Stadt wirbt weltweit Wirtschaftsfaktor Weihnachtsmarkt

Bunt geschmückte Buden und der Duft von GLühwein und Lebkuchen – der Besuch auf dem Weihnachtsmarkt erfüllt romantische Klischees. Doch das bunte Treiben an den Buden ist längst auch ein Milliardengeschäf.
22.11.2014, 00:00
Lesedauer: 3 Min
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Wirtschaftsfaktor Weihnachtsmarkt
Von Andreas Holling

Funkelnde Sterne, bunt geschmückte Buden und der Duft von Glühwein und Lebkuchen – der Besuch auf dem Weihnachtsmarkt erfüllt viele romantische Klischees. Doch das bunte Treiben an den Buden ist in Deutschland längst auch ein Milliardengeschäft, von dem nicht nur die Schausteller und Kunsthandwerker profitieren. Busunternehmen und Hoteliers freuen sich ebenfalls auf die festliche Zeit.

„Sehenswerte Hansestadt“ und „Weihnachtsstimmung an der Weser“ – in Sachen Bremer Weihnachtsmarkt sind die Bustouristikunternehmen voll des Lobes. Bis hinein ins Rheinland werben sie mit Anzeigen, auf Flyern und im Internet für einen Ausflug an die Weser.

Mit Erfolg: etwa 1,5 Millionen Menschen besuchten im vergangenen Jahr die Budenstadt zwischen Schütting, Rathaus und Dom. Fast die Hälfte aller Gäste kämen im Dezember allein wegen des Weihnachtsmarkts, hatte Peter Siemering, Geschäftsführer der Bremer Touristik-Zentrale erklärt. Und die meisten Besucher blieben für zwei bis vier Nächte in Bremen – und damit länger als der durchschnittliche auswärtige Besucher.

Wie viel Geld in der festlichen Zeit verdient wird, darüber gibt es kaum konkrete Zahlen. Einer Befragung der Touristik-Zentrale zufolge geben zwei Drittel der Gäste zwischen 25 und 100 Euro pro Besuch aus. Die „Ausgabebereitschaft“ sei erfreulich hoch, bestätigt auch Karsten Nowak, bei der Handelskammer Bremen zuständig für den Bereich Einzelhandel und Tourismus.

Win-Win-Situation für die Innenstadt

Aus seiner Sicht sorgen die Buden für eine Win-Win-Situation für die Innenstadt. „Der Weihnachtsmarktbesucher ist fast immer auch ein Einzelhandelskunde“, erklärt er. Dementsprechend hoch seien die Gewinne zu dieser Zeit: „Einige Geschäfte erwirtschaften dann zwischen 20 und 30 Prozent ihres Jahresumsatzes.“

Bundesweit werden laut dem Statistikportal Statista im laufenden Jahr rund 270 Millionen Weihnachtsmarktbesucher erwartet. Mit einem Umsatz von prognostizierten 2,48 Milliarden Euro ist Deutschland damit die weltweite Nummer eins beim festlichen Bummel. Erst mit deutlichem Abstand folgen Frankreich (78 Millionen Besucher, 826 Millionen Euro Umsatz) und Großbritannien (24 Millionen Besucher, 384 Millionen Euro Umsatz).

Insgesamt zehn Märkte von einem Tag bis hin zu mehreren Wochen Dauer sind bislang für 2014 in Bremen genehmigt worden. Nicht mitgezählt sind dabei die vielen kleinen „Dörfer“ mit weniger als acht Ständen. Mit insgesamt 170 Buden ist der Weihnachtsmarkt in der City und an der Schlachte der Größte – und überregional „einer der Höhepunkte im Jahr“, wie Maike Lucas von der Touristik-Zentrale betont. Damit das auch so bleibt, bewirbt die Marketingagentur das Fest weltweit.

Sogar in den USA und in China, wo man sich in Schanghai ein Büro mit der Wirtschaftsförderung teilt, wirbt Bremen um Besucher. Derzeit allerdings sind es neben einheimischen Gästen vor allem europäische Nachbarn, die, dank Busanbindung und den Jets des Billigfliegers Ryanair, an die Weser kommen.

Fokus liegt auf Gastronomie und Kunsthandwerk

Die Bedeutung des stetig wachsenden Tourismus haben auch Susanne Keuneke und ihre Mitstreiter vom Verein der Schausteller und Marktkaufleute Bremen erkannt. Der Weihnachtsmarkt sei heute eines der wichtigsten Geschäfte für die Budenbetreiber, sagt die Vereinschefin. „Gerade auch, weil er so viele Wochen am Stück läuft.“ Gemeinsam mit dem Schaustellerverband des Landes Bremen bildet ihr Verein die Arbeitsgemeinschaft (AG) Bremer Märkte. Dort setzt man in Sachen Attraktivität neben der Gastronomie vor allem auf das Kunsthandwerk. „Die Besucher können zwischen den Ständen bummeln und Geschenke entdecken“, sagt Keuneke. Für dieses Jahr hat sich die AG etwas Neues einfallen lassen: Jeden Freitagabend soll der Dom mit einer Lasershow illuminiert werden.

Sorge bereitet der Schaustellerin jedoch die Konkurrenz in den Einkaufszentren. „Seitdem man dort gemerkt hat, dass sich damit Kundschaft anziehen lässt, veranstaltet jedes kleine Center einen Markt“, sagt sie. Handelsexperte Karsten Nowak glaubt nicht an einen Wettbewerb der Feste: „Der Weihnachtsmarkt hat eine Alleinstellung für Bremen und Region.“

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