Rot-Grün streitet um Wohnungsentwicklung Wohnungen für 6000 Neu-Bremer

Rot-Grün in Bremen streitet um die Wohnungsentwicklung in Bremen. Die SPD schließt eine Teilbebauung in der Osterholzer Feldmark nicht aus. Die Grünen sind dagegen, weil stadtnahes Wohnen gefragt sei.
02.02.2015, 00:00
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Wohnungen für 6000 Neu-Bremer
Von Wigbert Gerling

„Wachstum nur durch Neubau.“ So lautet eine fett gedruckte Überschrift in einem neuen Gutachten zur Wohnungsentwicklung bis 2030. Damit brechen unterschiedliche Positionen im rot-grünen Regierungsbündnis wieder auf. Jürgen Pohlmann, Sprecher der Baudeputation und Sozialdemokrat, schließt auch eine Teilbebauung in der Osterholzer Feldmark nicht aus – der grüne Parteichef Ralph Saxe kontert, das könne nicht das Ziel sein, weil stadtnahes Wohnen gefragt sei.

„Aktualisierung und Fortschreibung der Wohnungsmarktprognosen bis 2030 für die Hansestadt Bremen.“ So lautet der Titel eines Gewos-Berichts. Das Beratungs- und Forschungsinstitut mit Sitz in Hamburg und Berlin ist spezialisiert auf Analysen zur Entwicklung des Wohnungsmarktes. Es wurden unter anderem Statistiken ausgewertet und Bewohner befragt – auch Neubremer, die vor zwei oder drei Jahren in die Hansestadt gezogen sind. Die Gewos-Fachleute waren vom grün-geführten Senatsressort für Umwelt, Bau und Verkehr beauftragt worden.

Wenn Bremen bis 2030 alle Möglichkeiten ausschöpft, könnten bis zu 6000 Einwohner angelockt werden. Voraussetzung sei, dass sich Bremen frühzeitig darauf einstelle und genügend passender Wohnungen gebaut werde. Aus Sicht des sozialdemokratischen Abgeordneten und Baudeputationssprechers Jürgen Pohlmann muss dies beherzigt werden. Er führt auch finanzpolitische Argumente ins Feld: Über den Länderfinanzausgleich könne für jede Bremerin und jeden Bremer eine Zahlung von rund 3000 Euro veranschlagt werden. Resultierte aus zusätzlichem Schwung im Wohnungsbau ein Plus von 6000 Einwohnern, kämen dadurch etwa 18 Millionen Euro in die Kasse. Der Parlamentarier: „Das ist ein klarer Beleg dafür, dass diese Frage für die Haushaltssanierung wichtig ist und damit entscheidend für die Zukunft der Freien Hansestadt Bremen.“

Gestützt auf die Gutachter, wirbt Pohlmann dafür, dass bis 2030 bis zu 19 000 Wohnungen gebaut werden. Das sei deutlich mehr als das, was das grüne Bauressort vorhabe, das „Innenentwicklung“ und damit Baulücken in den Vordergrund rücke. „Aber Mercedes brummt, und Leute wollen in der Nähe Reihenhäuser haben – sonst gehen die nach Oyten,“ sagte der Parlamentarier. Und deshalb müsse auch erwogen werden, gut erschlossene Teile der Osterholzer Feldmark in die Wohnungsbauplanung einzubeziehen.

SPD-Erwartungen an die Grünen

Der sozialdemokratische Abgeordnete Jürgen Pohlmann stellt Forderungen auf, die an den grünen Koalitionspartner gerichtet sind: „Ich erwarte von der grünen Finanzsenatorin Karoline Linnert, dass sie das Wachstumspotenzial und den Sanierungseffekt für den Haushalt erkennt – und ich erwarte von den Grünen insgesamt, dass sie ein Bekenntnis für Wachstum und Arbeitsplätze abgeben.“

Eine Bebauung der Osterholzer Feldmark hatte die Politik über Jahrzehnte beschäftigt und immer wieder zu Kontroversen geführt. Vor Ort hatte sich Widerstand formiert, der bis in die 1990er-Jahre zurückreichte. Im Frühjahr 2010 hieß es dann, ein Verein, bei dem in den Zeiten des Protestes viele Fäden zusammengelaufen waren, habe „nach fast zwei Jahrzehnten seine Auflösung bekannt gegeben“.

Seit einiger Zeit aber gibt es nun aber wieder Hinweise, dass am Rande der Osterholzer Feldmark nahe des Mahndorfer Bahnhofs die Möglichkeit für eine Wohnbebauung offengehalten werden solle. Und der SPD-Fachabgeordnete Jürgen Pohlmann gehört zu denen, die sich so etwas vorstellen können und dies auch öffentlich sagen.

Der Abgeordnete Ralph Saxe ist ebenfalls Deputierter für Umwelt, Bau und Verkehr. Und er ist Parteichef der Grünen, die die Notwendigkeiten unterschiedlich betrachten. Er sei dafür, dass der Wohnungsbau auch in der kommenden Legislaturperiode nach der Bürgerschaftswahl am 10. Mai ein Schwerpunkt bremischer Politik bleibe: „Wir müsse da weiter aktiv sein.“ Aber eine Bebauung beispielsweise von einem Teil der Osterholzer Feldmark würde aus seiner Sicht „nicht helfen“, betont er in seiner Absage an die Pohlmann-Position. Sinnvoller sei bei der weiteren Bebauung die „Innenverdichtung“. Und es mache keinen Sinn, so der Grünen-Parlamentarier, „draußen etwas zu bauen, wo Leute dann gar nicht hin wollen.“ Er habe dabei auch Brokhuchting im Blick.

Der Parteichef des SPD-Koalitionspartners hebt hervor, dass ein wichtiger Grund für die Beliebtheit Bremens die Lebensqualität sei. Es gehe eben nicht nur um Masse, sondern auch um Attraktivität und angesichts des Klimawandels auch darum, grüne Zonen in der Stadt zu erhalten. Der Trend zeige, dass viele nicht mehr am Stadtrand oder gar außerhalb wohnen wollten, sondern „urbanes Wohnen mehr geschätzt“ werde. Und es mache gerade „den Charme Bremens“ aus, dass es da etwas zu bieten abhabe – auch in der Zukunft.

Das Gewos-Gutachten wird voraussichtlich in einer der nächsten Deputationssitzungen diskutiert.

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