Made in Bremen: Software-Firma Inkata hat ein Tool entwickelt, das Großveranstaltungen sicherer machen soll Wo alles zusammenläuft

Matthias Bock und Alexander Siegfried haben eine Vision: Sie wollen mehr Sicherheit für Großveranstaltungen und Festivals. Mithilfe eines selbst programmierten Tools sollen Organisatoren künftig eine detaillierte Übersicht über ihr Festgelände erhalten und so Brennpunkte schneller erkennen. Getestet haben die beiden IT-Experten ihre Software unter anderem schon in Wacken oder beim Deichbrand-Festival.
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Wo alles zusammenläuft
Von Kristin Hermann

Matthias Bock und Alexander Siegfried haben eine Vision: Sie wollen mehr Sicherheit für Großveranstaltungen und Festivals. Mithilfe eines selbst programmierten Tools sollen Organisatoren künftig eine detaillierte Übersicht über ihr Festgelände erhalten und so Brennpunkte schneller erkennen. Getestet haben die beiden IT-Experten ihre Software unter anderem schon in Wacken oder beim Deichbrand-Festival.

Eigentlich hatten Matthias Bock und Alexander Siegfried nicht damit gerechnet, dass sie einmal mit so vielen Menschen zusammenarbeiten werden. „Kommunikation ist nicht gerade unsere Topqualifikation. Wir sind schließlich nicht umsonst Informatiker geworden“, sagen die Geschäftspartner von der IT-Firma Inkata und nehmen sich mit diesem Klischee gerne selbst auf die Schippe.

Die beiden haben eine Software entwickelt, mit der sie Veranstaltungen wie Musikfestivals oder Stadtfeste sicherer machen wollen. Und um diese zu testen und an die Veranstalter zu bringen, müssen sich Bock und Siegfried jetzt regelmäßig ins Getümmel begeben. In diesem Jahr haben sie ihr Tool unter anderem schon in Wacken oder beim Deichbrand-Festival ausprobiert.

Loveparade bringt Stein ins Rollen

Die Idee zu ihrem Programm „Topview“ hat einen ernsten Hintergrund. Als 2010 bei der Loveparade aufgrund von Planungsfehlern und fehlgeleiteten Besucherströmen 21 Menschen starben, hat das viele Experten in der IT-Branche nachhaltig beschäftigt. „Hier haben sich verschiedene Situationen hochgeschaukelt. Dabei war die Kommunikation schlecht, und Informationen sind nirgends gebündelt angekommen“, erklärt Geschäftsführer Matthias Bock. „Es fehlte eine Stelle, an der alles zusammenlief und von der man aus Prioritäten setzen konnte.“

Genau so eine Stelle haben Bock und Siegfried mit ihrer Sicherheitssoftware geschaffen. In einer kartenähnlichen Übersicht wollen sie den Organisatoren einen umfassenden Blick über ihre Veranstaltung ermöglichen. Dort sollen unter anderem Stände, die Verfügbarkeit von Personal oder auch die Fluchtausgänge angezeigt werden. Mit Hilfe einer Prioritätenliste kann genau sortiert werden, welches Problem zuerst gelöst werden muss – vom defekten Feuerlöscher oder der kaputten Toilette, bis hin zum Notfallplan bei Menschenanstauungen.

Bei der Entwicklung der Software hat Matthias Bock von seiner beruflichen Vergangenheit profitiert. Bock hat bereits für die NATO gearbeitet und eine Software für das britische Militär programmiert, das zur Aufklärung verschiedener Konfliktsituationen dienen sollte. „Da gibt es große Parallelen zu Großveranstaltungen, da sich auch dort viele Menschenmassen bewegen“, sagt er. Der Experte ist sich sicher: Da in solchen Programmen alle Details festgehalten werden, können die Aufzeichnungen auch dazu dienen, kritische Situationen besser aufzuarbeiten. „Wenn viele Menschen beteiligt sind, nimmt jeder anders wahr, und man kann nur noch schlecht nachvollziehen, wie etwas wirklich gewesen ist.“

Man könnte meinen, dass eine solche Darstellungsform, wie Inkata sie kreiert hat, in der heutigen Zeit längst Standard bei großen Festivals ist. Doch die Realität sieht nach Matthias Bock anders aus: „Oft gibt es nur eine Person, die wirklich alle Fäden in der Hand hat. Meistens läuft der Kontakt über Funk, oft sind die Veranstalter auch noch mit einem Stift und Notizblock unterwegs.“ Die Gründe dafür sind nach den beiden IT-Fachmännern vielschichtig. „Die großen Festivals sind häufig aus einer kleinen Gruppe gewachsen, die ihr erstes Konzert auf der Wiese gespielt haben“, sagt Bock. „Das sind Leute die Musik lieben, aber in der Regel keine Sicherheitsexperten sind.“

Via App Probleme melden

Auch die Festbesucher sollen bei dem neuen Tool eine Rolle spielen. Via App haben sie die Möglichkeit, direkt Kontakt zum Veranstalter aufzunehmen und beispielsweise defekte Sanitäranlagen zu melden oder ein Foto davon zu machen.

Die Schwierigkeit bei einem Festival sei es, alle Beteiligten eines solchen Spektakels unter einen Hut zu bringen. „Polizei und Feuerwehr haben ihre eigenen Systeme und dürfen personenbezogene Daten nicht herausgeben“, sagt Alexander Siegfried. Deshalb wollen die Entwickler versuchen, anonymisierte Daten in ihre Karte einfließen zu lassen.

Eins steht für Bock und Siegfried bei aller Begeisterung für das eigene Produkt aber fest: Menschen und Ordner kann ihr Programm nicht ersetzen. „Wichtige Entscheidungen müssen immer noch von den Organisatoren selbst getroffen werden“, sagen sie. „Aber ein ausführliches Lagebild, das alle Beteiligten sehen, kann helfen, heikle Momente besser einzuschätzen und schneller zu handeln.“

Für das kommende Jahr planen die beiden Geschäftspartner noch mehr Veranstalter von ihrer Software zu überzeugen und auch Lösungen für kleinere Stadtfeste anzubieten. Auch den Bremer Freimarkt haben sie im Visier. In diesem Jahr waren sie bereits dort, um sich ein Bild von dem Gelände zu machen.

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