gundel

Bremen. Der Konkurrenzkampf im Gesundheitsbereich wird auch in Bremen stärker. Gezeigt hat sich das jüngst bei Konflikten, die die kommunale Klinik-Dachgesellschaft Gesundheit Nord (GeNo) mit dem St.-Joseph-Stift und mit einer radiologischen Praxis auf dem Gelände des Klinikums Bremen-Mitte austrägt. Elke Gundel sprach mit GeNo-Geschäftsführer Diethelm Hansen über die Situation.

In den vergangenen Monaten sah es so aus, als würde die GeNo an allen Fronten kämpfen: Ein Kooperationsvertrag mit dem St.-Joseph-Stift wurde fristlos gekündigt; auch der Mietvertrag für die radiologische Praxis auf dem Gelände des Klinikums Bremen-Mitte ist gelöst worden. Anwälte beziehungsweise Richter sind eingeschaltet. Was ist los?

Diethelm Hansen: Wir kämpfen in keinster Weise an allen Fronten. Aber es gibt an einigen Punkten, die für uns sehr wichtig sind, Konflikte.

Welche Konflikte sind das?

Hintergrund ist eine für uns besorgniserregende Entwicklung: Die vier kommunalen Kliniken der GeNo stehen im Wettbewerb mit den Krankenhäusern der freien Träger. Nun sollen an den freien Kliniken mit Unterstützung der Krankenkassen neue Angebote aufgebaut werden - auf unsere Kosten. Die vier städtischen Kliniken werden benachteiligt, das ist der Konflikt. Wir suchen keinen Streit. Wir sind unter Druck geraten, müssen unsere Interessen wahren und nehmen die Auseinandersetzung deshalb an.

Um welche neuen Angebote geht es?

Am Diako soll eine urologische Abteilung aufgebaut werden; bisher ist die Urologie am Klinikum Bremen-Mitte konzentriert. Es gab zwar früher auch eine Abteilung an der Roland-Klinik, doch dann ist dieses Angebot ganz bewusst am Klinikum Mitte zusammengeführt worden - weil dort die nötige Fachkompetenz vorhanden ist und modernste OP-Techniken angeboten werden. Das aufzubauen, hat viel Geld gekostet. Dass dazu nun am Diako eine Konkurrenz aufgebaut werden soll, schwächt uns auch wirtschaftlich, wir würden Patienten verlieren.

Sie haben gesagt, die Urologie sei bewusst am Klinikum Mitte konzentriert worden. Also in Verhandlungen mit allen Beteiligten. Was hat sich verändert, dass es jetzt eine gegenläufige Entwicklung gibt?

Das müssen Sie die Krankenkassen fragen. Die geplanten Leistungsausweitungen an den freien Kliniken sind Bestandteil des Landeskrankenhausplans, der gerade für die Jahre 2011 bis 2015 fortgeschrieben wird. Der Krankenhausplan regelt, welche Angebote die Kliniken vorhalten; die Krankenhäuser verhandeln das mit den Kassen. Die Gespräche laufen seit etwa einem halben Jahr. Dabei haben uns die Kassen deutlich gesagt, dass es an den freien Kliniken Konkurrenzangebote geben soll.

Das gab es früher nicht?

In Bremen ist lange der Kurs verfolgt worden, bestimmte Angebote an einzelnen Kliniken zu konzentrieren, dort die nötigen Kompetenzen und die nötige Ausstattung zu bündeln. Das ist vernünftig, weil diese Spezialisierung die beste Behandlung der Patienten ermöglicht.

Bei welchen geplanten Angeboten sehen Sie sich noch benachteiligt?

Am St.-Joseph-Stift soll eine Abteilung für Nuklearmedizin aufgebaut werden; bisher gibt es das in der Stadt Bremen nur in Mitte. Eine nuklearmedizinische Station ist teuer, deshalb ist es vernünftig, diese Leistung an einem Standort zu bündeln. Zudem soll am Rotes-Kreuz-Krankenhaus ein Herzkatheter-Labor aufgebaut werden, das bedeutet Konkurrenz für das Herz-Zentrum Links der Weser. Eine solche Aufsplitterung ist unsinnig. Die Zentralisierung der Kardiologie am Klinikum Links der Weser hat sich bewährt und ist ein Segen für die Patienten: Die Sterblichkeitsrate bei Herzpatienten ist in Bremen um 46 Prozent niedriger als im Bundesdurchschnitt.

Sollen die städtischen Kliniken Betten abbauen, wenn die freien Krankenhäuser die geplanten Angebote schaffen?

Nein. Alle anderen sollen die Bettenzahl steigern können, nur wir nicht.

Einen weiteren Konflikt hatten Sie selbst ausgelöst, als Sie mehrere Anträge gestellt haben, um Patienten ambulant in den städtischen Kliniken behandeln zu können. Hat das das Klima getrübt?

Wir haben 2008 eine gesetzliche Möglichkeit genutzt, so wie es bundesweit sehr viele Kliniken getan haben. In Bremen hat das heftige Kritik der niedergelassenen Ärzte und der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) ausgelöst, das stimmt. Letztlich haben wir aber eine gute Lösung mit der KV gefunden. Aus heutiger Sicht hätte ich früher den Kontakt zur KV suchen sollen.

Zurück zur Geburtenstation des St.-Joseph-Stifts. Dort gibt es eine Kooperation, nach der Kinderärzte aus Bremen-Mitte, Neonatologen, die Behandlung kranker Neugeborenen übernehmen. Das Klinikum Mitte hat den Vertrag fristlos gekündigt. Damit sind Sie vor Gericht im Eilverfahren gescheitert. Wie ist da der Stand der Dinge?

Auch diese Kündigung steht im Zusammenhang mit den Verhandlungen zum Landeskrankenhausplan. An drei Punkten sollen die kommunalen Kliniken benachteiligt werden. Und dann hat das St.-Joseph-Stift auch noch beantragt, eine eigene Neonatologie-Abteilung aufzubauen...

...dem St.-Joseph-Stift geht es darum, eine Neonatologie einrichten zu können, falls die jetzige Kooperation endet.

Das stimmt. Das beinhaltet allerdings auch die Möglichkeit, dass das St.-Joseph-Stift von sich aus die Kooperation aufkündigt. Wir sind derzeit in Gesprächen, um eine Einigung zu erzielen. Diese Gespräche sind sehr konstruktiv.

Wenn die Kooperation wie bisher weiterläuft - ist das für beide Seiten gut, oder profitiert eine mehr davon?

Wir unterstützen dadurch die Geburtshilfe des St.-Joseph-Stifts, damit unterstützen wir einen Konkurrenten. Aber damit können wir leben, denn wir möchten eine möglichst gute Versorgung der Gebärenden und ihrer Kinder.

Ein anderer Konflikt betrifft die radiologische Praxis auf dem Gelände des Klinikums Mitte. Diese Praxis behandelt auch die Krankenhaus-Patienten. Das war anfangs ausdrücklich so gewollt. Nun sind die Mietverträge zum 30. Juni gekündigt worden. Der Streit wird vor Gericht gehen. Welche Bedeutung hat diese Auseinandersetzung für die GeNo?

Zunächst einmal: Die Auslagerung betrifft nur die MRT-Diagnostik. Das ist 1993 geschehen, und das war auch aus heutiger Sicht nachvollziehbar. Damals stand die MRT-Technik noch ganz am Anfang. Heute dagegen spielen MRTs eine zentrale Rolle in der Radiologie. Für ein Krankenhaus der Maximalversorgung wie das Klinikum Mitte ist es heute nicht mehr tragbar, selbst keine MRTs machen zu können. Derzeit müssen wir unsere Patienten dazu in die eigenständig arbeitende Praxis schicken und deren Leistung bezahlen.

Das heißt, die Praxis muss gehen, alles andere ist für Sie nicht verhandelbar?

Nein. Der Punkt ist: Das Klinikum Mitte muss für seine Patienten die MRT-Diagnostik selbst machen können. Alles andere ist verhandelbar. Eine radiologische Praxis, die ambulante Patienten versorgt, ist gar kein Problem. Denkbar wäre auch, die Geräte gemeinsam zu nutzen. Was nicht geht, ist, dass ein so großes Krankenhaus wie das an der St.-Jürgen-Straße seinen Patienten eine derart zentrale Leistung nicht selbst bieten kann, sondern sie einkaufen muss.

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